Andachten

Ein Gedicht für mich selbst?

„Erhebt den HERRN mit mir, lasst uns miteinander erhöhen seinen Namen!“ (Psalm 34,4)

Stell dir einmal vor, du schreibst ein Gedicht. Dieses Gedicht handelt davon, wie schön du bist. Du beschreibst darin deine angenehme und wohltuende Art, deinen freundlichen Umgang mit anderen Menschen und dein schönes Aussehen. Du verwendest die schönsten und höchsten Ausdrücke, benutzt die elegantesten Stilmittel und gibst dir größte Mühe, ja keine noch so kleine Stärke deiner Person auszulassen. Und wenn du dann fertig bist, gehst du zu deinen Freunden und sagst ihnen, dass sie das Gedicht lesen sollen. Doch nicht nur das, sie sollen sich sogar darüber freuen, dieses selbstbezogene, egozentrierte Gedicht miteinander genießen zu können. Wäre das nicht komisch?

Ähnlich kann es uns gehen, wenn wir uns die Entstehung der Psalmen vor Augen führen. Gott inspirierte Menschen verschiedener Jahrhunderte, Lieder und Gedichte über ihn selbst zu verfassen. In diesen Liedern werden Gottes Eigenschaften hervorgehoben, Gott wird gelobt und steht im Zentrum der Poesie. Die Schreiber gaben sich größte Mühe, Gott gut und richtig darzustellen. Und der Heilige Geist gab ihnen ein, dass sie Gott loben sollten. Das ist doch komisch, Gott lobt sich damit doch im Endeffekt selber. Er lässt Lieder schreiben über sich selbst, in welchen er sich selbst erhebt und sogar, wie in unserem Psalm 34, dazu auffordert, dass man ihn zusammen erhöhen soll. Ist Gott selbstbezogen und egozentriert? Erhebt er sich wirklich selbst und stellt seine Ehre über alles andere?

Auch wenn es für uns Menschen abwegig und egoistisch scheint, Gott ehrt sich tatsächlich selbst. Nicht nur in den Psalmen, auch an vielen anderen Stellen in der Bibel finden wir Aussagen, dass Gott seine Ehre sucht. Er ertrug das Volk Israel immer wieder, weil er seine Ehre suchte (Hesekiel 36). Er ist ein eifersüchtiger Gott, der seine Ehre mit niemandem teilt (2. Mose 20). Er rettet sein Volk, weil er seine Ehre sucht (Epheser 1). Der ultimative Grund für die Dinge, die auf der Welt passieren, ist die Ehre Gottes. Und damit wird auch klar, warum Gott durch die Psalmen auffordert, ihn zu ehren. Wenn es nur ein Ziel gibt, Gott zu ehren, dann ist das bei einem guten Gott das beste, was die Menschen tun können. Gott zu ehren ist das schönste, reinste und erhabenste, das uns Menschen widerfahren kann. Seine Ehre zu suchen darf unser höchstes Ziel sein in allem, was wir tun.

Mit diesem Gedanken möchte ich in die neue Woche starten und mir mehr und mehr bewusst werden, dass Gott zu ehren ein Privileg ist, das er mir schenkte. Mit diesem Psalm möchte ich dazu auffordern, Gott zu ehren und seinen Namen zu erhöhen! Etwas besseres kann uns nicht passieren!