Andachten

An wen gibst du die Staffel weiter?

„Paulus, Apostel Christi Jesu nach dem Befehl Gottes, unseres Retters, und Christi Jesu, unserer Hoffnung, Timotheus, meinem echten Kind im Glauben: Gnade, Barmherzigkeit, Friede von Gott, dem Vater, und von Christus Jesus, unserem Herrn!“ (1.Timotheus 1,1.2)

Wie die oben zitierten Verse bereits verraten haben, wollen wir uns in den nächsten Wochen mit dem ersten Pastoralbrief, dem 1.Timotheusbrief beschäftigen. Wir werden uns einige Gedanken über wichtige Themen im Leben eines Christen im Bezug auf das Leben in einer Gemeinde machen und dabei auch mehr über die Beziehung zwischen dem Verfasser und dem Adressaten des Briefes erfahren.

Sowohl der Autor dieses Briefes, als auch der Empfänger desgleichen werden uns in den ersten beiden Versen genannt: Es sind Paulus bzw. Timotheus. Paulus stellt sich zunächst als Apostel Christi Jesu vor und zeigt damit, dass er von Jesus selbst als Gesandter dazu bestimmt wurde, das Evangelium zu verbreiten. Paulus war nicht von einem anderen Apostel zu seinem Dienst eingesetzt worden, er predigte auch nicht das Wort Gottes, um damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Sein ganzer Dienst und seine Autorität gründeten sich auf den Befehl Gottes, dem einzigen Fundament, dass ihm während all den Anfechtungen und Prüfungen, die er erlebte, sicheren Halt gab. An wen schrieb der Apostel nun diesen Brief? In erster Linie an seinen treuen Mitarbeiter Timotheus, den der Apostel Paulus in der Gemeinde in Ephesus zurückgelassen hatte, um nach Mazedonien weiterzureisen. Doch im weiteren Sinn gilt dieser Brief jedem Menschen, der bekennt, dass Gott sein Retter und Jesus seine Hoffnung ist.

Wer war nun aber der eigentliche Adressat des Briefes? Paulus beschreibt ihn als sein echtes Kind im Glauben, was dafür sprechen könnte, dass Timotheus durch eine Predigt des Paulus zum Glauben an Christus fand. Eine andere Auslegungsmöglichkeit ist die, dass Timotheus dieselben geistlichen und ethischen Eigenschaften wie Paulus hatte, er also als ein Nachkomme des Apostels bezeichnet werden konnte, da er den gleichen Charakter aufwies. Es ist gut möglich, dass Paulus diesen Charakter in Timotheus sah, als er das erste Mal Lystra besuchte (Apg 14,6-20) und von da an zu seinem geistlichen Vater wurde.
Doch wieso war es dem Paulus so wichtig, zu einigen seiner Mitarbeiter eine so enge Beziehung zu pflegen, wie sie ein Vater mit seinem Sohn hat? Ich bin mir sicher, dass sich Paulus seiner ungewissen Zukunft, als führender Apostel, stets bewusst war. Oft wurde er von den Juden in den Synagogen angefeindet und angegriffen und auch die römischen Herrscher sahen in den Christen nur Störenfriede, derer man sich in den Arenen des römischen Reiches entledigen kann. Paulus wollte sichergehen, dass das Evangelium, die gesunde Lehre auch nach seinem Tod noch weiterhin von treuen Christen verkündigt wird. Ihm war es ein großes Anliegen, dass die Staffelübergabe des Wortes Gottes von der Generation der Apostel auf die nachfolgende Generation gut gelingen würde.

Welche Absicht verfolgte Paulus also, als er diesen Brief an Timotheus schrieb?
Dies schreibe ich dir in der Hoffnung, bald zu dir zu kommen; wenn ich aber zögere, damit du weißt, wie man sich verhalten muss im Haus Gottes, das die Gemeinde des lebendigen Gottes ist, die Säule und Grundfeste der Wahrheit. (Kapitel 3,14.15)

Ich bin davon überzeugt, dass jeder einzelne, der einen Dienst im Reich Gottes ausübt, besser früher als später nach einer geeigneten Person Ausschau halten sollte, die irgendwann den Dienst übernehmen kann, so wie es Paulus mit Timotheus machte. Wir dürfen gespannt sein, welche geistlichen Anweisungen und praktischen Hinweise der Apostel Paulus dem Timotheus, für seinen Dienst in der Gemeinde in Ephesus, zuspricht.