Andachten

Jesus will, dass die Welt ihn erkennt – unsere Aufgabe dabei

Aber nicht für diese allein bitte ich, sondern auch für die, welche durch ihr Wort an mich glauben, damit sie alle eins seien, wie du, Vater, in mir und ich in dir, daß auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, daß du mich gesandt hast. (Johannes 17,20-21)

In meinen vorangegangenen Andachten haben wir uns nun schon mit 19 Versen des hohepriesterlichen Gebets in Johannes 17 beschäftigt. Wir haben schon einiges von Jesu Gebet zu seinem Vater gelesen. Seine Gebetsanliegen betrafen ihn selbst, seinen Vater und seine Nachfolger, also die Jünger.

Nun, in V.20 lenkt er den Blickpunkt nochmal auf eine andere Personengruppe: „welche durch ihr Wort an mich glauben“. Jesus war drei Jahre mit seinen Jüngern unterwegs. In einem Zeitraum , in dem wir heutzutage einen Bachelor-Abschluss erlangen, belehrte Jesus seine Jünger und bildete sie zu Menschenfischern aus. Zu einem seiner Jünger, nämlich Simon Petrus, sagte er, dass er der Fels ist, auf dem Jesus seine Gemeinde bauen wird (Mt 16,13-20). Nachdem Jesus in den Himmel auffuhr waren es seine Jünger, die seinen Missionsauftrag (Mt 28,18-20) ausführen sollten. Sie waren es, die durch Gottes Kraft das Evangelium Christi in die verschiedensten Regionen und Länder brachten. Und im Laufe der Kirchengeschichte kamen immer mehr Nachfolger dazu, die diesen Auftrag weiterführten. Das ist der Grund warum wir das Evangelium kennen: Es wurde uns von Menschen gepredigt, die dem Missionsauftrag Jesu Folge leisteten (so wie es die Jünger schon taten). Kurz gesagt: Wir sind es, von denen Jesus an dieser Stelle redet. Jesus bittet seinen Vater nicht nur um seiner 11 Jünger Willen, sondern auch um unseretwillen. Kurz vor seiner Gefangennahme, in Todesangst, tat Jesus Fürbitte für uns. Es war kein kurzes Gebet, wie wir es oftmals vor dem Schlafengehen tun. Es war ein Ringen und Kämpfen. Ich hoffe diese Tatsache macht dir bewusst, wie wichtig Jesu Bitte ist, wenn sie an dieser Stelle zu finden ist.

Was beinhaltet Jesu Bitte? Kurz lässt sie sich folgendermaßen zusammenfassen: Jesus bittet darum, dass wir Christen untereinander in Gott eins seien.

Nun gibt es ja viele Gründe, warum es gut ist, als Christen eine Einheit in Christus zu sein. Diesen Gedanken finden wir an mehreren Stellen im Neuen Testament. Jesus nennt an diesem Punkt aber einen bestimmten Grund für die Einheit der Christen: Die Welt soll daran erkennen, dass Jesus der Gesandte Gottes ist.

Jesus hat seinen Jüngern keine rosige Zukunft versprochen. In Johannes 15 kündigt Jesus seinen Jüngern an, dass sie gehasst werden, dass sie verfolgt werden und was wir teils in der Bibel, teils in der frühen Kirchengeschichte lesen ist, dass sie zum Großteil einen schlimmen Tod starben. Die Jünger erwartete eine schwere Zeit. Aber nicht nur die Jünger, jeden Christen erwartet eine schwere Zeit. Die Frage ist nur: In welchem Ausmaß. Und wenn diese Zeit da ist, werden Diskussionen, wie „Wer wird der Größte von uns im Himmelreich sein?“ völlig belanglos. Wichtig ist als Christen zusammenzustehen, sich gegenseitig ermutigen, sich zu ermahnen, zeugnishaft eine Einheit zu sein, in Christus.

Wie können wir heutzutage praktisch diese Einheit leben, um die Christus hier Fürbitte tut? Zum Beispiel können wir uns fragen, wer das größere Übel ist: Die Personen, die mit mir in einer Lehrfrage nicht übereinstimmen oder die Personen, die im Kern eine andere Weltanschauung haben als ich? Keine Frage, Diskussionen über biblische Lehrfragen können enorm wertvoll sein und sind auch überaus wichtig. Aber wir sollten eins nicht aus den Augen verlieren: Die Personen, mit denen wir über Lehrfragen diskutieren sind mit uns in Christus vereint. Mit ihnen können und sollen wir einheitlich und zeugnishaft zusammenstehen und mit Ungläubigen ins Gespräch kommen, sodass Ungläubigen das Evangelium in Wort und Tat nahe gebracht werden kann.

Johannes 17 (12/16)