Andachten

Die Geschichte der Schöpfung (5/7): Warum bist du?

Würdig bist du, o Herr, zu empfangen den Ruhm und die Ehre und die Macht; denn du hast alle Dinge geschaffen, und durch deinen Willen sind sie und wurden sie geschaffen! (Offb 4,11)

Kürzlich las ich in einem Einführungsbuch über Philosophie über die Gründe, warum man überhaupt zu Philosophieren begann. Ein Grund war beispielsweise der Fakt, dass alle Menschen sterben. Ein weiterer Grund war das Staunen über verschiedene Dinge. Aber der womöglich wichtigste Grund ist die „Sinnfrage“ im Leben. Warum lebe ich? Warum bin ich? Warum bist du eigentlich?

Philosophen mögen diese Frage ganz unterschiedlich beantworten. Vielleicht erklären manche, dass es darum geht, das größtmögliche Wohl für die größtmögliche Masse zu suchen. Ein anderer meint vielleicht, es gehe bei allem hier auf dieser Welt darum, dass ich (und wenn möglich, auch viele anderen) einfach glücklich werden. Manch einer mag kühn behaupten, dass alles keinen Sinn hat.

Die Bibel ist hier zweifellos eindeutig: Du und ich, wir sind geschaffen, allein um Gott zu verherrlichen. Es ist äußerst tragisch, dass dieser Satz in unseren Ohren häufig so abgedroschen klingt. Wir wissen dies – weshalb nun eine weitere Andacht, die eh nur wiederholt, was uns allen längst bekannt ist?

Zwei Gründe: Erstens, weil sich beim Beginn dieser Welt, der mosaischen Gesetzgebung, dem Königtum und dem Kommen Christi einfach alles um diese eine Tatsache dreht. Gott hat uns geschaffen, um seine Herrlichkeit abzubilden (1. Mo 1,26).

Und zweitens alles in uns sträubt sich gegen diesen Gedanken. Wir haben salopp gesagt keinen Bock, Gott zu verherrlichen. Warum auch? Sollte ich nicht zuerst einmal nach meinem eigenen Wohlbefinden schauen? Da gibt es eben häufig einen Interessenkonflikt: Ich will YouTube Videos schauen – Gott will, dass ich seine Schrift „esse“; Ich will über andere herziehen und mich so richtig über sie auslassen, wenn sie mich nerven – Gott will, dass ich sie liebe, wie mich selbst; Ich will alles, was mit Sexuellem zu tun hat, auf eine Weise ausleben, die mir maximale Befriedigung schenkt – Gott setzt Grenzen, die er für sehr gut befindet.

Also einerseits wollen wir nicht, dass wir zur Verherrlichung Gottes „sind“ und andererseits dreht sich die ganze Weltgeschichte um nichts anderes. Deshalb brauchen wir erneut den Aufruf: Du „bist“ heute, weil du Gottes Herrlichkeit in diese Welt hinaustragen sollst und nicht, weil du 8h arbeiten, dann nach Hause gehen, essen, chillen und schlafen gehen sollst! Und auch wenn deine Natur sich komplett dagegen sträubt: Du bist in Christus eine neue Schöpfung (2. Kor 5,17) und Gott hat dir eine einzigartige Gabe gegeben, die es dir erlaubt dieser Aufforderung nachzukommen: es ist die Fähigkeit, sich an dem Höchsten, dem Begehrenswertesten und dem Schönsten zu erfreuen.

So können sich diese beiden Interessen „küssen“: unser Interesse, glücklich zu sein und Gottes Interesse, Ihn für immer zu verherrlichen.