Andachten

Mit Gott in einer WG?

Ein Psalm Davids. Herr, wer darf weilen in deinem Zelt? Wer darf wohnen auf deinem heiligen Berg? (Ps 115,1)

Ich gehe mal stark davon aus, dass du nicht einfach mit jedem Menschen zusammenwohnen wollen würdest. Mit Sicherheit gibt es einige grundlegende Prinzipien, die für dich wichtig sind, um mit jemandem in einer Wohngemeinschaft zu wohnen. Du würdest sicherlich nicht mit jemandem wohnen wollen, der ständig lügt und betrügt oder ein Dieb ist. Wie solltest du jemals deine Wohnung verlassen, ohne immer in der Angst zu leben, dass dein Mitbewohner dich ausraubt? Einer, der dich ständig niedermacht, hinter deinem Rücken oder auch vor anderen über dich lästert und dir ständig nur Böses will. Es völlig selbstverständlich, dass wir solche Kriterien haben. Selbst einer, der sonst mit jedem Menschen klarkommt, würde niemals mit einem Mörder, Schurken oder einem elenden Verbrecher zusammen eine Wohnung teilen wollen.

Nun, Gott hat auch einige Kriterien, die bestimmen, wer bei Ihm wohnen darf und wer nicht. Und diese unterscheiden sich eigentlich gar nicht so stark von denen, die wir ansetzen würden, wenn wir mit jemandem zusammen wohnen wollen würden: Wer in Unschuld wandelt und Gerechtigkeit übt und die Wahrheit redet von Herzen; wer keine Verleumdungen herumträgt auf seiner Zunge, wer seinem Nächsten nichts Böses tut und seinen Nachbarn nicht schmäht; wer den Verworfenen als verächtlich ansieht, aber die ehrt, die den Herrn fürchten; wer, wenn er etwas zu seinem Schaden geschworen hat, es dennoch hält; wer sein Geld nicht um Wucherzinsen gibt und keine Bestechung annimmt gegen den Unschuldigen“ (Verse 2-5).

Eigentlich ist es völlig selbstverständlich, dass Gott ebenfalls Maßstäbe anlegt, sodass nicht einfach jeder bei ihm willkommen ist. Wie sollte ein heiliger Gott denn auch je mit Mördern, Lügnern, Geldgierigen, Lästerern usw. etwas zu tun haben wollen. Das ist ein Widerspruch in sich. Heilig verträgt sich absolut nicht mit sündig.

Nun, wenn das aber so ist, haben wir ein ganz schön dickes Problem. Denn, wenn wir bei Gott nicht wohnen dürfen, ist die einzige Wohnung, die für uns übrig bleibt der ewige Feuersee. Hier geht es nicht nur darum, dass man ein großartiges Privileg verpasst, wenn man nicht bei Gott wohnen kann, sondern auch darum, dass man eine verdammte Wohnstätte als ewige Strafe für sein Tun bekommt. In den Feuersee wird nämlich jeder geworfen, der nicht im Buch des Lebens steht – und das sind alle Übeltäter (Offb 20,13-15).

Wie kann nun Paulus trotzdem seine Leser im Epheserbrief als „Gottes Hausgenossen“ bezeichnen (Eph 2,19)? Haben die Epheser tatsächlich alle Kriterien erfüllt? Sagen sie immer die Wahrheit, lästern nie und sind nicht geldgierig? Keineswegs! Sie sind von Natur aus Kinder des Zorns (Eph 2,3)! Aber es gab einen ,der diese Kriterien komplett und perfekt erfüllt hat. Einer, der von keiner Sünde wusste, wurde für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm zur Gerechtigkeit Gottes würden (2. Kor 5,21). Jesus Christus, der von Ewigkeit her beim Vater gewohnt hat, ja sogar in des Vaters Schoß war (Joh 1,18), hat für uns seine Wohnung beim Vater aufgegeben. Er hat an unserer Stelle die Kriterien erfüllt, sodass wir jetzt bei Gott wohnen dürfen.

Er bereitet sogar wunderbare Wohnungen für uns (Joh 14,2). Er stellt für uns die Verhältnisse wieder so her, dass wir tatsächlich „mit Gott in einer WG“ leben dürfen. Und in dieser WG müssen wir keine Miete zahlen; aus dieser WG schmeißt uns niemand raus; in dieser WG gibt es keinen nervigen Mitbewohner, der nur stört. Das ist eine gewaltige Vorstellung: Wir werden einst vor Gottes Wohnung stehen und er wird sagen: Herein, meine lieben Kinder.