Andachten

Der Wahrheitsgehalt unserer Wahrnehmung

Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wirklich meine Jünger, und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen. (Johannes 8, 31b-32)

Die Wahrnehmung ist der Prozess und das Resultat, welche uns in der Gewinnung und Verarbeitung von Informationen aus unserer Umwelt ermöglicht. Die Umwelt nehmen wir hauptsächlich durch unsere Sinne wahr (dazu gehören nicht nur die «fünf Sinne» sondern auch der Orientierungssinn, Zeitsinn, usw.). Auch uns selbst können wir (bis zu einem gewissen Grad) wahrnehmen (=Selbstwahrnehmung).

Doch entspricht unsere WAHRnehmung auch der WAHRheit? Unsere Wahrnehmung ist fehlbar. Wir können bewusst oder unbewusst gewisse Dinge ausblenden oder übersehen, gerade auch durch mangelnde Aufmerksamkeit. So fallen wir regelmässig Illusionen zum Opfer, indem wir die Realität falsch wahrnehmen. Ist es uns dann überhaupt möglich die (wahre) Wahrheit wahrzunehmen?

Diese Problematik stellten sich auch die Philosophen und grossen Denker unserer Welt. Karl Jasper nannte dieses erkenntnistheoretische Problem die «Objekt-Subjekt-Spaltung». Es bestehe eine unüberwindbare Kluft zwischen Objekt (dem Erkenntnisgegenstand) und dem Subjekt (dem Erkennenden). Das Subjekt (das menschliche Bewusstsein) könne nie die absolute Wahrheit eines Objekts wahrnehmen. Dies gelte auch für unsere Selbstwahrnehmung.

Eine gegenteilige Aussage machte die aufklärerische schottische Philosophie «Common Sense», welche behauptet, dass der Mensch sich auf seinen gesunden Menschenverstand verlassen könne. Also alles was der Mensch wahrnimmt, muss also auch wahr sein.

Hier aber blendet die «Common Sense»-Philosophie den Sündenfall und die daraus resultierende Verstandesverneblung völlig aus. Wer die Heilige Schrift kennt, der weiss, dass diese Welt unter der Kontrolle Satans steht, dem Fürsten dieser Welt (2. Korinther 4.4, 1. Johannes 5.19).

Wie ist es nun in unserer menschlichen sündigen Natur möglich, die Wahrheit zu erkennen? Wie bereits Clemens in seiner Andacht am 14. Juni treffend ausführte, gibt es nur eine Wahrheit, welche ist Jesus Christus. Aber um diese zu erkennen, sind wir bereits auf Gottes Hilfe angewiesen. Wir können zwar Gott «wahrnehmen» indem wir die Bibel lesen und seine Schöpfung betrachten aber wir sträuben uns gegen diese Erkenntnis. Es ist also kein erkenntnistheoretisches Problem, sondern vielmehr ein moralisches Problem. Wir wollen die Wahrheit nicht erkennen. Wir wollen Jesus Christus nicht als unseren Herrn anerkennen, denn dies widerstrebt unserer Natur. Gott allein kann uns den Glauben schenken und den Heiligen Geist, damit wir die Wahrheit in der Bibel und in der Schöpfung erkennen können.

Wie können wir nun das Problem der Selbstwahrnehmung lösen? Wenn diese Frage aus einer mensch-zentrierten Sicht zu beantworten versucht wird, so endet man in einem Skeptizismus. Wenn die Antwort aber aus der Gott-zentrierten Sicht gesucht wird, gelingt es mit Gottes Hilfe die Wahrheit zu erkennen. Diese Sicht erhalten wir, wenn wir die Bibel lesen. Da entnehmen wir, dass wir Geschöpfe Gottes sind. Aber aufgrund unserer Rebellion gegen Gott sind wir von Ihm getrennt. Bestimmt für die ewige Verdammnis. Unser Sinnen und Trachten sind von Grund auf böse. Doch dadurch, dass Gott Mensch wurde und für unsere Zielverfehlungen den Kreuzestod erlitt, können wir wieder Freiheit erfahren. Dieser Sinneswandel durch die Gnadengabe Gottes ermöglicht uns, die Wahrheit wahrzunehmen. Die Wahrheit, dass wir eine neue Identität erhalten haben in Jesus Christus, welche unserem Leben einen Sinn gibt.

Die ewige Suche nach uns Selbst und die Suche nach der Wahrheit hat ein Ende. Wenn wir im Wort bleiben (Gott-zentrische Sicht), so sind wir Jünger von Jesus und haben die Wahrheit erkannt. Eine Wahrheit die uns frei macht!

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