Andachten

Gott besser kennen lernen

„Vom Hörensagen hatte ich von dir gehört, jetzt aber hat mein Auge dich gesehen. Darum verwerfe ich mein Geschwätz und bereue in Staub und Asche.“ (Hiob 42,5)

Die meisten neuen Studenten, die an die Bibelschule kommen, machen am Anfang folgende Aussagen: „Ich möchte Gott besser kennen lernen.“ „Durch diese Zeit möchte ich Gott begegnen.“ „Ich möchte ein Jahr intensiv mit Gott erleben.“ Das ist sicherlich eine gute Einstellung und mit diesen Gedanken startete auch ich meine Bibelschulzeit. Doch wie sieht eine Erfahrung mit Gott aus? Was heißt es denn, wenn ich Gott besser kennen lerne? Und was ist daraus die Folge?

Hiob war ein Mann, der genau das erlebte. Er lernte Gott kennen. Auf eine ganz außergewöhnliche Art und Weise offenbarte Gott sich ihm. Er ging durch große psychische und physische Schmerzen, musste mit seinen Freunden über die „Warum?“-Frage diskutieren und konnte letztendlich keine Antwort finden. Aus all diesen Schmerzen heraus klagt er schließlich Gott an und fordert eine Antwort des Allmächtigen (Hi 31,35). Und Gott geht auf diese Forderung ein. Er antwortet Hiob, zeigt ihm Gottes unvergleichliche Größe und Allmacht auf und stellt sie Hiobs Unvollkommenheit und Endlichkeit gegenüber. Am Ende der Reden Gottes muss Hiob feststellen, dass er überhaupt keine Ahnung von Gott gehabt hatte. Er bezeichnet seine Forderungen, seine Diskussionen und sein Reden über Gott als „Geschwätz“. Er bereut sein Verhalten und seine Anklage zutiefst („in Staub und Asche“). Und warum das alles? Weil er Gott kennen lernen durfte.

Ich bin überzeugt, dass die Reaktion Hiobs nicht außergewöhnlich ist. Wenn ein Mensch Gott in irgendeiner Form begegnet, wird er erkennen, wie unvollkommen er ist. Auch der große Prophet Jesaja erkannte seine Würdelosigkeit vor Gott, als er dessen Herrlichkeit sah und ihn damit kennenlernte (s. Jes 6,5). Der Wunsch danach, Gott besser kennen zu lernen, ist gefährlich. Egal ob durch Leid wie bei Hiob oder durch das Erkennen der eigenen Ohnmacht wie bei Jesaja, Gott kennen zu lernen ist nicht angenehm. Wenn Gott sich offenbart, bringt er Licht in das eigene Leben. Gott besser kennen zu lernen bedeutet immer, seine eigene Sündhaftigkeit in Gottes völliger Heiligkeit zu entdecken. Das tut weh. Gott begegnen und intensiv mit ihm zu leben war für die meisten Menschen der Bibel kein leichtes Unterfangen. Folterung, Verfolgung und oft der Tod waren die Folgen eines intensiven Lebens mit Gott. Hiob lernte Gott kennen durch große Schmerzen und Krankheit. Der Wunsch, Gott näher zu kommen, kann dem Wunsch nach Leid und äußerlicher Trauer gleichkommen.

Zum Start dieser Woche wünsche ich uns den Blick auf die Reaktion Hiobs: Lasst uns vor Gott bekennen, dass wir an ihn niemals heranreichen können. Lasst uns ihn bitten, dass wir ihn kennen lernen dürfen. Wenn er sich uns in seinem Wort und durch unser Leben zeigt, dann wird das nicht angenehm und problemlos laufen. Unser Stolz darf gebrochen werden, sein Licht unser Dunkel erhellen, auch wenn das weh tut. Lasst uns mit Demut reagieren, wenn wir Gottes Größe mehr und mehr erkennen dürfen. Wenn wir auf das Ende eines Hiob oder der Märtyrer schauen, können wir festhalten: es wird sich lohnen. Gott zu kennen ist das größte Glück für den Gläubigen! Denn so dürfen wir eine Ewigkeit mit ihm verbringen, rein gemacht durch seinen Sohn, Jesus Christus!