Andachten

Habakuk – Die Person (1/6)

Der Ausspruch, den der Prophet Habakuk geschaut hat. (Habakuk 1,1)

Es gibt eine Frage, die Menschen – gläubig oder ungläubig – immer wieder bewegt: Wie lange soll das noch so weiter gehen? Oder: Warum geschieht solches? Diese Frage tritt vermehrt im Falle von terroristischen Anschlägen oder nach Naturkatastrophen zu Tage.

Christen fragen hierbei leicht abgeändert: Warum lässt Gott das zu? Oder: Wie lange schaut sich Gott das noch an? Warum greift Gott nicht ein bei Terror? Bei Streitigkeiten in der Familie? Bei Uneinigkeit in der Gemeinde? Bei Zerrissenheit und Ungerechtigkeit?

Solche Fragen stellte bereits ein Mann in der Bibel, 2600 Jahre vor unserer Zeit! Es war Habakuk. Er war einer der drei uns bekannten Schriftpropheten (neben Haggai und Sacharja), und somit ein „offizieller“ Prophet, der die Anerkennung der gegenwärtigen Obrigkeit und des Volkes genoss.
Wir wissen nicht genau in welcher Zeit Habakuk lebte, doch deutet vieles darauf hin, dass es sich wohl gut um die gottlose und sündige Zeit nach den Reformen des Königs Josia handeln dürfte, ca. 605 v. Chr.

Das Buch Habakuk beginnt nicht wie üblich mit der Prophetie Gottes – sondern mit zweifelnden Fragen! Ein Novum unter den Prophetenbüchern! Habakuk wird somit auch häufig als „der Hiob unter den Propheten“ bezeichnet.

Habakuk bedeutet soviel wie „umarmt“, „umschlungen“ oder „liebkost“. Benedikt Peters weist ausdrücklich darauf hin, dass die Namensbedeutung im Hebräischen im Passiv verstanden zu werden hat (entgegen den meisten Bibelübersetzungen und Kommentaren, die Habakuk mit „Umarmer“ übersetzen) und somit Habakuk seinem Namen durch die aktive Handlung Gottes an ihm alle Ehre bereitet.

Was können wir vom Namen Habakuk ableiten, welcher garantiert nicht zufällig so heißt?
Wir dürfen sehen, dass sich in Zeiten des zweifelnden Fragens Habakuk als umarmter Gottes fühlen und sicher sein darf! Er darf sich Gottes Tragen und Umschlingen gewiss sein, der ihn in der Fassungslosigkeit in welcher er sich befindet, durchtragen wird!

Wer hält sich hierbei an wem fest? Habakuk an Gott? Mag sein. Doch viel mehr kommt zum Tragen, dass Gott derjenige ist, der Habakuk umarmt, ihn umschlingt und förmlich umgürtet!
Ähnlich beschreibt sich auch Asaph: Doch ich bin stets bei dir. Du hast meine rechte Hand gefasst. (Ps 73,23)
Asaph weiß sich von Gott gehalten!

Ähnlich beschreibt auch Paulus seine Beziehung zu Gott: Nicht, dass ich es schon ergriffen habe oder schon vollendet bin; ich jage ihm aber nach, ob ich es auch ergreifen möge, weil ich auch von Christus Jesus ergriffen bin. (Phil 3,12)
Paulus weiß, dass seine Stabilität ausschließlich von Gottes Umarmung abhängig ist!

Was zeigt uns dies in Bezug auf Habakuk?
Dass er an Gott festhält ist nicht die Leistung seines ausdrücklichen Willens und seiner Intensität der Kraftanstrengung – sondern die Konsequenz aus Gottes Umarmung und Gottes Festhaltens!

Unser Fazit ist also: Nicht Habakuk hält sich an Gott fest – Gott hält Habakuk (den Umarmten) fest!

Ein solches Bewusstsein macht jedoch nicht gleichgültig oder passiv, sondern gibt festen Halt und Trost. Solch ein Bewusstsein macht abhängig und lässt uns erkennen: Egal ob im Alter, in Krankheit, im Leid oder in der Dunkelheit – Gott ist es, der die Seinen umklammert!