Andachten

Bürger des „Königreiches schlechthin“

Dem, der uns liebt und uns von unseren Sünden erlöst hat durch sein Blut, und uns gemacht hat zu einem Königtum, zu Priestern seinem Gott und Vater: Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen! (Offenbarung 1,5b-6)

Ab und an singen wir in unserer Heimatgemeinde sonntagmorgens als gesamte Versammlung vereint ein Lied, welches exakt diese Verse aus der Offenbarung wiedergibt. Es ist eine schöne Sache, so als Gemeinde gemeinsam aufzustehen und ohne Klavierbegleitung unisono (alle singen nur eine Stimme) dieses Lied zu singen. Leider habe ich mir zu oft über schiefe Stimmen und über die mehr oder weniger langweilige Melodie Gedanken gemacht, als über die wunderbare Aussage dieses Liedes – und damit dieser Stelle aus der Offenbarung.

Dieses Lied ist so reichhaltig. Doch lasst uns kurz die Situation vor Augen führen, in welcher Johannes dieses Lied schreibt. Johannes ist gerade mitten in seiner Einleitung in den Brief, den er an die sieben Gemeinden, die in Asia sind (Offb 1,4), schreiben will. In diesem Brief wird er wichtige Inhalte schreiben, die die verfolgten Gemeinden betreffen und die ihnen zum Trost dienen sollen. Jeder, der die Worte, die Johannes schreiben wird, liest, hört und bewahrt, wird gesegnet werden (Offb 1,3). In der Offenbarung wird es vor allem und ganz zentral um Jesus Christus gehen. Aus diesem Grund beginnt sie auch freilich mit den Worten: „Offenbarung Jesu Christi“ (Offb 1,1). Er soll der sein, der den gesamten Inhalt der Offenbarung prägen soll.

So, doch bevor Johannes dazu kommt, Jesus Christus zu beschreiben, gehört es sich (wie es eben damals üblich war), dass man eine Briefeinleitung schreibt. Es muss klar sein, an wen dieser Brief gerichtet ist, nämlich an die sieben Gemeinden in Asia (1,4). Es muss auch klar sein, wer der Verfasser dieses Briefes ist und dieser ist Johannes (1,4). Und dann gehört es sich, dass man der Gemeinde liebe Grüße wünscht. In den Briefen des Neuen Testaments wird den Gemeinden meistens Gnade und Friede gewünscht. Genau das wünscht Johannes den Gemeinden auch (Offb 1,4). Er wünscht ihnen Gnade und Friede von Gott dem Vater („von dem, der ist und der war und der kommt“), von Gott dem Heiligen Geist („und von den sieben Geistern, die vor seinem Thron sind“) und von keinem geringeren als Gott dem Sohn („von Jesus Christus, dem treuen Zeugen, dem Erstgeborenen aus den Toten und dem Fürsten über die Könige der Erde“). Um diesen Jesus Christus geht es in der gesamten restlichen Offenbarung.

Und während Johannes diesen Briefgruß schreibt und er so darüber nachdenkt, von wem er da gerade den Gemeinden Gnade und Friede wünscht, kann er sich schlicht nicht mehr zurückhalten. Er muss einfach in einen Lobgesang ausbrechen und schreibt dann die Worte, die meiner Meinung nach völlig zurecht immer wieder als Lied gesungen werden: Dem, der uns liebt und uns von unseren Sünden erlöst hat durch sein Blut, und uns gemacht hat zu einem Königtum, zu Priestern seinem Gott und Vater: Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen!

Doch was steckt alles in diesem Lied?

  1. Christus hat uns geliebt. Eine Liebe, die wir in den vergangenen Wochen zur Genüge angeschaut haben, als wir die Geschichte der Liebe betrachteten. Eine völlig unverdiente, ja gerade zu verrückte und unvergleichliche Liebe. So eine Liebe gab es nie zuvor und wird es auch nie mehr geben. So kann nur Gott selbst und daher auch Jesus lieben.
  2. Er hat uns von unseren Sünden gewaschen. In Jeremia wird einmal die aussichtslose Situation beschrieben, in der das Volk Israel steckt, indem er schreibt: Denn wenn du dich auch mit Lauge waschen und viel Seife dazu nehmen würdest, so würde deine Schuld vor meinem Angesicht doch schmutzig bleiben! spricht GOTT, der Herr. Wie sehr sich das Volk auch versucht hätte abzuschrubben, sie wären kläglich gescheitert. Das war auch unser Dilemma, in dem wir steckten. Wir hatten völlig ekelerregende Kleider, doch wurden diese im Blut des Lammes gewaschen (vgl. auch Offb 7,14).
  3. Er hat uns zu einem Königtum und zu Priestern gemacht für seinen Gott und Vater. Als Königtum sind wir sein Herrschaftsbereich. Wir sind Bürger des einen Königreiches schlechthin, das Christus aufgerichtet hat und noch vollenden wird. Es gibt kein Reich, dem ich mehr angehören möchte als diesem Reich des Fürsten der Könige der Erde (Offb 1,5). Und als Priester sind wir diejenigen, die Tag und Nacht Gott Dank opfern (sollten?!), ihm Ehre räuchern und ihn verherrlichen. Was anders als das sollten wir diesem König gegenüber auch tun?

Da bleibt zum Schluss nur noch zu sagen: Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen!