Andachten

Der wahre Schmuck der Frau

„ebenso, dass auch die Frauen sich in anständiger Haltung mit Schamhaftigkeit und Sittsamkeit schmücken, nicht mit Haarflechten und Gold oder Perlen oder kostbarer Kleidung, sondern mit dem, was Frauen geziemt, die sich zur Gottesfurcht bekennen, durch gute Werke.“ (1.Timotheus 2,9.10)

Mit dem Verbindungswort ebenso zeigt uns Paulus, dass es neben dem Problem der inneren Haltung bei Männern und ihrer mangelnder Vorbereitung bezüglich des Gebets, es auch bei den Frauen Probleme gab, die dann auftraten, wenn die Gemeinde sich zur Anbetung Gottes versammelte. Offensichtlich gab es in der Gemeinde Frauen, die so viel Zeit und Geld in ihr äußeres Erscheinungsbild investierten, dass andere Christen ihre Aufmerksamkeit nicht mehr auf die Anbetung Gottes richteten, sondern dieselbe diesen Frauen schenkten. Somit stand nicht mehr Gott selbst im Mittelpunkt der Anbetung, sondern die einzelnen Frauen.

Heute mag man sich vielleicht fragen, wie Haarflechten, Perlen oder kostbare Kleidung so eine starke Wirkung haben konnten, doch legen Berichte der damaligen Zeit nahe, dass wohlhabende Frauen bis zu 7000 Denare für ihr Outfit ausgaben, was umgerechnet etwa 7000 Tageslöhne entsprach. Dabei wurden die Goldketten und andere wertvolle Gegenstände in die Frisuren eingearbeitet, um den Reichtum zur Show zu stellen. Man kann sich also vorstellen, was bei so einer gewaltigen Summe für eine extravagante Aufmachung am Ende herauskam.
Doch das Zeigen ihres Reichtums stellte nicht ausschließlich den Inhalte der Ablenkung dar, worauf die Worte anständige Haltung mit Schamhaftigkeit und Sittsamkeit hinzuweisen scheinen. Hier geht es auch um die Darstellung des eigenen Körpers. Etwas, das Gott jeder Frau geschenkt hat und dessen Schönheit einzig dem eigenen Ehemann vorbehalten sein sollte, wurde hier ohne jede Scham offengelegt, mit der Absicht gesehen zu werden. Da waren keine Anzeichen von Tugendhaftigkeit, Reinheit, Schüchternheit und gottgegebener Scheu auf diesem Gebiet.

Verlangt Paulus hier also von den Frauen, dass sie sich wie graue Kirchenmäuse zu kleiden haben und überhaupt keinen Wert auf ihr äußeres Erscheinungsbild legen dürfen, indem sie sich ihre Haare flechten oder Perlen tragen?
Ich denke diese Frage lässt sich gut mit den Versen 3 und 4 aus 1.Petrus 3 beantworten:

Euer Schmuck sei nicht der äußerliche durch Flechten der Haare und Umhängen von Gold oder Anziehen von Kleidern, sondern der verborgene Mensch des Herzens im unvergänglichen Schmuck des sanften und stillen Geistes, der vor Gott sehr köstlich ist.

Ich bin der festen Überzeugung, dass Petrus hier weder sagen möchte, dass Frauen sich nicht ihre Haare flechten dürfen, wenn sie zur Gemeinde gehen, noch, dass sie keine Kleider tragen sollen. Petrus, wie auch Paulus geht es darum, dass während der Gemeinde die ganze Aufmerksamkeit einzig und allein auf Gott liegen soll. Diese Aufforderung steht nicht im Gegensatz zu einem gepflegten und schön anzusehenden Äußeren! Jedoch muss man anerkennen, dass der Grad zwischen dem einen und dem anderen sehr schmal ist, doch kann die Frage nach dem Motiv dabei helfen, wenn es um das Thema Kleidung geht: „Ziehe ich diese Sachen an, um von anderen gesehen und beachtet zu werden?“

Gott hat uns in diesen Versen keine Kleiderordnung für Frauen gegeben, doch zeigt er uns, was in seinen Augen kostbar ist, worauf jede Frau bedacht sein und worauf jeder Mann an aller erster Stelle bei der Wahl seiner Frau achten sollte: die innere Schönheit, die ein Ausdruck des Lebens mit Christus ist, die nicht mit den Augen direkt gesehen aber dennoch wahrgenommen wird.