Andachten

Der vergebende Rächer

HERR, unser Gott, du hast ihnen geantwortet! Ein vergebender Gott warst du ihnen, doch auch ein Rächer ihrer Taten.“

Psalm 99,8

 

Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele für uns gegensätzliche Eigenschaften und Rollen Gott perfekt in seinem Wesen vereint. Psalm 99 rühmt den Gott Israels, unseren Gott, als heiligen König über alle Völker. Er regiert und hat Rechtsordnungen und Rechte gegeben, die er seinem Volk Israel mitgeteilt hatte. Allein diese Tatsache erfordert Anbetung und Ehrfurcht. Doch das erstaunlichste an diesem Psalm ist, dass Gott Israel gegenüber zwei völlig gegensätzliche Rollen einnimmt.

 

Einerseits war er ein vergebender Gott unter seinem Volk. Er ertrug ihr Murren über lange Zeiträume ohne zu strafen (Auch wenn uns gerade die spektakulären Bestrafungen des Volkes während der Wüstenwanderung vor Augen stehen, waren die Strafen doch eher selten und stets weniger heftig als es die schwere der Schuld erfordert hätte. Gott strafte stets gnädig.) Gott vergab dem Volk Israel häufig ihre große Schuld, ohne das unmittelbare Gerichte folgten, er war ein vergebender Gott. 

 

Nun, das heißt nicht, dass Gott die Israeliten nicht strafte. Hier kommt der Gegensatz zum Vorschein, den unser Gott perfekt in sich vereint. Neben seiner Bereitschaft zu vergeben, ist Gott trotzdem ein Rächer der Missetaten des Menschen. Doch wie ist es möglich, dass Gott beides sein kann – vergebend und rächend? Schließt das eine das andere nicht aus? 

 

Keineswegs! Allerdings konnte nur Gott einen Plan ersinnen, der dazu führen konnte, dass er Rächer sein konnte und gleichzeitig vergeben konnte. Dieser Plan heißt Jesus Christus. An diesem Punkt kommen wir zum wesentlichen Unterschied zwischen uns und dem Volk Israel. Gott hat unsere Sünde (sofern wir Kinder Gottes sind) bereits an seinem Sohn gerächt. Er trug die Strafe für unsere Vergehen, damit wir nicht von Gottes Rache zermalmt werden. 

 

Wir haben einen vergebenden Gott. Gleichzeitig verstehen wir, dass Sünde immer noch Konsequenzen hat, auch wenn Gott diese nicht mehr an uns rächt. Gott ist es, der uns züchtigt wenn wir sündigen. Er allein ist es aber auch, der Vergebung, Trost und Gnade bereit hält, wenn er uns gezüchtigt hat. Er kennt das genaue Maß der Zucht, welches wir benötigen, damit wir heiliger und für ihn brauchbarer werden. 

 

Ist das nicht ein Grund unseren heiligen Gott und Vater zu preisen? Er ist ein vergebender Gott, dessen Rache wir nicht mehr fürchten müssen, sondern seiner väterlichen Hand vertrauen dürfen, auch wenn sie uns schlägt.