Andachten

Von Gott schwärmen

„Halleluja! Preisen will ich den HERRN von ganzem Herzen im Kreis der Aufrichtigen und der Gemeinde.“ (Psalm 111,1)

Wir bekamen in einem Missionsvortrag unserer theologischen Ausbildungsstätte von einem Referenten den Auftrag, freiwillig nach vorne zu kommen, um kurz zwei Minuten von Gott zu schwärmen. Eine einfache Aufgabe, es waren immerhin ca. 70 Studenten der Theologie anwesend, die sich tagtäglich mit Gott auseinandersetzten. Wir besingen ihn in Liedern als unseren „Mittelpunkt“, dem jeder Preis und alle Ehre gehört. Man könnte annehmen, dass sich sofort 50 von uns gemeldet hätten und jeder gerne erzählen wollte, wie großartig Gott ist. Schwärmen von Gott, was für eine wunderbare und natürliche Aufgabe – oder?

Es kam anders: Niemand meldete sich, die meisten waren beschämt und warteten auf wenigstens einen Theologie-Studenten, der diese Aufgabe übernehmen würde. Erst nach einigem Warten stand eine Studentin auf, die erst kurz auf der Bibelschule war. Sie schwärmte von Gottes Größe, von seiner Gnade und Barmherzigkeit. Das berührte und beschämte viele von uns sehr. Da studieren wir mehrere Jahre tagtäglich Gottes Wesen und sein Wort und predigen dieses sogar, sind aber nicht in der Lage, von seiner Größe zu schwärmen. Über gutes Essen, gutes Bier oder ein neues Hobby können wir stundenlang schwärmen, aber über unseren Gott, der uns gemacht und uns erretten hat, fällt es uns sichtlich schwer.

Der Psalmschreiber des Psalm 111 verhielt sich ähnlich wie unsere Studentin. Sein Lob an Gott beginnt er damit, dass er Gott vor anderen Menschen preisen will. Er schwärmt weiter von Gottes großen Taten (V. 2), seiner Gnade und Barmherzigkeit (V. 4), seiner Erlösung (V. 9) und vielen anderen Dingen. Wenn wir die Psalmen lesen, können wir entdecken, wie vielfältig das Lob und Schwärmen von Gott sein kann. Gott ist gerecht, er ist heilig, er ist groß. Er hat Liebe in sich selbst, er führt seine Pläne unter Garantie aus, er hält seine Versprechen. Gott lebt, er regiert perfekt und macht nur gute Dinge. Er erhält die Schöpfung und hat ewiges Leben in sich selbst. Gott hat so unendlich viele Eigenschaften, er tut so viel und hat sein Liebstes gegeben in Jesus Christus. Er ist viel viel größer als wir, sogar größer als unsere Vorstellungen von ihm. Er errettet Menschen wie uns, die es absolut nicht verdient haben, die es sich niemals erarbeiten können. Gott tröstet uns, er erzieht uns, er liebt uns. Gott sucht seine Ehre, er ist barmherzig und gnädig. Er trägt unsere Schuld am Kreuz durch Jesus Christus, er ist vollkommen gerecht und liebend.

Es gäbe noch tausend weitere Dinge zu nennen und das Ende wäre immer noch nicht in Sicht. Ich wünsche mir für mich, für uns als Theologie-Studenten und für jeden Christen, dass wir nicht nur Wahrheiten über Gott verstehen, sondern dass diese Wahrheiten uns ins Schwärmen bringen. Dass wir wie der Psalmschreiber inmitten unserer Familien, unserer Freunde und in unserer Gemeinde von Gott reden. Lasst uns von seiner Größe und Gnade schwärmen, dass unser Wissen nicht nur im Kopf ist, sondern unser Herz berührt. „Wovon das Herz voll ist, davon geht der Mund über“, sagt Jesus in Matthäus 12,34. Lasst uns dafür beten, dass unser Wissen über Gottes Größe unser Denken und Reden bestimmt, damit wir ganz natürlich von unserem unendlichen und gewaltigen Gott schwärmen können.

PS.: Falls du noch Zeit hast, lies einmal den ganzen Psalm 111 und schreibe dir heraus, wofür der Schreiber Gott alles lobt. Das kann als Motivation dienen, es ihm gleich zu tun.