Andachten

Durst der Demütigung

„Und er war sehr durstig, und er rief zu dem Herrn…“ (Richter 15,18)

„Ich tue meine Arbeit für den Herrn“ wird wohl jeder gute Christ als Motto für seinen gesamten Dienst haben. Wer würde es auch wagen, etwas anderes zu proklamieren? Doch wenn wir das, was wir tun genauer analysieren, so fällt auf, dass sich da zweifellos oft selbstverherrlichende Motive in unserem Dienst verstecken.

Bete ich in der Gemeinde nicht viel schöner formulierte Gebete als kurz vor dem Schlafen gehen? Putze ich in der Gemeinde die Fenster oder Sauge ich dort den Boden nicht viel sauberer als in meinem eigenen Zimmer? Und würde ich meinen Dienst (Singen, Predigen, Menschen besuchen/helfen, Kochen etc.) wirklich so treu und gut erledigen, wenn ich nicht ab und wann auch mal ein Lob dafür bekomme? Nun, ich persönlich kenne das nur zu gut. Freilich gefällt mir ein nettes Lob, nachdem ich beispielsweise die Gemeinde mit meiner Klarinette beim Singen begleitet habe. Oder wenn ich in der Bibelschule mal eine Ausarbeitung vorgetragen habe, schmeichelt mir eine positive Rückmeldung vom Dozenten schon sehr.

Nicht dass Lob und Ermutigung verwerflich sind im Dienst. Aber sobald wir unseren Dienst Davon abhängig machen und es für unseren Selbstzweck machen, geht das in eine falsche Richtung. Und ich denke, dass da eigentlich jeder Arbeiter im Reiche Gottes sich immer wieder verfehlt. Selbst unser Rektor war bereit zuzugeben, dass er, wenn er ehrlich ist, doch mindestens 50% auch zu seiner Ehre oder für seinen Vorteil arbeitet. Das nenne ich ein gesundes Maß an Selbsteinschätzung.

Dieses scheint Simson überhaupt nicht gehabt zu haben. Nachdem Gott ihm einen erstaunlichen Sieg über 1000 Philister geschenkt hat – ihr erinnert euch: er hat mit einem Eselskinnbacken gewaltige Kriegsmänner in Scharen vernichtet! – singt er dieses selbstverherrlichende Lied: „Mit dem Eselskinnbacken färbte ich sie rot, mit dem Eselskinnbacken schlug ich tausend Mann tot!“ (Richter 15,16).

Mit keiner Silbe erwähnt Simson den Einen, der ihm diese Kraft verliehen hat. Er denkt gar nicht daran, dass Gott allein, seine Muskeln, Sehnen, seine Gewandheit, die Fähigkeit, mit diesem Eselkinnbacken tödliche schläge zu verabreichen, erhält und schenkt und gibt ihm nicht die Ehre dafür.

Doch dann – bekommt Simson Durst! Der große Simson braucht etwas zu Trinken, sonst stirbt er. Gott zeigt ihm: „O Simson, schau nur, wie sehr du mich brauchst!“ Glücklicherweise treibt dieser Umstand Simson ins Gebet.

Manchmal kann Gott solche Umstände (wie Durst) gebrauchen, um seine Knechte zu demütigen, damit sie wieder erkennen wie abhängig sie doch von dem alles erhaltenden Gott sind. Diese Tatsache sollte uns demütigen. Letztlich ist es doch so, dass wenn wir viel gearbeitet haben, viel im Reich Gottes gewirkt haben und wir meinen, wir hätten selbst gute Arbeit getan, bekommen wir wieder „Durst“ und merken: Es war der Herr allein, der mich dazu befähigt hat. Kein Grund sich zu rühmen. Es gibt in der Tat nichts, das wir nichts empfangen hätten; warum also sollten wir uns rühmen? (1. Kor 4,7). Lasst uns vielmehr, sobald wir unsere Arbeit verrichtet haben, sprechen: Ich bin ein unnützer Knecht; ich habe lediglich getan, was ich zu tun schuldig war (Lk 17,10). Und lasst uns dadurch Gott die Ehre geben, dass wir anerkennen, dass er wirkt und aus diesem Grund ihm allein Ehre, Lob und Wertschätzung gebührt. Lasst uns um dieser Ehre willen heute diesen Tag leben.