Andachten

Belehrbarkeit – der Pfad zum Leben

Es ist der Pfad zum Leben, wenn einer Unterweisung beachtet; wer aber Zucht unbeachtet lässt, geht irre. (Sprüche 10,17)

Viele von uns haben das Vorrecht von Kindesbeinen an Anweisungen, Erziehung und guten Rat zu bekommen – Hilfen, die uns auf unserem Lebensweg zurechtbringen sollen und uns vor schlechten Entscheidungen bewahren sollen. Manche Menschen sind für die Weisung anderer sehr empfänglich, andere müssen alles durch die eigene Erfahrung lernen und die heiße Herdplatte selbst anfassen. Auch für den König Salomo, der als der weiseste Mensch seiner Zeit galt, ist die Belehrbarkeit eine ungemein wichtige Charaktereigenschaft. Obwohl es keinen Menschen gab, der Salomo auf intellektueller Ebene das Wasser reichen konnte, war dieser bereit, sich beraten zu lassen und so eine gesunde Demut zu bewahren, denn “der Ehre geht Demut voraus.” (Spr 15,33b). Ja, wahre Weisheit zeichnet sich sogar dadurch aus, dass man bereit ist, auf die Unterweisung anderer zu achten. “Wer weisen Herzens ist, nimmt Gebote an; aber ein närrischer Schwätzer kommt zu Fall” und “wer Unterweisung liebt, liebt Erkenntnis; und wer Zucht hasst, ist dumm.” (Spr 10,8.12,1).

Um belehrbar und weise zu sein und somit dem Pfad zum Leben zu folgen, ist eine einfach Erkenntnis erforderlich: “Ich denke immer, dass die Art, wie ich die Dinge sehe, die richtige ist, aber meine Sicht ist beschränkt.” Um auf den Rat anderer zu hören, muss man also bereit sein, entgegen seines eigenen Empfindens zu handeln. Diese Weisheit beziehungsweise diese Erkenntnis können auch schon Kinder haben. Es war Gottes Wille, den er in Form des Gesetzes seinem Volk Israel offenbart hat, dass Kinder ihren Eltern gehorchen sollen. Auch Salomo schreibt über die Kinder: “Ein weiser Sohn hört auf die Unterweisung des Vaters, aber ein Spötter hört nicht auf Schelten.” (Spr 13,1). Belehrbarkeit ist also eine Charaktereigenschaft, die schon früh geübt werden will. Die Konsequenz daraus, unbelehrbar zu sein, die die Sprüche aufzeigt, ist hart und ungemütlich, weshalb wir uns wirklich ernsthaft hinterfragen sollten, ob wir dem Bild eines weisen, belehrbaren Menschen entsprechen oder nicht. “Armut und Schande dem, der Unterweisung verwirft” und “schlimme Züchtigung [wird] dem [zuteil], der den Pfad verlässt; wer Zucht hasst, wird sterben.” (Spr 13,18a).

Umgekehrt zeichnet sich eine weise, gerechte Lebensführung auch dadurch aus, dass man die Situationen seiner Nächsten richtig einschätzen und nachempfinden kann und bereit ist, sie zu unterweisen, auch wenn es nicht leicht ist und man Gefahr läuft, stolz und überheblich zu wirken. “Der Gerechte weist seinem Nächsten den Weg, aber der Weg der Gottlosen führt sie irre.” (Spr 12,26). Dadurch ist auch jeder von uns herausgefordert, sich seine Freunde, sein soziales Umfeld bedacht auszusuchen, und nicht mit jedem x-beliebigen Menschen viel Zeit zu verbringen. Es braucht Eigeninitiative, um guten Rat zu finden. “Das Herz des Verständigen sucht Erkenntnis” (Spr 15,14). Es besteht also eine Wechselwirkung zwischen Belehrbarkeit und der Fähigkeit, selbst guten Rat zu geben und auch der eigenen Verantwortung, sich einer guten, hilfreichen Gesellschaft auszusetzen. “Wer mit Weisen umgeht, wird weise; aber wer sich zu Toren gesellt, dem wird es schlecht ergehen.” (Spr 13,20).

Jedoch muss man als Ratgebender auch immer demütig und behutsam bleiben und sich nicht anmaßen, man würde die Situation des anderen perfekt verstehen. Manchmal ist das Leid eines Menschen so groß, dass kein anderer es nachempfinden kann und sich somit auch nicht vollständig in ihn hineinversetzen kann. Salomo warnt davor, indem er schreibt: “Das Herz kennt seine eigene Bitterkeit, und kein Fremder kann sich in seine Freude mischen.” (Spr 14,10) Gerade in der Seelsorge, wo es wichtig ist, Gottes Wort auf spezifische Lebenssituationen anzuwenden und guten Rat zu geben, ist es wichtig, nicht zu voreilig in dem Urteil über den Nächsten zu sein und sich größte Mühe zu geben, den ihn wirklich zu verstehen.