Andachten

Dumme (Rat-) Schläge

Wenn ich vor Problemen stehe und über Entscheidungen nachdenke, suche ich ab und zu einen weisen Rat. Dann frage ich Freunde, meine Eltern, die Ältesten meiner Gemeinde oder andere ältere Personen, die mir weiterhelfen können. Meist haben diese Menschen mehr Lebenserfahrungen und können mir deshalb gute Tipps geben, über die ich vorher nicht nachgedacht hatte. So kann ich neu über die möglichen Folgen der unterschiedlichen Entscheidungen nachdenken und weise handeln.

Im Alten Testament finden wir einen Mann, der auch einen guten Rat nötig hatte. Er war frisch zum König eingesetzt worden und wurde vom Volk befragt, wie er das Land in der Zukunft regieren wird. Der junge Mann hieß Rehabeam und war der Sohn von Salomo und damit ein Enkel Davids. In 1. Könige 12 wird uns beschrieben, was das Volk bei Rehabeams Amtseinführung von ihm forderte:

„Dein Vater hat unser Joch zu hart gemacht; so mach du nun den harten Dienst und das schwere Joch leichter, das er uns aufgelegt hat, so wollen wir dir untertänig sein.“ (1. Kön 12,4)

Wie sollte der junge König nun reagieren? Er erbat sich drei Tage Bedenkzeit, in denen er sich mit zwei Gruppen von Menschen beriet: Erst fragte er die älteren Männer, die auch seinem Vater Salomo gedient hatten, danach beriet er sich mit den jungen Männern, die noch wenig Erfahrung hatten. Am Ende der Bedenkzeit lesen wir Folgendes:

„Also kam (…) das ganze Volk zu Rehabeam am dritten Tage, wie der König gesagt hatte und gesprochen: Kommt wieder zu mir am dritten Tage. Und der König gab dem Volk eine harte Antwort und ließ den Rat außer acht, den ihm die Ältesten gegeben hatten, und redete mit ihnen nach dem Rat der Jungen und sprach: Mein Vater hat euer Joch schwer gemacht; ich aber will es noch schwerer über euch machen: Mein Vater hat euch mit Peitschen gezüchtigt; ich aber will euch mit Skorpionen züchtigen.“ (1. Kön 12,12-14)

Rehabeam hatte den Rat der jungen Berater angenommen: „Sei noch strenger zum Volk. Bestrafe sie härter, schlage sie und lass es ihnen schlecht gehen, dann werden alle erkennen, dass du der König bist!“ Statt einem guten Ratschlag der älteren Berater zu folgen, verlässt sich Rehabeam auf den Rat der Schläge seiner gleichaltrigen Genossen. Aus diesem Grund nahm Gott ihm die Herrschaft über 10 der 12 Stämme aus Israel weg und gab sie einem neuen König, Jerobeam. Dieser falsche Rat führte letztlich dazu, dass Israel in ein Nord- und ein Südreich geteilt und nie wieder vereint wurde.

Aus dem Verhalten von Rehabeam können wir drei Dinge lernen, die bei wichtigen Entscheidungen berücksichtigt werden sollten:

  1. Triff Entscheidungen nicht vorschnell!
  2. Triff Entscheidungen nicht voreingenommen!
  3. Triff Entscheidungen vor Gott!

1. Triff Entscheidungen nicht vorschnell!

Wenn wir dem Beispiel von Salomos Sohn etwas Positives entnehmen können, ist es sicherlich sein Wunsch nach Bedenkzeit. Anstatt intuitiv und vorschnell dem Volk zu antworten, erbittet er sich drei Tage Rückzug zum Beurteilen der Situation (12,5). Er geht hin und bespricht sich mit seinen Beratern und vertraut nicht seinem eigenen Urteilsvermögen, zumindest heuchelt er diese Vorgehensweise vor (s. dazu Punkt 2).
Auch bei uns kann es sehr hilfreich sein, bei wichtigen Entscheidungen den Rat anderer Menschen zu suchen (Spr 11,14). Beratung und Annehmen von Weisheit ist entscheidend und braucht gerade in wichtigen Entscheidungen mehr Zeit als ein kurzes Stoßgebet. Wir sollten uns davor hüten, Dinge vorschnell zu entscheiden und zu lösen. Gott wird uns durch Gebet, sein Wort und andere Christen die Weisheit schenken, die wir uns nicht einfach erarbeiten können (Jak 1,5).

2. Triff Entscheidungen nicht voreingenommen!

Rehabeam hatte den Rat der jungen Männer noch gar nicht gehört, aber die Weisheit der Alten schon abgelehnt (12,8). Beim Lesen des Kapitels wird deutlich, wie voreingenommen er die Entscheidung fällte. Selbst den Rat der Männer, die unter dem weisesten Menschen der Welt gelernt hatten (Salomos Berater), lehnt der König vorschnell ab.
Als ich diese Verse las, kamen mir einige Situationen in den Sinn, in denen ich ähnlich gehandelt habe. Wenn ich einen bestimmten Rat hören wollte, wusste ich, zu wem ich dafür gehen muss. Man kann sich leicht die Menschen heraussuchen, die einem den Rat geben, den man eh hören möchte. Schwieriger ist es, kritische Menschen ehrlich um Rat zu fragen und über diesen nachzudenken. Rehabeam hatte den Rat der Alten verworfen, ohne sich darüber Gedanken gemacht zu haben. Seine wie auch oft unsere Entscheidung war geprägt von seinen eigenen Wünschen, nicht von der Suche nach Weisheit. Lasst uns mehr und mehr nach ehrlicher Weisheit in unseren Entscheidungen streben als nach der Befriedigung von unseren voreingenommenen Vorstellungen!

3. Triff Entscheidungen vor Gott!

Im Gegensatz zu Rehabeam, der seine Entscheidung im Vertrauen auf sich selbst und seine unerfahrenen Untertanen fiel, beschreibt die Bibel uns den guten Weg der Entscheidungsfindung. Egal ob Gideon, David, Daniel oder Paulus, immer wieder lesen wir von Menschen, die ihre Entscheidungen vor und mit Gott trafen. Wir dürfen darauf vertrauen, dass der Heilige Geist uns führen wird, wenn wir uns an Gottes Wort orientieren. Er gibt uns klare Strukturen und seine Weisheit in der Bibel. Ich brauche Gott nicht um seine Weisheit zu bitten, in der Entscheidung, ob ich eine Bank ausrauben soll oder nicht. Aber wenn ich nach seinen Geboten lebe, wird er mir helfen, unklare Entscheidungen vor ihm gut und weise zu treffen.

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