Andachten

Der Grund unseres Flehens

Neige, mein Gott, dein Ohr und höre! Tu deine Augen auf und sieh unsere Verwüstungen und die Stadt, über der dein Name ausgerufen ist! Denn nicht aufgrund unserer Gerechtigkeiten legen wir unser Flehen vor dich hin, sondern aufgrund deiner vielen Erbarmungen.
Daniel 9,18

Daniel neun ist ein wirklich außergewöhnliches Kapitel. Von Daniel können wir in diesem Kapitel sehr viel lernen. Intensiv forschte er in den Schriften, bis er Verständnis bekam (9,2) über das, was Gott mit Israel und Jerusalem vorhatte, als Juda in die Verbannung ziehen musste. Es gibt auch nur wenige ander Beispiele, in denen jemand in der Bibel auf so eindrückliche Art und Weise zu Gott fleht, wie Daniel es hier tut. Sein Flehen um Gottes Gnade für sein Volk, obwohl er selbst so wenig zur Schuld Judas beigetragen hatte, seine Hingabe zum Gebet für sein Volk, all dies sind herausragende Merkmale Daniels.

Uns soll es vor allem um den zweiten Teil des heutigen Verses gehen. Daniel hatte verstanden, dass Jerusalems Verwüstung bald beendet sein würde. Das war die Antriebsfeder seines Gebets. Man beachte, dass Daniel um Dinge fleht, die Gott längst verheißen hat. Dies ist keineswegs ein Ausdruck von Unglaube. Daniel hatte viel klarer als unsereins erkannt, dass Gott erbeten werden möchte und seine Wunder durch die Gebete seiner Heiligen auswirken möchte.

Daniel betet also um etwas, das Gott schon mit einem konkreten Zeithorizont verheißen hatte: die Wiederherstellung Jerusalems. Interessant ist vor allem Daniels Gebetsmotivation: Gottes unzählige Erbarmungen! Daniel jammert Gott nicht die Ohren voll, welche schrecklichen Dinge ihn und sein Volk auf ungerechte Weise getroffen haben. Er klagt Gott nicht an und schreibt ihm auch nicht vor, wie er zu handeln hat. Daniel appeliert einzig und allein an die vielfältigen Erbarmungen Gottes. Sich zu erbarmen ist Gottes Natur und Daniel bittet seinen Herrn, diese Natur auszuwirken im Bezug auf sein Volk und die Stadt Jerusalem, über die doch Gottes Name ausgerufen ist.

Vor allem weiß Daniel aber eines: Wenn es um meine eigene Gerechtigkeit geht (oder die meines Volkes), so kann ich auf keinen Fall mit Erhöhrung rechnen! Zu groß ist unsere Schuld, zu sehr haben wir den Herrn beleidigt mit unserem jahrhunderte-währendem Götzendienst. Nein, wenn wir Rettung erfahren, dann nur weil Gott ein sich-erbarmender Gott ist!

Nehmen wir uns heute Daniel zum Vorbild. Beten wir ruhig um Gottes Verheißungen, denn Gott möchte erbeten werden. Es ist einfach das Mittel, dass Gott gewählt hat um uns zu beschenken („ihr habt nicht, weil ihr nicht bittet!“). Dies ist ein Zeichen von tiefem Vertrauen auf Gottes Zusagen, nicht von Unglauben. Doch sollten wir auch unbedingt die gleiche demütige Haltung im Gebet einnehmen, wie Daniel es tat. Gott gibt uns auf Grund seiner Erbarmungen, nie auf Grund unserer eigenen Gerechtigkeit. Er ist der Geber alles Guten obwohl wir nichts Gutes verdienen. Vergessen wir dies nie und bringen unserem Gott die Ehre, indem wir von ihm alles erwarten und alles erbeten – denn er erbarmt sich!