Andachten

Weltanschauung (4/4): Die soteriologische Sicht

Denn das ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer.“ (1. Johannes 5,3)

Fazit: Richtig handelt, wer Gottes Gebote hält!

Dieses Fazit resultierte aus dem letzten Beitrag über „die ethische Sicht“. Letztlich behandeln wir nun die soteriologische Sicht der Weltanschauung. Wobei die Frage nach der Soteriologie1 auch eng mit der Ethik zusammenhängt:

  • Ist der Mensch für sein Handeln jemandem Rechenschaft schuldig? (Sei dies im Leben oder nach dem Tod…)
  • Kann der Mensch sich selbst retten („sich selbst aus dem Sumpf ziehen“) oder ist der Mensch Errettungsbedürftig?
  • Kann der Mensch selbst etwas für seine Errettung tun?
  • Was muss der Mensch tun um zu Gott zu gelangen?

Sind wir für unser Verhalten überhaupt jemandem Rechenschaft schuldig? Paulus schreibt in seinem Brief an die Römer eine klare Antwort darauf: „Du aber, was richtest du deinen Bruder? Und du, was verachtest du deinen Bruder? Wir werden alle vor den Richterstuhl Gottes treten müssen. Denn es steht geschrieben: So wahr ich lebe, spricht der Herr, mir wird sich beugen jedes Knie, und jede Zunge wird sich zu Gott bekennen. Es wird also jeder von uns für sich selbst Rechenschaft ablegen müssen vor Gott.“

Reicht es also, wenn wir einfach ein gutes Leben führen? Reicht es, wenn wir nach unserem „gut dünken“ handeln, um vor Gott bestehen zu können?

Wenn wir nicht nach Gottes Geboten handeln, so haben wir das Ziel für unser Leben verfehlt (durch unsere Sünde). Dieses Verhalten trennt uns unbedingt von Gott. Kein Mensch kann so vor Gott bestehen und ist dazu verdammt, ewig von Gott getrennt zu sein.

Einzig durch die Gnade Gottes werden wir gerecht gemacht durch das Kreuz Christi: Gerecht gemacht werden sie ohne Verdienst aus seiner Gnade durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist. Ihn hat Gott dazu bestellt, Sühne zu schaffen – die durch den Glauben wirksam wird – durch die Hingabe seines Lebens. Darin erweist er seine Gerechtigkeit, dass er auf diese Weise die früheren Verfehlungen vergibt, die Gott ertragen hat in seiner Geduld, ja, er zeigt seine Gerechtigkeit jetzt, in dieser Zeit: Er ist gerecht und macht gerecht den, der aus dem Glauben an Jesus lebt.“ (Römer 3, 24-26)

Der Mensch kann sich nicht selbst aus dem Sumpf ziehen! Die einzige Lösung ist in der Gnadengabe Gottes. Sein Beitrag besteht aus der Inkarnation, seines Sohnes Jesus Christus, und der Sühnung unserer Schuld. Nur durch diesen Heilsplan und die Erlösung in Jesus sind wir gerechtfertigt vor Gott. „Denn durch die Gnade seid ihr gerettet aufgrund des Glaubens, und zwar nicht aus euch selbst, nein, Gottes Gabe ist es: nicht durch eigenes Tun, damit niemand sich rühmen kann.“ (Epheser 2, 8-9)

Was kann/muss der Mensch nun für seine Errettung tun? Unser Beitrag besteht im Glauben und der Umkehr, nicht in Werken! Vor Juden und Griechen habe ich Zeugnis abgelegt von der Umkehr zu Gott und vom Glauben an Jesus, unseren Herrn.“ (Apg. 20,21)

Soweit die wesentlichen Punkte zur christlichen Weltanschauung. Ich bin mir bewusst, dass diese Weltanschauung bereits im christlichen Rahmen unterschiedlich gesehen wird. Da aber eine Weltanschauung unmöglich aus einer neutralen Sicht betrachtet werden kann, sondern immer bereits eine Weltanschauung voraussetzt, lege ich die Überprüfung und Hinterfragung des eigenen Verständnisses jedem ans Herz.

Mit dieser Andacht-Serie wollte ich die Wichtigkeit der eigenen Weltanschauung ins Bewusstsein rufen. James N. Anderson ist Professor für Theologie und Philosophie am „Reformed Theological Seminary“ in Charlotte, er befasste sich intensiv mit Weltanschauungen. Aus seiner Feder stammen auch die folgenden Kriterien zur Überprüfung einer Weltanschauung. Anhand dieser Kriterien können eigene/fremde Weltanschauungen verglichen und hinterfragt werden:

1. Konsistenz2

Ist die Weltanschauung konsistent?

  • mit sich selbst?
  • mit den anderen Überzeugungen der Person?

2. Erklärung

Wieviel kann die Weltanschauung erklären?

  • über die Welt?
  • über die Menschheit?

3. Erfahrung

Passt die Weltanschauung zu unseren Erfahrungen?

  • zu den inneren Erfahrungen (bspw. Gewissen)
  • zu den äusseren Erfahrungen (bspw. Schönheit in der Natur)?

4. Kohärenz3

Passt die Weltanschauung in sich?

  • Stützen Bestandteile der Weltanschauung andere Bestandteile?
  • Erklären einige Bestandteile der Weltanschauung andere?

5. Gewissen

Passt die Ethik der Weltanschauung zu der Ethik, wie sie uns unser Gewissen sagt?

  • In Bezug auf generelle moralische Aussagen (bspw. moralischer Relativismus)
  • Auf konkrete moralische Aussagen (bspw. Kinderopfer)?

6. Lebbarkeit

Kann man die Weltanschauung in der Praxis leben?

  • Gibt es eine Konsistenz zwischen Theorie und Praxis?
  • Kann man auf Grund der Weltanschauung auch Taten folgen lassen (walk the talk)?

7. Erfüllung

Erfüllt die Weltanschauung unsere tiefsten Wünsche und Instinkte?

  • Erfüllt sie Intellekt/Emotionen/Spiritualität?

8. Hoffnung

Gibt uns diese Weltanschauung Hoffnung?

  • Hoffnung für die Zukunft?
  • Hoffnung für die Gegenwart?

Für diejenigen die diese Thematik gepackt hat und mehr über Weltanschauungen lesen möchten, empfehlen sich folgende Bücher:

What’s Your Worldview?: An Interactive Approach to Life’s Big Questions von James N. Anderson (114 Seiten) „How do you view the world? It’s a big question. And how you answer is one of the most important things about you.“

Naming the Elephant: Worldview as a Concept von James W. Sire (163 Seiten) „What is a worldview? What lies behind your thoughts about almost everything?


1 Soteriologie ist die Lehre von der Erlösung der Menschen.

2 Konsistenz ist ein strenger gedanklicher Zusammenhang in der Logik.

3 Kohärenz ist der Zusammenhang/die Stimmigkeit der einzelnen Teile.