Andachten

Habakuk – Gottes Schweigen (3/6)

Warum lässt du mich Unrecht sehen und schaust dem Verderben zu, so dass Verwüstung und Gewalttat vor mir sind, Streit entsteht und Zank sich erhebt? (Habakuk 1,3)

Der Prophet Habakuk ist entsetzt! Er fragt Gott: „Wie kannst du mich zusehen lassen, wie du heiliger und gerechter Gott dir Gewalttat anschauen kannst?“

Er verwendet ihr ein Wort, welches gemäß dem Schlüssel der Elberfelder Studienbibel soviel bedeutet wie „Unrecht“, „Verbrechen“ oder „Töten der Unterdrückung“. Dies deutet darauf hin, dass es Zustände um die Zeit des Königs Jojakim waren, der alles Böse nach der Weise seiner Vorfahren tat. Diese Auswüchse störten einen Habakuk. Er litt drunter, dass im auserwählten Volk Israel solches gegenwärtig ist.

Was zeigt uns diese Niedergeschlagenheit und Fassungslosigkeit eines Habakuk, der Gott verzweifelt fragt?
Dieser Umstand zeigt uns auf, dass Gläubige nicht automatisch immer Sieg davon tragen! Gottes Kinder ringen, sie sind auch mal innerlich zerrissen und verzweifeln ob ihres Unverständnisses.
Martin Luther sagte einst: „Anfechtungen machen einen richtigen Doktor der Theologie aus uns.“ Genau das erlebte hier ein Habakuk.
Gleichzeitig lebt er uns auch einen wunderbaren Trost vor:
Wir dürfen Gott fragen! Gott wirft uns nicht vor, wenn wir klagend und weinend voller Unverständnis ihn fragen. Wir dürfen ihn um Erkenntnis bitten, ohne dass Gott uns hierfür schilt (Lutherübersetzung von Jak 1,5). Gott schimpft uns nicht aus, wenn wir wie ein klagendes Kind vor ihn kommen. Wir müssen nicht die abgezockten und übergeistlichen Koryphäen vor ihm sein. Wir müssen nicht cool und abgeklärt erscheinen, nein, wir dürfen ganz primitiv Gott fragen: Warum? Wir können ganz wir selbst sein – denn Gott kennt uns sowieso!

Danke Herr, dass ich dich so fragen darf, ohne Maske und Abgebrühtheit, da du mich kennst und um mein Innerstes wie bei einem Habakuk Bescheid weißt!