Andachten

Der fähige Diener Gottes (3/6)

Unser Brief seid ihr selbst, in unsere Herzen geschrieben, erkannt und gelesen von jedermann. Es ist ja offenbar, dass ihr ein Brief des Christus seid, durch unseren Dienst ausgefertigt, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf steinerne Tafeln, sondern auf fleischerne Tafeln des Herzens. (2. Korinther 3,2-3)

Ein effektiver Diener Gottes wird gebraucht, um das Leben anderer zu verändern

Paulus Authentizität wurde nicht nur durch sein untadeliges Leben offenbar, sondern auch durch seine Wirkung auf das Leben der Korinther. Wie bereits angemerkt, verließen sich die falschen Apostel auf Empfehlungsbriefe, um aufgenommen zu werden. Doch Paulus’ Brief war denen der falschen Apostel weitaus überlegen – es waren die Korinther selbst. Gott hatte Paulus gebraucht, um diesen Brief in der zügellosen, verdorbenen Stadt Korinth zu schreiben. Die einzige Referenz, die der Apostel benötigte, um den göttlichen Ursprung seiner Arbeit zu beglaubigen – abgesehen von seinem offenkundig tugendhaften Leben –, war die Tatsache, dass die Korinther errettet waren und durch die von ihm gepredigte und gelehrte Wahrheit geheiligt wurden.

Anders als die der falschen Apostel trug Paulus seinen Empfehlungsbrief nicht in der Tasche; er war in seinem Herzen geschrieben. Die Sprache des Apostels vermit- telte die tiefe Zuneigung, die er für die Korinther empfand (vgl. 6,11-13). Da sie wert- voll für ihn waren, trugen er und seine Mitarbeiter sie allezeit in ihren Herzen. Wie er später in diesem Brief schrieb: »Ihr seid in unseren Herzen, sodass wir mit [euch] sterben und mit [euch] leben« (7,3).

Paulus Empfehlungsbrief war kein privater Brief, der ausschließlich im Herzen verborgen war und daher nur von wenigen gelesen werden konnte; vielmehr konnte er von jedermann … erkannt und gelesen werden. All jene, die Zeugen des verän- derten Lebens der Korinther geworden waren, hatten ihn gelesen; er war stets offen- bar. C.K. Barrett schreibt: »Die Existenz der korinthischen Christen ist eine Mit- teilung Christi an die Welt, eine Manifestierung seiner Absichten für die Menschen. 

Das Ergebnis dieser Predigt Christi durch Paulus war ein lebendiger Brief, der von allen gekannt und gelesen wurde.

Um den Gegensatz zu den Briefen der falschen Apostel weiter deutlich zu machen, hält Paulus fest, dass sein Empfehlungsbrief nicht auf steinerne Tafeln, sondern auf fleischerne Tafeln des Herzens geschrieben war. Mit dieser Aussage konfrontierte der Apostel in direkter Weise die Irrlehrer, die ein falsches Evangelium predigten, welches Christentum mit Beschneidung, Zeremonien aus dem Alten Bund und Gesetzlichkeit vermischte.

Auf den steinernen Tafeln gravierte Gott auf übernatürliche Weise die Zehn Gebote ein (2Mo 31,18; 32,15-16). Aber das Wunder vom Sinai kann sich nicht mit dem Wunder der Errettung messen. In Korinth hatte Gott nicht auf steinerne Tafeln, sondern auf fleischerne Tafeln des Herzens geschrieben. In beiden Fällen gravierte Gott dasselbe Gesetz ein; seine moralischen Maßstäbe ändern sich nicht. Einige haben fälschlicherweise angenommen, dass die Gläubigen unter dem Neuen Bund Gottes Gesetz nicht länger halten müssen. Aber das stimmt nicht. Unter dem Neuen Bund zu stehen, befreit Gläubige nicht von der Einhaltung des Gesetzes; sie sind befreit und durch den Geist Gottes befähigt, das Gesetz zu halten. Das auf die steinernen Tafeln geschriebene Gesetz vom Sinai war äußerlich; es konfrontierte die Menschen mit ihrer Unfähigkeit, den heiligen, gerechten und guten Ansprüchen Gottes vollkommen gehor- sam zu sein, und verurteilte sie dadurch. Aber im Neuen Bund schreibt Gott sein Gesetz auf die Herzen der Erlösten. Die Kraft des innewohnenden Heiligen Geistes befähigt sie, das Gesetz zu halten, und die Gerechtigkeit Christi, die ihnen durch Gnade zuge- schrieben wurde, bedeckt all ihre Verstöße gegen dieses Gesetz.

Die falschen Apostel in Korinth klammerten sich an das äußerliche Gesetz, das auf steinerne Tafeln geschrieben war, und traten für die Errettung durch Werke, Rituale und Zeremonien ein. Dies ist immer eine vernichtende Botschaft, denn keiner kann das ganze Gesetz vollständig halten:

Denn alle, die aus Werken des Gesetzes sind, die sind unter dem Fluch; denn es steht geschrieben: »Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buch des Gesetzes geschrieben steht, um es zu tun.« Dass aber durch das Gesetz niemand vor Gott gerechtfertigt wird, ist offenbar; denn »der Gerechte wird aus Glauben leben«. Das Gesetz aber ist nicht aus Glauben, sondern: »Der Mensch, der diese Dinge tut, wird durch sie leben.« Christus hat uns losgekauft von dem Fluch des Gesetzes, indem er ein Fluch für uns wurde (denn es steht geschrieben: »Verflucht ist jeder, der am Holz hängt«). (Gal 3,10-13) Paulus’ Tadel an die Galater galt gleicherweise auch den Korinthern:

Ich verwerfe die Gnade Gottes nicht; denn wenn durch das Gesetz Gerechtigkeit [kommt], so ist Christus vergeblich gestorben. … Seid ihr so unverständig? Im Geist habt ihr angefangen und wollt nun im Fleisch vollenden? … Ihr seid losgetrennt von dem Christus, die ihr durchs Gesetz gerecht werden wollt, ihr seid aus der Gnade gefallen! (Gal 2,21; 3,3; 5,4)

Paulus brauchte keinen mit Stift und Tinte geschriebenen Empfehlungsbrief. Das veränderte Leben der Korinther und die Tatsache, dass Gottes Gesetz auf ihren Her- zen geschrieben stand, war der Beweis für seine Authentizität.

(John MacArthur)