Andachten

Die Aufgabe der Erlösten

„Dankt dem Herrn, denn er ist gütig, denn seine Gnade währt ewiglich!“ So sollen sagen die Erlösten des Herrn, die er erlöst hat aus der Hand des Bedrängers. (Ps 107,1-2)

Die Psalmen werden von Martin Luther nicht umsonst als eine kleine biblia bezeichnet. Im Grunde hat man mit den Psalmen alles, was man wissen muss. Die Psalmen beschreiben uns an zahlreichen Stellen, dass Gott der Retter ist, sie erklären, dass Gott Sünden vergibt und nicht anrechnet, sie zeigen uns recht eindrücklich, wie wir Gott loben sollen, aber auch wie wir Gott unser Leid klagen können, ja gar wie wir unsere Wut und unseren Zorn bei Gott abladen können.

Die Psalmen decken praktisch alle wichtigen Bereiche der Bibel ab, die für einen Christen von Belang sind. Freilich finden wir in den Psalmen keine klare Lehre über die Rechtfertigung aus Glauben vor und auch keine deutlichen Aussagen über die Lehre von der Gemeinde, der Endzeit usw. (wenngleich diese Lehren angedeutet werden). Und doch findet man in den Psalmen immer wieder Aussagen, die den Inhalt des Evangeliums kurz und knapp aber aussagekräftig wiedergeben.

Gottes Gnade währt ewiglich. Gott hat Menschen erlöst aus der Hand des Bedrängers. Deswegen sollen sie ihm danken. Drei Dinge sind in diesen beiden Versen besonders wichtig zu beobachten.

1. Gott wird für seine Gnade gepriesen.

Der Psalmschreiber weiß genau, dass nur Gott retten kann und sonst niemand. Er kann dabei nicht mithelfen oder irgendetwas bewirken. Die Rettung ist die Sache des Herrn allein. Wie schön. Gott rettet Menschen aus ihrer Bedrängnis. Warum tut er das? Ist es so, dass die Menschen das nicht verdient haben, bedrängt zu werden? Mitnichten. Die Menschen haben gegen Gott frech rebelliert. Gott hat jedes Recht, die Menschen deswegen zu bestrafen, sie den schlimmsten Bedrängnissen auszuliefern und sie zu quälen. Niemand dürfte sich beschweren, wenn Gott das tun würde. Angesichts Gottes Heiligkeit und der eigenen Sündhaftigkeit müsste sich jeder auf die Brust klopfen und sagen: Ja! Ich verdiene die Hölle. Und ALLES außerhalb der Hölle ist GNADE. Der Mensch hat wirklich nichts Gutes verdient! O dass wir das doch immer mehr begreifen mögen, dass wir rein gar nichts an Gnade oder Liebe verdient hätten – wie viel mehr würden wir dann Gott für seine GNADE preisen.

2. Gott erlöst Menschen.

Es ist ein so großes Wunder, dass Gott tatsächlich Menschen erlöst. Da Gott das (obwohl er allmächtig ist) nicht einfach so machen kann, ohne irgendjemanden zu bestrafen, wird an mehreren Stellen in der Bibel deutlich. Gott ist gerecht und kann nicht einfach über Sünden hinwegsehen (Röm 3,24-26). Er muss jemanden dafür richten. Es muss ein Preis gezahlt werden, um die Schuld von Sündern wiedergutzumachen. Und Gott tut das Unfassbare: Er opfert Jesus. Seinen geliebten Sohn. Welch herzzereißende Angelegenheit. Und doch sind unsere Empfindungen dafür viel zu abgehärtet, um das noch gebührend wert zu schätzen. Niemand liebt so. Niemannd erlöst jemanden, der absolut das Gegenteil verdient hätte. Auf so eine Nachricht, dass Jesus durch sein Blut Menschen erlöst hat (Kol 1,13-14) gibt es nur eine passende Antwort:

3. Für diese Gnade und Erlösung soll Gott gepriesen werden.

Vielleicht hast du dich gefragt, warum heute so eine Andacht kommt, bei der du den Inhalt schon in und auswendig kennst. Nun, ich habe selbst gemerkt, wie schnell ich zu dem Punkt komme, an dem ich die Erlösung Christi als eine Selbstverständlichkeit ansehe. Ich möchte dir und mir aber in Erinnerung rufen, dass dem ganz und gar nicht so ist. „Eine Selbstverständlichkeit? Das sei ferne!“ würde Paulus dir und mir zu rufen! Gott wird Mensch und stirbt. Niemals darf diese Nachricht zu einer Selbstverständlichkeit verkommen und uns kalt lassen, wenn wir sie hören.

Dankt dem Herrn, denn er ist gütig, denn seine Gnade währt ewiglich! So und nicht anders sollen die Erlösten des Herrn sprechen und das täglich! Diese Nachricht ist einfach zu gut, als das wir sie nur einmal die Woche sonntags bestaunen. „Täglich will ich dich preisen und deinen Namen rühmen ewiglich“ (Ps 145,2). Amen.