Andachten

Was einen weisen Menschen kennzeichnet? (2/4)

Wer mit Weisen umgeht, wird weise; aber wer sich zu Toren gesellt, dem wird es schlecht ergehen. (Sprüche 13,20)

Hier finden wir einen einfachen Grundsatz, der das Leben von weisen Menschen kennzeichnet. Sie umgeben sich mit weiseren Menschen. Weisheit, wie auch andere positive (und auch negative) Eigenschaften, färbt ab und prägt andere Menschen im Umfeld – eine Wahrheit, die sich eigentlich von selbst versteht. Wir haben in den Sprüchen schon viele Aufforderungen dafür gefunden, der Weisheit nachzustreben. Nun sehen wir in diesem Vers eine Möglichkeit, wie wir das tun können, was uns dazu bewegen sollte, den Kontakt und den Umgang mit weisen Menschen zu suchen.

Das kann allerdings auch sehr herausfordernd sein, da das auch bedeutet, den Kontakt zu Andersaltrigen zu suchen, sprich Menschen, die älter und reifer sind als man selbst und über einen größeren Erfahrungsreichtum verfügen. Jugend- und Jungschargruppen mögen ihren Platz haben, doch sollten sie uns nicht daran hindern, den Umgang mit weiseren Menschen zu suchen und zu pflegen. Denn wenn man nur mit seinesgleichen umgeht und nur Kontakt zu Gleichaltrigen hat, bilden sich dadurch schnell Subgruppen, die isoliert sind vom reichen Erfahrungsschatz älterer Christen, was wiederum dazu führen kann, dass man sich als Jugendlicher schnell für weiser oder reifer hält, als man eigentlich ist, da man als Vergleichswert nur Gleichaltrige hat.

Doch auch für Ältere kann dieser Vers herausfordern sein, da er implizit auch dazu aufruft, sein gewohntes freundschaftliches oder familiäres Umfeld zu verlassen und auf neue Menschen zuzugehen um in den “Einflussbereich” ihrer Weisheit zu kommen. Es erfordert z.T. auch, sich einzugestehen, dass andere weiser sind als man selbst. Aber auch hier gilt, dass die Weisheit eines Menschen dann zunimmt, wenn er sich mit weisen Menschen umgibt und bereit ist, von ihnen zu lernen.

Dass dieser Vers eine wichtige Grundwahrheit vermittelt, sehen wir auch in verschiedenen Aufforderung die im Neuen Testament der Gemeinde gegeben werden. So sollen zum Beispiel ältere Frauen in einer Gemeinde die Jüngeren anleiten, besonnen zu leben, ihre Ehemänner zu lieben usw. Das ist nicht unbedingt deswegen so, weil ältere Frauen mehr Bibelwissen haben oder intelligenter sind, sondern es liegt an einem Unterschied hinsichtlich der Reife, der Weisheit und der Erfahrung.

Wer also weise ist, soll andere an seiner Weisheit teilhaben lassen, aber vor allem soll jeder lernbereit sich an weise Menschen wenden und Zeit mit ihnen verbringen, um selbst weise zu werden. Denn wer das nicht tut, der “wird schlecht”, so der Urtext. Im Hebräischen hat das eine doppelte Bedeutung: Zum einen wird es einem schlecht ergehen, er wird also üble Konsequenzen davontragen, zum anderen wird er auch selbst schlecht und böse, da er sich nicht nur nicht weiterentwickelt, sondern immer weiter von der Weisheit entfernt, indem er sich zum Beispiel zu einem unbelehrbaren und sturen Menschen entwickelt. Möge Gott uns davor bewahren und uns Weisheit schenken, indem er andere Menschen dazu gebraucht.

Die Sprüche (42/100)