Andachten

Wer lebt denn nun mein Christenleben?

Der Gott des Friedens aber, der den großen Hirten der Schafe aus den Toten heraufgeführt hat durch das Blut eines ewigen Bundes, unseren Herrn Jesus, vollende euch in allem Guten, damit ihr seinen Willen tut, indem er in uns schafft, was vor ihm wohlgefällig ist, durch Jesus Christus, dem die Herrlichkeit sei von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.
Hebräer 13,20-21

Eins der spannendsten Themen der Bibel ist die Frage nach dem Christenleben, oder genauer: Wer lebt denn nun mein Christenleben. Nun zum einen wissen wir aus dem Römerbrief, dass wir der Sünde gestorben nun für Christus leben. Andererseits wissen wir auch, dass nun nicht mehr wir leben, sondern Christus in uns. Wir könnten hier sehr viele Verspaare ergänzen, die uns immer wieder auf diesen scheinbaren Widerspruch hinweisen: einerseits leben und wirken wir für Gott, andererseits lebt und wirkt Gott in und durch uns. Wie können wir das vereinen?

Unser heutiger Vers vereint dieses Paradox sogar in einer einzigen Stelle. Wir haben gelesen, dass der Hebräerbriefschreiber Gott um etwas bittet. Gott möge die Empfänger vollenden in allem Guten, damit sie seinen Willen tun. Gott ist es der die Vollendung wirkt und die natürliche Folge ist, dass Gottes Wille im Leben des Gläubigen ausgewirkt wird, das heißt, dass der Gläubige das tut, was Gott von ihm möchte. Soweit so gut. Doch nun kommt der zweite Hinweis darauf, dass Gottes Wirken noch viel weitergeht: Gott selbst ist es, der in uns alles schafft, was ihm wohlgefällig ist durch Jesus Christus.

Es ist wirklich nicht einfach, diese beiden Wahrheiten zusammenzubringen. Gott vollendet uns und wir tun darum seinen Willen aktiv. Trotzdem geschieht auch Gottes wirken in uns (passiv), denn schlussendlich wirkt er allein alles Gute in und durch uns.

Der Apostel Paulus war sich dessen stets bewusst, sagt er doch den Korinthern, dass er mehr gearbeitet hat als alle anderen Apostel, nicht aber er, sondern die Gnade Gottes, die in ihm ist (1. Kor 15,10). Die Philipper fordert er auf, ihr Heil mit Furcht und Zittern zu bewirken. Doch warum tut er das? „Denn Gott ist es, der beides in euch wirkt, sowohl das Wollen, als auch das Vollbringen, zu seinem Wohlgefallen“ (Phil. 2,12-13).

Hier stoßen wir mit unserem Verstand an eine ähnliche Grenze wie beim Thema der Erwählung und der Verantwortung des Menschen. Wir können darüber staunen und bekräftigen, dass die Bibel beides lehrt, doch beide perfekt zusammenbringen kann nur unser Gott. Was können wir nun zu unserer Frage vom Anfang sagen? Zunächst können wir festhalten, dass Gott selbst über seiner Ehre wacht. Dies beinhaltet, dass er höchstpersönlich in den Gläubigen das bewirkt, was zu seinem Wohlgefallen dient und ihn schlussendlich ehrt. Dies hebt die Verantwortung des Christen keineswegs auf. Vielmehr wird der wahre Gläubige durch diese unendlich tiefe Wahrheit darin bestärkt, mit Feuereifer danach zu trachten Gottes Willen in seinem eigenen Leben zu verfolgen und gerne diesen zu tun.

Lebe ich mein Christenleben? Ja. Lebt Gott durch mich und wirkt alles Gute in mir zu meinem Wohlgefallen? Ja. Verstehen wir das völlig? Nein! Halten wir dennoch daran fest, weil die Bibel dies ganz eindeutig lehrt und gehen wir mutig vorwärts in unserem Christenleben. Bedenke auch heute: der Gott und Schöpfer des Universums wacht über dir und vollbringt auch gerade heute in dir was ihm gefällt. Ihm sei alle Ehre!