Andachten

Was sagen die Sprüche über den Gerechten? (3/4)

Die Augen des HERRN sind an jedem Ort und schauen aus auf Böse und auf Gute. (Sprüche 15,3)

Das Opfer der Gottlosen ist ein Gräuel für den HERRN, aber das Gebet der Aufrichtigen sein Wohlgefallen. Ein Gräuel für den HERRN ist der Weg des Gottlosen; wer aber der Gerechtigkeit nachjagt, den liebt er. Fern ist der HERR von den Gottlosen, aber das Gebet der Gerechten hört er. (Sprüche 15,8.9.29)

Gottes Augen durchlaufen die ganze Erde. Er sieht einfach alles, jede Tat der Menschen, sie sei gut oder böse, er hört jedes Wort, es sei freundlich oder hasserfüllt, er kennt jeden Gedanken, er sei gottesfürchtig oder selbstverherrlichend – und das von jedem einzelnen Menschen, der je auf dieser Erde lebte, jetzt lebt und noch leben wird. Du denkst dir vielleicht, dass diese Tatsache, die Allwissenheit Gottes, für viele Menschen ein ganz schönes Problem darstellt, da sie so offensichtlich gegen Gottes Willen leben. Doch stelle dir einmal vor, man würde jeden Gedanken, den du allein gestern gedacht hast, öffentlich im Fernsehen ausstrahlen mit deinem Namen darunter. Würdest du dich jemals wieder in die Öffentlichkeit trauen? Könntest du den Menschen wieder unter die Augen treten, die dich einfach nur so kennen, wie du dich gibst, aber keinen Einblick in die tiefsten Gedanken deines Herzens haben? Wenn es dir so geht wie mir – ganz bestimmt nicht. Doch Gott, dessen Heiligkeit und Gerechtigkeit in keinem Vergleich zum heiligsten und gerechtesten Menschen der Welt steht, kennt alle deine Gedanken, Einstellungen und Handlungen.

Mit dieser Erkenntnis könnten wir zu dem Schluss kommen, dass es nicht einen einzigen Gerechten gibt, demnach müssten wir uns fragen, warum Salomo so ausführlich einen gerechten Menschen beschreibt. Selbst Paulus schreibt schließlich im Römerbrief und Salomos Vater David in einem seiner Maskile (Psalm 53), dass es keinen Gerechten gibt. Wusste Salomo das nicht? Hatte er kein Stück Selbsterkenntnis (er brach das Gesetz Gottes immerhin selbst auf tausende Weisen).

Nun, das ist die Spannung, die wir in den Sprüchen immer wieder finden. Die Sprüche beschreiben nämlich keine Gesetze, die immer zutreffen. Es sind eher allgemeine Prinzipien, die man beobachten kann. Den Gerechten geht es nämlich nicht immer gut und den Gottlosen nicht im er schlecht. Oft ist das Gegenteil der Fall. Manche Sprüche können wir vielleicht besser verstehen, wenn wir sie auf einzelne Situationen beziehen.

Doch zurück zu dem Gerechten. Gerecht galt zur Zeit Salomos jemand, der das mosaische Gesetz befolgte und der Gott liebte. Niemanden gelang dS vollkommen, doch einigen konnte man diese Prädikat „gerecht“ tatsächlich zuschreiben. In Römer 5,19 lesen wir, dass wir nur durch Christus zu Gerechten gemacht werden können. Hier ist mit dem „Gerechten“ zwar eher gemeint, dass er vor Gott gerecht steht, weil ihm seine Sünden vergeben sind, doch wir lernen ebenfalls im Römerbrief, dass ein Stand der Gerechtigkeit auch immer praktische Gerechtigkeit nach sich zieht. Die Sprüche lehren uns diese praktische Gerechtigkeit. Als solche, die Gott gerecht gemacht hat, und zu einem gerechten Leben befähigt hat, sollte es uns ein unglaublich wichtiges Anliegen sein, nach Gottes gerechtem Willen zu leben. Denn wir lernen hier, dass Gott die Gerechten liebt, und das sind in letzter Konsequenz seine Gerechten, seine Erwählten, seine Schafe, sein Volk. Und seine gerechten werden daran erkennbar dass ihre Gerechtigkeit praktisch wird. Doch ohne Gottes Wort als Maßstab, können wir der praktischen Gerechtigkeit nicht nachstreben. Lasst mich deswegen einige Charakterzüge eines Gerechten erwähnen, damit wir über sie den Tag über nachsinnen können. Denke bei diesen einzelnen Punkten auch immer an deine eigene Situation und daran, wie du die Punkte umsetzen kannst:

  • Ein Gerechter streut keine Zwietracht aus, sprich, er entzweit niemanden, und führt andere auch nicht auf falsche Wege (Sprüche 16,27-30).

  • Ein Gerechter vergilt nicht Gutes mit Bösem (17,13). Er erkennt an, wenn andere ihm Gutes tun, schätzt es wert und ist dankbar dafür.

  • Er besticht nicht, sonder ist redlich (17,23).

  • Seinen Nachkommen wird Glück verheißen (20,7). Jemand der älter ist, besitzt nicht automatisch mehr geistliche Reife und Gerechtigkeit, und ein jüngerer nicht unbedingt weniger (20,11).

Zwei interessante Verse zum Nachschlagen sind Sprüche 16,6.12. Sie beinhalten Hinweise auf Christus, den einzig wahren Gerechten.

Die Sprüche (39/100)