Andachten

Der fähige Diener Gottes (2/6)

Fangen wir wieder an, uns selbst zu empfehlen? Oder brauchen wir etwa, wie gewisse Leute, Empfehlungsbriefe an euch oder Empfehlungsbriefe von euch? (2. Korinther 3,1)

Ein nützlicher und geistlich einflussreicher Diener Gottes muss sich selbst nicht emp- fehlen oder sich von dem Zeugnis anderer abhängig machen, da sein tugendhaftes, gottesfürchtiges Leben nur allzu bekannt ist. Um jeglicher Behauptung, er würde sich selbst empfehlen, den Wind aus den Segeln zu nehmen, machte Paulus keine offenen Aussagen zu seiner eigenen Verteidigung.

Paulus wusste, dass die einzige Auszeichnung, die überhaupt von Bedeutung ist, von Gott kommt, und nicht von anderen oder von seinem eigenen Gewissen.

Obschon er ein demütiger Mann war, war sich Paulus vollkommen seiner Bedeu- tung für die Gemeinde bewusst, sowohl als Prediger des von Gott auf übernatürliche Weise gegebenen Evangeliums (Gal 1,11-12) sowie auch als inspirierter Verfasser biblischer Offenbarung. So musste er sich verteidigen, damit Gottes Wahrheit nicht behindert würde. Die Trauer und Frustration seines Herzens über ihre Wankelmütig- keit kam durch, als er schrieb: Fangen wir wieder an, uns selbst zu empfehlen? Er wollte die Korinther nicht dazu veranlassen, ihn zu empfehlen, sondern sie zu einer Beurteilung ihrer Haltung bringen.

Nach all dem, was sie gemeinsam durchgestanden hatten, musste sich Paulus den Korinthern tatsächlich von Neuem vorstellen? Kannten sie ihn mittlerweile nicht gut genug? Musste Paulus wirklich wieder von vorne anfangen und ihnen beweisen, was für ein Mensch er war? Nachdem sie ihn so lange kannten und er min- destens 18 Monate unter ihnen gedient hatte (Apg 18,11), wie konnten sie da den Lügen der falschen Apostel über ihn Glauben schenken? Nach all den Belehrungen, Predigten, der Gemeinschaft, den Gebeten, der Liebe und den Tränen, die sie mit ihm geteilt hatten, kannten sie ihn gewiss viel besser.

Paulus machte sein Argument mit der zweiten Frage, die nach einer negativen Antwort verlangte, deutlich: Oder brauchen wir etwa, wie gewisse Leute, Empfehlungsbriefe an euch oder Empfehlungsbriefe von euch? Bei ihrem Versuch, Paulus in Misskredit zu bringen, behaupteten die Irrlehrer, dass ihm die offiziellen Empfehlungsbriefe fehlten. Solche Empfehlungsbriefe wurden damals häufig benutzt, um andere Personen denen vorzustellen, die sie nicht kannten (vgl. Neh 2,7; Apg 9,2; 18,27; 22,5; Röm 16,1; 1Kor 16,3). Als die falschen Apostel in Korinth ankamen, haben sie wahrscheinlich gefälschte Empfehlungsbriefe vorgelegt, die möglicher- weise aussagten, dass sie aus der Jerusalemer Gemeinde kommen (vgl. Apg 15,24). Sie benutzten diese Briefe, um von den Korinthern aufgenommen zu werden.

Die falschen Apostel legten den Korinthern nicht nur Empfehlungsbriefe vor, sie verlangten auch, von den Korinthern welche ausgestellt zu bekommen. Da sie nicht wiedergeboren waren, führten die falschen Apostel ein verdorbenes Leben. Deshalb konnten sie nie lange an einem Ort bleiben, bevor sie entlarvt wurden. Doch bevor sie weiterzogen, ließen sie sich Empfehlungsbriefe von denen geben, die sie getäuscht hatten. Diese Empfehlungsbriefe benutzten sie dann, um sich Glaubwürdigkeit bei ihren nächsten Opfern zu verschaffen.

Aber Paulus war anders als die falschen Apostel. Er brauchte keine Empfeh- lungsbriefe, um den Korinthern seine Glaubwürdigkeit zu beweisen; sie kannten sein tugendhaftes, frommes und aufrichtiges Leben und sein vollmächtiges Predigen per- sönlich. Es wäre geradezu lächerlich gewesen, hätten die Korinther von Paulus Emp- fehlungsbriefe verlangt. Tragisch, dass sie so töricht und getäuscht sein konnten, die Wahrheit über den geliebten Apostel anzuzweifeln. Paulus untadeliges Leben und sein effektiver Dienst waren sein Empfehlungsbrief.

(John MacArthur)