Andachten

Ungerechtigkeiten erleiden

„Ihr Haussklaven, ordnet euch in aller Furcht den Gebietern unter, nicht allein den guten und milden, sondern auch den verkehrten!“ (1. Petrus 2,18)

„Das ist aber unfair, ich hab mich doch viel öfter gemeldet als der Paul.“ „Herr Meier, warum bekomme ich eine schlechtere Note als Tina? Meine Antworten waren doch viel besser.“ „Chef, warum bekomme ich keine Beförderung, ich habe mich doch deutlich mehr angestrengt als mein Kollege!“
Vielleicht kennst du die eine oder andere Situation, in der du ungerecht behandelt wurdest. Vielleicht hattest du ungerechte Lehrer, hast einen ungerechten Chef oder deine Vorgesetzten gehen nicht fair mit dir um. Im heutigen Vers werden wir sehen, wie man mit solchen Situationen umgehen kann.

Petrus schreibt seinen ersten Brief an verschiedene Gemeinden in unterschiedlichen Provinzen der damaligen Zeit (1. Petr 1,1). Sein Brief ist gekennzeichnet von Imperativen, das heißt, dass er bestimmte Gruppen innerhalb der Gemeinden ermahnt und ihnen sagt, was sie tun sollen. Er spricht die Christen allgemein an (1. Petr 2,11), die Ehefrauen (1. Petr 3,1), die Ehemänner (1. Petr 3,7) und die Ältesten (1. Petr 5,1). Petrus schreibt ihnen auch, wie sie sich in ihren Lebenslagen verhalten sollen. Dabei nimmt er besonderen Bezug auf das Verhalten in Verfolgungen (1. Petr 4,12). Wir können also sehen, dass Petrus sich verschiedener Gruppen annimmt, um ganz konkrete Anweisungen für das praktische Leben zu geben.

Im zweiten Kapitel kümmert sich Petrus um die sogenannten „Haussklaven“ aus den Gemeinden. Diese Sklaven waren Bedienstete in vornehmen Häusern und nahmen verschiedenste Aufgaben wahr. Nun gab es, wie heute auch, freundliche Vorgesetzte (die Petrus hier als „milde“ bezeichnet) und gemeine Vorgesetzte (die „Verkehrten“). Für Petrus war klar, dass jeder Sklave, der Christ war, sich seinem Vorgesetzten unterzuordnen hatte. Egal, ob der Chef nun böse war oder nicht. Er unterscheidet hier noch nicht einmal zwischen christlichen und nicht-christlichen Vorgesetzten. Es scheint, als würde Petrus sogar davon ausgehen, dass die Sklaven ungerecht behandelt würden und sie sich trotzdem ihren Chefs unterordnen sollen. Kann er das wirklich gemeint haben?

Schauen wir uns die nachfolgenden Verse an, dann erklärt Petrus seine Absichten genauer. Er schreibt, dass es Gnade bei Gott ist, wenn man zu unrecht leidet. (V. 19) Damit sagt er, dass sich die Sklaven ihren Herren unterordnen sollen und Leid ertragen sollen, weil damit Ruhm und Gnade bei Gott bewirkt wird. Er zeigt auf, dass Christus genau diese Art von ungerechtem Leid ertragen hat, als er ans Kreuz ging und er uns damit als das perfekte Vorbild dient (1. Petr 2,22-25). Unser erster Gedanke, wenn wir uns mit einem ungerechten Lehrer oder Chef abmühen ist wahrscheinlich eher ein Rachegedanke als das Wissen, dass uns dieses Leiden Lohn bringt. Der heutige Vers darf uns als Ermutigung dienen, Unrecht unserer Vorgesetzten zu erleiden und damit Gnade bei Gott zu ernten. Lasst uns Jesus Christus als das perfekte Vorbild nehmen, „der unsere Sünden an seinem Leib selbst an das Holz hinaufgetragen hat, damit wir, den Sünden gestorben, der Gerechtigkeit leben“ (V. 24).