Andachten

Lesebericht: Der Kelch und die Herrlichkeit (1)

Ich möchte heute und die kommenden Wochen einige Einblicke in das Buch „Der Kelch und die Herrlichkeit“ von Greg Harris geben. Es ist ein Buch, welches oft und gerne in der Seelsorge bzw. in Seelsorgeausbildungen zum Thema Leid genutzt wird. Der Autor selbst spricht aus einer reichhaltigen, von Leid gezeichneten Erfahrung und gibt dabei Lektionen weiter, die Gott in lehrte.

Im ersten Kapitel erzählt er seine Geschichte. Eine Geschichte verschiedenen Kummer- und Leidenszeiten, die ihn nach einigen Jahren und vielen wichtigen Lektionen, die Gott ihn lehrte, schlussendlich dazu gebtrieben haben, dieses Buch zu verfassen. Eine erste große Zeit des Kummers, von der er spricht, war als er und seine Frau ihre neugeborenen Zwillinge verloren. „Leg sie beide in meine Ende.“ Diese Worte sagte er einmal zu seiner Tochter, die zwei Bonbons von ihm klauen wollte. Sie antwortete: „Ich will nicht.“ Derselbe Dialog fand jetzt so ähnlich zwischen ihm und seinem himmlischen Vater statt. Obwohl er genau wusste, dass dort ein liebender Vater ist, der ihm nur das Beste will und obwohl er Gott niemals verlassen wollen würde, dachte er nach längerer Zeit des Kummers bei sich: „Ich würde so etwas meinen Kindern nicht antun.“ und hatte Schwierigkeiten damit, Gottes Güte auch zu fühlen.

Nicht viel später litt er plötzlich an rheumatischer Arthritis. Monatelange Schmerzen, die jeden Tag so heftig waren, dass er teilweise davon ohnmächtig wurde, Bewegungsunfähigkeit und – was für ihn später noch schlimmer war – die Unfähigkeit zu predigen, trieben in in ein tiefes Loch der Verzweiflung.

Als es ihm gesundheitlich wieder besser ging, und er sogar wieder predigen konnte, dachte er, das jetzt eine Zeit beginnen würde, in der es ihm geistlich noch besser gehen würde, da er jetzt mit Gottes Hilfe durch zwei schwere Leidenszeiten gegangen war – doch das Gegenteil trat ein. Für einige Monate ist fühlte er sich so, als wollte Gott aus irgendeinem Grund keine Gemeinschaft mehr mit ihm haben.

Auch in dieser Phase lernte er einige Dinge. Beispielsweise schmerzte ihn die sogenannte „seeker sensitive movement“, die das Evangelium auf die menschlichen Bedürfnisse reduzierte und vor allem deren Lieder, in denen es vorwiegend darum ging, was wir Menschen für Gott tun wollen – Lieder, die die eigene bedingungslose Hingabe und Bereitschaft, Gott zu dienen in den Vordergrund stellten. Als einer, der vom Leid gezeichnet war, dachte er sich, die Menschen, die so singen, haben keine Ahnung wovon sie eigentlich reden. Sie wussten nicht, was bedingungslose Hingabe und völliges Vertrauen auf Gott bedeutet.

Vor allem wurde ihm sehr deutlich, dass er sein Leben nicht in der Hand hat und auch die Dauer dieser Leidenszeitenen von Gott bestimmt war. Diese Zeit, in der er kein Verständnis für Gottes Handeln aufbringen konnte und in der Zweifel sein Leben verdunkelten, fand dann durch Gottes gnädiges Eingreifen ein plötzliches Ende. Wie es genau dazu kam werden wir in den nächsten Kapiteln erfahren.