Andachten

Coram Deo

Und alles, was immer ihr tut, im Wort oder im Werk, alles tut im Namen des Herrn Jesus, danksagend Gott, dem Vater, durch ihn. (Kolosser 3,17)

Wenn du heute erfahren würdest, dass du auf einen Schlag 10.000.000 Euro erben würdest, wäre dann dein erster Gedanke: „Ich gehe nicht mehr zur Arbeit“? Mit Sicherheit würden viele so reagieren. Warum sollte man auch noch zur Arbeit gehen? Schließlich ist Arbeit und mein Beruf, den ich ausübe doch nur ein Mittel zur Bereicherung bzw. zum Geld verdienen, damit man überleben kann.

Ich denke, dass angesichts dessen, was in der Schrift und vor allem im heutigen Vers steht, sollte unsere Antwort nicht die sein, dass wir nicht mehr arbeiten würden. Arbeit sollte von uns nicht auf „Ein Mittel zum Geld verdienen“ reduziert werden. Der heutige Vers lehrt uns, dass wir, was auch immer wir tun, zur Ehre Gottes tun sollen. Und ich hoffe, dass du diesen Vers nicht, wie ich so oft, als strikte Forderung siehst, die dich einschränkt Spaß haben zu wollen. Sieh es als die Möglichkeit schlechthin an. Du darfst Gott ehren durch alles, was du tust.

Gott ist kein Mensch, dass er etwas bräuchte (Apg 17,25). Sollte er je etwas nötig haben, würde er es dir nicht sagen (Ps 50,12). Und trotzdem darfst du für diesen Gott Dinge tun, an denen er sich erfreut und über die er sagt: „Das verherrlicht mich“.

Und das darf vorrangig durch deine Arbeit oder deinen Beruf geschehen. Dort verbringst du höchstwahrscheinlich die allermeiste Zeit deines Lebens. Und Gott gibt dir die Möglichkeit, nicht nur 8-10 Stunden pro Tag zu arbeiten, um Geld zu verdienen, sondern 8-10 Stunden pro Tag (und darüber hinaus den Rest des Tages), um ihn zu ehren. Was eine Aufgabe! Und Arbeit und Freude, Erfüllung oder Segen schließen sich nicht aus.

Gott selbst ist der ewige, ultimative „Arbeiter“. Er hat diese Welt geschaffen. Sie sind das Werk seiner Hände (Ps 102,26). Ja, wir sind sein Werk (Eph 2,10). Gott ist der „Handwerker“ schlechthin. Und er hat uns in seinem Bild geschaffen und er hat gewollt, dass wir arbeiten. Schon vor dem Sündenfall hat der Mensch gearbeitet (1. Mose 2,15) – und da war noch alles gut! Die Arbeit ist etwas Gutes. Zu dieser Sicht müssen wir wieder kommen.

Die Reformatoren haben das wunderbar erkannt. Nach einer langen Zeit in der Kirchengeschichte, in welcher säkulare Arbeit als zweitklassig und niedriger angesehen wurde als die „geistliche“ Arbeit des Klerus, stand ein Martin Luther auf und gab der „normalen“ Arbeit wieder Bedeutung. Er erkannte, dass jeder, der einer Arbeit nachgeht, von Gott höchstpersönlich in diese berufen wurde und daher einen Beruf ausübt.

Johannes Calvin erkannte dies ebenfalls und das brachte ihn zu dem Prinzip des Coram Deo. Es bedeutet so viel wie „Vor dem Angesicht Gottes“ und will aussagen, dass jeder Augenblick, den wir irgendwie, auf welche Art und Weise auch immer, verbringen, in dem Bewusstsein gelebt werden sollte, dass Gott einen sieht und dass Gott von einem fordert, für seine Ehre zu leben. Das ist nichts, was einem ordentlich Druck machen sollte, sondern ein Gedanke, der uns fröhlich stimmen darf: Gott will durch alles, was wir tun – nicht nur durch „geistliche“ Arbeit – geehrt werden. Und dazu dürfen wir beitragen.

Wenn es sich lohnt, jemanden zu ehren, dann den gnädigen, gerechten, heiligen Gott! Lasst uns alles, was wir tun, mit der Motivation tun, dass Gott maximal geehrt wird. Das wird unsere größte Erfüllung und Freude sein.