Andachten

Randfiguren der Bibel – Sosthenes (20/20)

Alle aber ergriffen Sosthenes, den Vorsteher der Synagoge, und schlugen ihn vor dem Richterstuhl; und Gallio bekümmerte sich nicht um dies alles. (Apg 18,17)

Paulus verließ Athen und kam nach Korinth (18,1) wo er sich beruflich betätigt. Er wohnte bei Aquilla und seiner Frau und predigte jeden Sabbat das Evangelium in den Synagogen (18,4). Doch er erlebte Anfeindungen (18,6-7), verließ die Synagoge und predigte in einem nahegelegenen Haus das Evangelium. Ein Vorsteher der Synagoge namens Krispus kam daraufhin zum Glauben (18,8) und Gott selbst ermutigte ihn in einer nächtlichen Vision in Korinth zu bleiben, da Er ein großes Volk ausersehen hat, welches gerettet werden soll (18,10)

Doch nun ging der Ärger für Paulus erst los! Man zog ihn vor den Konsul Gallio und klagte ihn mit halbseidenen Argumenten an (18,12-13)! Doch der Konsul wehrte dies ab und deklarierte den Sachverhalt als innerreligiöse Angelegenheit, die ihn nicht interessiere. (18,14-16)

Was für eine Schmach für die jüdischen Ankläger! Sie scheiterten als gesamtes, geeintes Rudel – gegen einen einzigen Paulus! Zorn, Frust und peinliche Enttäuschung schlug sich nun Bahn!
Wie geht man mit solch einer Niederlage nun um? Man wählt sich ein Oopfer aus! Wie erbärmlich, doch gleichzeitig wie menschlich.
Der Ärger entlud sich auf einen Mann, wahrscheinlich war er griechischen und jüdischen Ursprungs. Es war der arme Sosthenes. Sein griechischer Name lässt Rückschlüsse auf die väterliche Namensgebung zu, seine Leitungsfunktion in der Synagoge verweist auf den jüdischen Ursprung seiner Mutter.

Sosthenes wird nun Opfer stumper Gewalt. Der Urtext gebraucht ein schwerwiegendes Wort für die Schläge die er bekommt. Man kan dieses getrost mit verprügeln oder zusammenschlagen übersetzen. An Sosthenes, dessen Name ironischerweise „starker Retter“ bedeutet, entlud sich nun der blanke Frust der Meute. Und was passierte? Nicht. Der Konsul scherte sich nicht drum.

Ob Sosthenes zu dem Zeitpunkt in Korinth bereits gläubig war, wissen wir nicht. Dennoch bekam er einen Vorgeschmack dessen, was bereits Paulus verheißen wurde: Denn ich werde ihm zeigen, wie vieles er für meinen Namen leiden muss. (Apg 9,16)

Sosthenes, der mit hoher Wahrscheinlichkeit auch der genannte Mitautor in 1. Kor 1,1 ist, erfuhr am eigenen Leib was es bedeutet, für das Evangelium einzustehen!

Damals wars rohe Gewalt, heute ist es in unserer Gegend vielmehr der Spot der uns entgegen tritt, die Verachtung, das herablassende Lächeln und beißender Sarkasmus, gepaart mit zynischen, blasphemischen Bemerkungen. Dies alles sind Früchte einer gefallenen Schöpfung, die nicht erkennen kann, was göttlich ist (1. Kor 2,14).

Machen wir uns nichts vor: Auch wir werden, insofern wir für das Evangelium eintreten, mit solchen Umständen betraut. Irritiert uns das? Vermunder uns das oder macht uns das gar fassungslos? Keineswegs! Gottes Wort zeigt an mehreren Stellen auf, dass das Leid um des Evangeliums willen zum Christen dazu gehört!

Hütet euch aber vor den Menschen! Denn sie werden euch an Gerichte überliefern und in ihren Synagogen euch geißeln […] (Mt 10,17)

Denn euch ist es in Bezug auf Christus geschenkt worden, nicht allein an ihn zu glauben, sondern auch für ihn zu leiden.  (Phil 1,29)

Wie sollte unsere Reaktion daraufhin sein? Sosthenes hatte sicherlich keine Freude an den Schlägen. Aber insgesamt erkennen wir bei den Aposteln, dass sie weit tiefer in Gottes Nähe kamen, denn unmöglich hätte Gottes Wort sonst bezeugen können:
Sie nun gingen aus dem Synedrium weg, voll Freude, dass sie gewürdigt worden waren, für den Namen Schmach zu leiden; (Apg 5,41)

Sosthenes erlitt Demütigungen für den Namen Seines Gottes. Er ist ein frühkirchliches Zeugnis für uns. Nicht nur ein großer Paulus oder ein bedeutender Petrus litten für den Herrn. Ein Sosthenes, der tendenziell unbekannt ist zeigt uns auf, dass ein bekennender Gläubiger unmöglich völlig unbescholten durch die Welt gehen kann.

Mögen wir an einem einfachen und kaum erwähnten Sosthenes erkennen und ableiten, ja sogar Freude und Ehre empfinden, für denjenigen einzutreten und für ihn Schmach zu erleiden, der die größte und ungerechteste Schmach für unsere Erlösung erduldete: Jesus Christus, unser Herr!