Andachten

Weltanschauung (2/4): Die epistemische Sicht

Der Glaube aber ist die Grundlegung dessen, was man erhofft, der Beweis für Dinge, die man nicht sieht. In diesem Glauben ist den Alten ihr Zeugnis ausgestellt worden. Durch Glauben erkennen wir, dass die Welt erschaffen ist durch Gottes Wort; so ist das Sichtbare nicht aus dem geworden, was in Erscheinung tritt. (Hebräer 11,1-3)

Was glaubst du?

In der Beantwortung dieser Frage hilft es, wenn man sich der (christlichen) Weltanschauung bewusst ist. Eine Weltanschauung besteht im Wesentlichen aus der Metaphysik, der Epistemologie (Erkenntnistheorie) und der Ethik. Nachdem wir uns im ersten Teil mit dem «wer Gott ist» und dem Sein des Menschen beschäftigt haben, widmen wir uns der Frage nach der Erkenntnis. Wie kann der Mensch Gott erkennen? Wie kann der Mensch sich selbst erkennen?

Die Metaphysik befasst sich mit dem Seiendem. Da man aber dazu bereits die Wirklichkeit (z.B. über den Menschen) zu erkennen versucht, so ist dies bereits auch epistemologisch (ein erkenntnistheoretisches Problem). Aus einer «zeitlichen» menschlichen Sicht geht also die Epistemologie (Erkenntnis), der Metaphysik (Seiende) voraus.

Andererseits hat Gott uns so erschaffen und unser Sein so definiert wie er es wollte. Also ist unser Erkennen abhängig davon was Gott wollte das wir erkennen können. Unbedingt davon, was wir meinen überhaupt erkennen zu können.

Wie ist es nun dem Menschen möglich Gott zu erkennen? Dafür müssten grundsätzlich folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

1. Gott muss existieren.

2. Gott muss sich offenbaren.

3. Der Mensch muss diese Offenbarung erkennen können.

4. Der Mensch muss diese Erkenntnis richtig aufschlüsseln können.

Setzten wir die Annahme voraus, dass Gott existiert und sich offenbart hat. Gottes Selbstoffenbarung besteht aus einer «natürlichen Offenbarung» (die Schöpfung) und der «übernatürlichen Offenbarung» (die Heilige Schrift). Der Mensch ist fähig beide Arten der Selbstoffenbarung Gottes zu erkennen. Die Schwierigkeit besteht in der Aufschlüsselung dieser Erkenntnis. Der Mensch will diese Erkenntnis über Gott nicht anerkennen. Unsere Vernunft ist nicht neutral. Seitdem wir gegen Gott rebellierten ist die Vernunft vernebelt. Die sündige Natur verhindert Rückschlüsse auf Gott.

Gott allein kann die Vernunft wiederherstellen, damit wir seine Offenbarung erkennen und richtig aufschlüsseln können. So schenkt uns Gott auch den Glauben. Wie es zu Beginn im Hebräer 11 steht: «Der Glaube aber ist die Grundlegung […] Durch Glauben erkennen wir, dass die Welt erschaffen ist durch Gottes Wort.»

Durch diese von Gott geschenkte Vernunft kann der Mensch Gott erkennen und diese Erkenntnis auch richtig aufschlüsseln.  Dadurch erhält der Mensch auch Erkenntnis/wahre Wirklichkeit über sich selbst. Mehr zum Thema Selbstwahrnehmung im Blogbeitrag: «Der Wahrheitsgehalt unserer Wahrnehmung»

Im nächsten Teil werden wir uns mit der ethischen Sicht auf die Weltanschauung auseinandersetzen.