Andachten

Ist es Gottesdienst, weil wir es so nennen?

Ich hasse, ich verschmähe eure Feste, und eure Festversammlungen mag ich nicht riechen. […] Tu den Lärm deiner Lieder von mir weg, und das Spiel deiner Harfen mag ich nicht hören. Aber das Recht wälze sich einher wie Wasser, und die Gerechtigkeit, wie ein immer fließender Bach.
Amos 5,21.23.24

Das menschliche Herz ist eine Götzenfabrik, sagte einer der Reformatoren schon vor vielen Jahren. Gepaart mit der enormen Selbsttäuschungskraft unseres Herzens, entstehen immer wieder neue Götzen. Erschreckend dabei ist vor allem, dass wir sogar auf geistlichem Gebiet Götzen erschaffen können, genauer gesagt, sogar unsere Gottesdienste können uns zu Götzen werden. Was meine ich damit?

Nun, Gott tadelt sein Volk, das „brav“ seine Feste hält und die vorgeschriebenen Opfer bringt. Warum tut Gott das? Er hattte sicher nichts gegen die Taten an sich, hatte er sie doch selbst befohlen. Allerdings hassen die Israeliten gerechte Richter und Unsträfliche Mitmenschen, traten Geringe nieder und beugten das Recht der Armen (Amos 5,10-12). Nach außen hin war alles in Ordnung. Es gab Feste, die Opfer dufteten und der „Gottesdienst“ ging weiter. Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr. Die Israeliten glaubten, dass alles in Ordnung sei, doch Gott hatte eine ganz andere Sicht von dem, was sie Gottesdienst nannten. Gott verabscheute den Gottesdienst des Volkes, weil es ihm ungehorsam war.

Gott ruft sein Volk damals wie heute dazu auf, ihnzu suchen und nach Gutem zu trachten. Sucht mich und lebt, spricht Gott zu dem Volk. Auch wenn feste Programme für uns Menschen bequem sind, Programme sind nicht, was Gott von uns möchte. Wenn du einmal vor deinem Gott stehst, wird er dich nicht fragen, wie viele Gemeindestunden du am Stück besucht hast, sondern wie gehorsam du ihm warst. Gott möchte nicht kein Ersatzprogramm von uns, damit  wir beruhigt leben können wie wir wollen. Gott will Gehorsam nicht Opfer. Gott will Gehorsam und nicht ein perfekt durchgetaktetes Gemeindeleben.

Bitten wir Gott, dass wir nicht der Illusion erliegen, der Israel vor vielen Jahren zum Opfer fiel. Wenn unsere Gemeinde schöne Gottesdienste feiert, schöne Lieder singt und viele Gaben gibt, so „stinkt all das zum Himmel“, wenn es ohne echte Hingabe an das Wort Gottes und dem Gehorsam ihm gegenüber geschieht. Betrügen wir uns doch nicht länger selbst. Die Anzahl der Gottesdienste, die Zahl ihrer Besucher, die Menge der Spenden und die Vielzahl der Angebote für jung und alt sind kein Maßstab dafür, ob unser Gottesdienst wirklich ein Gottesdienst ist. Gottes unveränderlicher Maßstab für Liebe zum ihm ist, ihm gehorsam zu sein (Joh 14.15.21). Fehlender Gehorsam wird nur dazu führen, dass sich die Maskerade einer Gemeinde verfestigt und sie sich nicht mehr im Licht Gottes prüft.

Möge Gott uns davor bewahren und in uns neu das Verlangen nach ihm und seinem guten Wort wecken, damit wir ihn suchen, ihm gehorchen und leben. Alles andere, mag unser Gott nicht riechen.