Andachten

Verbeugt euch vor dem König!

„Erhebt den HERRN, unseren Gott, und fallt nieder an seinem heiligen Berg! Denn heilig ist der HERR, unser Gott.“ (Psalm 99,9)

Bevor du diese Andacht ließt, empfehle ich dir, den Psalm 99 (am besten laut) zu lesen.

Es ist interessant, die Psalmen zu lesen. Wir müssen uns vorstellen, dass diese Lieder nicht einfach von Menschen für sich geheim aufgeschrieben wurden, sondern sie waren fester Bestandteil in den Zeremonien und Festen des Volkes Israel. Auch der 99. Psalm ist ein solches Lied. Innerhalb der Psalmen finden wir die verschiedensten menschlichen Emotionen: Freude, Klage, Wut, Angst, Hingabe, Bekenntnis und vieles mehr. Im Psalm 99 kommt vor allem Eines zum Ausdruck: das Staunen des Menschen über seinen Gott. Der unbekannte Schreiber zeigt auf, wie groß Gott ist, dass er der König ist und dass man vor ihm niederfallen sollte.

„Der HERR ist König!“ – Mit dieser Aussage beginnt der Psalmschreiber sein Staunen über Gottes Größe. Gott ist derjenige, der die Macht hat. Er ist der, der König ist. Er ist der, der über den höchsten Engeln thront (V. 1b). Und die Auswirkungen seiner Herrschaft sind, dass die Erde bebt und die Völker zittern. Was für ein gewaltiges Bild!
Dann fährt der Psalm fort und zeigt die Größe Gottes auf, was für eine unbeschreibliche Macht er besitzt und wie rein und heilig er ist. Die Verse fünf und neun klingen wie ein Refrain des Liedes. In diesen Versen werden die Leser und Hörer des Psalms aufgefordert, sich vor Gott nieder zu werfen. Der Grund dafür ist Gottes Heiligkeit. Schauen wir in die Bibel, so entdecken wir, dass dieses Niederwerfen die natürliche Reaktion auf die Begegnung eines Menschen mit der Heiligkeit Gottes ist. Niemand ist in der Lage, in der Reinheit und Vollkommenheit Gottes zu bestehen, weil wir sündige Menschen sind. Auch der Psalmschreiber wusste das. Er zieht den Schluss, dass wir uns vor Gott niederwerfen sollten, auch wenn wir uns nicht in der direkten Gegenwart der Herrlichkeit Gottes befinden. Er weiß, dass Gott heilig ist und dass er regiert. Selbst wenn er sich also nicht vor dem Thron Gottes befindet, ist allein das Wissen um diese vollkommene Heiligkeit und Reinheit Grund genug, vor ihm nieder zu fallen. Mit diesem Niederfallen zeigt man, dass man seinem Gegenüber nicht gleichwertig ist. Menschen warfen sich vor Götzen nieder, weil sie meinten, diese könnte in ihrem Leben Dinge bewirken, auf die der Mensch keinen Einfluss hat (z.B. das Wetter). Andere fallen vor Sportlern nieder, weil diese große und unerreichbare Vorbilder sind. Wieder andere fallen vor Präsidenten und Machthabern nieder, um ihre eigene Ohnmacht kenntlich zu machen. Egal, vor wem oder was man sich also verbeugt, man bringt damit die Größe und Macht (sei es auch nur in einem bestimmten Bereich) des Gegenüber zum Ausdruck.

Ich hoffe, dass du weißt, dass Gott heilig ist. Ich hoffe, dass du ein Stück davon erkennen durftest, wie groß und wunderbar unser Gott ist. Wenn das der Fall ist, dann darf auch deine Reaktion sein, vor ihm nieder zu fallen. Und ich glaube tatsächlich, dass wir das im wortwörtlichen Sinne tun dürfen. Um unserer inneren Haltung Ausdruck zu verleihen und authentisch vor Gott zu kommen, dürfen wir hingestreckt, auf den Knien oder gebeugt vor ihm beten und ihm damit zeigen, dass wir kein Recht darauf haben, mit ihm auf einer Stufe zu stehen. Nimm dir noch einmal den Psalm 99 in die Hand, gehe auf die Knie und bete diesen Psalm zu dem König der Könige, zu deinem Gott. Gott ist es wert, dass wir uns vor ihm beugen und ihm zeigen, wie unvermögend wir ohne ihn sind. Danke ihm anschließend dafür, dass du durch seinen Sohn Jesus Christus überhaupt die Möglichkeit hast, dich vor ihm zu verbeugen und in seiner Heiligkeit zu bestehen. Erhebt den HERRN und fallt vor ihm nieder!