Andachten

Das falsche Sparschwein

Habt acht auf eure Gerechtigkeit, dass ihr sie nicht vor den Menschen übt, um von ihnen gesehen zu werden! Sonst habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater, der in den Himmeln ist. (Matthäus 6,1)

Stell dir mal ein Sparschwein vor: ein gelbes Schwein mit einem Schlitz oben hinter den Ohren, mit einer Schweinenase und einem Ringelschwänzchen. Die vier kleinen Füße stehen auf deinem Schreibtisch und das Sparschwein schaut fröhlich Richtung Fenster. Du wolltest schon länger mal wieder anfangen zu sparen und hast dir nun zur Hilfe dieses wunderschöne Sparschwein aus Keramik angeschafft. Da es ein recht altes Schwein ist, hat es unten keine zweite Öffnung, du musst es also irgendwann zerschlagen, um an dein Erspartes zu kommen. So nimmst du dir voller Vorfreude vor, jeden Tag etwas in das Schwein zu schmeißen. Hier mal einen Euro, da mal einen Fünfer, das Schwein fühlt sich von Tag zu Tag schwerer an. Es ist spannend, nicht genau zu wissen, wie viel letztendlich schon im Sparschwein ist.
Ein paar Tage und Wochen gehen ins Land. Nach einigen weiteren Wochen sind bereits mehrere Monate vergangen und du hältst es nicht mehr aus. Du schaust nach, wie viel du gespart hast. Dafür holst du dir einen dicken Hammer aus dem Werkzeugkoffer, hältst das süße kleine Schwein mit der einen Hand und zerschlägst es in viele kleine Einzelteile. Du befreist den Inhalt von den Scherben und hebst eine Scherbe nach der nächsten auf – aber findest kein Geld. Was ist das? Du hast doch jeden Tag etwas in dieses Schwein gesteckt? Auch nach mehrmaligem Hinsehen findest du kein Geld, es ist nichts übrig außer Keramikscherben und feinem gelben Keramik-Staub.

Wir würden so ein Sparschwein wahrscheinlich nie wieder kaufen und vielleicht generell eine andere Spar-Methode nehmen, wenn uns so etwas passieren würde. Aber ein ähnliches Sparschwein finden wir in der Bibel. Jesus fordert die Menschen, die seiner Bergpredigt zuhören, dazu auf, gerechte Dinge zu tun. Diese guten Dinge sind „Schätze“, die sie anhäufen können. Sie können sie sparen und hinterher genießen. Diese Schätze werden auch an einem sicheren Ort aufbewahrt, wie ein Sparschwein: im Himmel, in den keine Diebe kommen können oder Vergänglichkeit herrscht (Mt 6,20). Wie beim Sparschwein können auch sie nicht sehen, wie viel sie bereits gesammelt haben, aber sich auf diese Schätze freuen.

Genau wie das falsche gelbe Keramik-Schwein können auch die Erwartungen an die Schätze im Himmel plötzlich enttäuscht werden. Jesus zeigt, dass es zwei Spar-Methoden gibt. Wer gute Dinge wie beten, spenden oder fasten tut, kann dies auf zweierlei Art und Weise tun: entweder prahlt er damit vor anderen Menschen, oder er macht es zu einer Sache zwischen sich und Gott (s. Mt 6,1-18). Die erste Variante wird sich hinterher als ein falsches Sparschwein entpuppen. Die vermeintlich angehäuften Schätze werden bei der Öffnung im Himmel nicht da sein, denn die prahlerischen Menschen „haben ihren Lohn dahin“ (Mt 6,5).

Ich möchte uns herausfordern, unsere Motivationen hinter unseren Schätzen zu hinterfragen. Wie spende ich (2. Kor 9,7)? Wie bete ich? Wie übe ich Gastfreundschaft aus (1. Petr 4,9)? In perfekter Demut hat Jesus seinen Auftrag vollbracht, hat alles gegeben, ohne menschliche Anerkennung vor Augen zu haben. Seine Anerkennung hat er einzig und allein bei seinem Vater gesucht und diese auch in höchstem Maße bekommen (Phil 2,6-11). Seine Erniedrigung zeigt uns, dass Schätze bei Gott gesammelt werden sollten, ohne unsere Ehre bei unseren Mitmenschen zu suchen. Lasst uns seine Ehre suchen und nicht in ein falsches Sparschwein investieren. Sonst können wir uns das Sparen sparen.