Andachten

Gastbeitrag: Das Erinnerungsvermögen: Ein psychologischer Exkurs

Dieser Gastbeitrag stammt mit seiner freundlichen Genehmigung von Oskar Fröhlich. Oskar (*1992) studiert am Seminar für biblische Theologie in Beatenberg. In seiner Heimatgemeinde setzt er sich in der Jugendarbeit, im Musikteam und im Predigtdienst ein.

Wie wichtig sind Erinnerungen? Ist es nicht das Sammelsurium von Erinnerungen, welche ein wesentlichen Bestandteil unserer Existenz ausmachen? Denn Erinnerungen an Ereignisse, Erfahrungen und Emotionen machen unser Leben aus. Ja, die Erinnerungen sind es, die unsere Gegenwart, unser Wesen und unsere Person bestimmen. Ohne Erinnerungen würden wir zusammenhangslos im «Jetzt» umherirren.

Zweifellos spielt also das Erinnerungsvermögen eine zentrale Rolle des Menschen. Doch Erinnerungen sind trügerisch. Bei der Abspeicherung von Ereignissen wird ein Filter durchlaufen. Dadurch werden Tatsachen verändert oder sogar völlig vergessen. Es kommt zu Übertreibungen, Verwandlungen oder Erinnerungen werden kombiniert. Beispielsweise war man mit dem Fahrrad nicht mit 20km/h, sondern mit 30km/h unterwegs. Aus vier Stunden werden sechs Stunden Arbeit und aus einer 20 cm grossen Pizza wird eine 40 cm grosse Pizza…

Solche Veränderungen unserer Erinnerung sind aber oft nebensächlich. Schlimmer, wenn wir uns an etwas gar nicht mehr erinnern können: Was habe ich gestern zu Mittag gegessen? Wo habe ich die Schlüssel hingelegt? Was habe ich heute Morgen in meiner Stillen Zeit gelesen?

Gerade in unserer Beziehung zu Gott vergessen wir oft, was Er alles Gutes für uns getan hat. Dass Er unser Leben vor dem ewigen Verderben erlöst hat. Dass Er uns mit seiner Liebe und Barmherzigkeit, voll unendlicher Gnade und großer Geduld beschenkt. Was nützt uns also alle Erinnerungen der Welt, wenn wir vergessen haben wer wir sind in Jesus Christus? Wenn wir vergessen haben, dass wir teuer erkauft worden sind, durch das Erlösungswerk Gottes, den Kreuzestod Jesu?Das Einzige was uns hilft, der Vergesslichkeit und der Erinnerungsverfälschung entgegenzuwirken ist das ständige «wieder ins Bewusstsein rufen» der Tatsachen.

Genau dieses «wieder ins Bewusstsein rufen» wir im 1.Korintherbrief Kapitel 15 aufgegriffen. Diese Stelle soll uns als Erinnerungsstütze dienen:

«Ich erinnere euch aber, Brüder und Schwestern, an das Evangelium, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch fest steht, durch das ihr auch selig werdet, wenn ihr’s so festhaltet, wie ich es euch verkündigt habe; es sei denn, dass ihr’s umsonst geglaubt hättet. Denn ich habe euch zuallererst das überliefert, was ich auch empfangen habe, nämlich dass Christus für unsere Sünden gestorben ist, nach den Schriften, und dass er begraben worden ist und dass er auferstanden ist am dritten Tag, nach den Schriften, und dass er dem Kephas erschienen ist, danach den Zwölfen…»

Welcher Tatsache unserer Identität in Jesus müssen wir uns denn nun bewusst sein? Wenn Jesus Herrn in unserem Leben ist, so sind wir Kinder Gottes. Wir dürfen unseren Gott und Schöpfer «Vater» nennen. Durch seinen Sohn sind wir erlöst und durch das Blut Jesu dürfen wir Vergebung unserer Verfehlungen erfahren. Denn Jesus Christus ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele.

So sind wir nun trotz unserer sündigen Natur gerechtfertigt worden durch den Glauben, um Frieden mit Gott zu haben, durch unseren Herrn Jesus Christus.An unsere neue Identität in Christus sollten wir uns stets erinnern.