Andachten

Zitat: Militärschiff oder Kreuzfahrtdampfer?

„In den späten 1940er-Jahren beauftragte die Regierung der Vereinigten Staaten William Francis Gibbs damit, in Zusammenarbeit mit einer großen Reederei einen 80-Millionen Dollar Truppentransporter für die Marine zu planen. Das Ziel war, ein Schiff zu bauen, das in Kriegszeiten fünfzehntausend Soldaten im Eiltempo transportieren konnte. 1952 lief die SS United States vom Stapel. Das Schiff hatte eine Reisegeschwindigkeit von 44 Knoten (über 80 km/h) und konnte (…) in weniger als zehn Tagen jeden beliebigen Ort auf den Weltmeeren erreichen. Die SS United States war der weltweit schnellste und zuverlässigste Truppentransporter.
Der Haken an der Sache ist, dass sie niemals Soldaten transportierte. (…) ihr volles Potenzial wurde nie genutzt.
Stattdessen wurde die SS United States zum Kreuzfahrtschiff für Präsidenten, Staatsoberhäupter und eine Vielzahl anderer Prominenter, die während der siebzehn Einsatzjahre auf ihr fuhren. Als Kreuzfahrtschiff konnte sie keine fünfzehntausend Leute mehr transportieren, sondern nur noch knapp zweitausend Passagiere. Diese Passagiere konnten den Luxus von sechshundertfünfundneunzig Prunkkabinen, vier Speisesälen, drei Bars, zwei Kinos, zwanzigtausend Quadratmetern offenem Deck mit beheiztem Schwimmbecken, neunzehn Aufzügen und den Komfort des weltweit ersten komplett klimatisierten Passagierschiffes genießen. (…)
Die Situation auf einem Kreuzfahrtschiff ist eine radikal andere als auf einem Gruppentransporter. Die Gesichter von Soldaten, die sich auf eine Schlacht vorbereiten, und die von reichen Urlaubern, die ihre Gaumenfreuden genießen, sehen völlig anders aus. Der sparsame Umgang mit Vorräten auf einem Truppentransport bildet einen scharfen Kontrast zu der Üppigkeit, die das Kreuzfahrtschiff auszeichnet. Und das Tempo, mit dem sich der Truppentransport fortbewegt, ist notwendigerweise viel höher als das des Luxusliners. Schließlich hat der Truppentransporter eine dringende Aufgabe zu erledigen, während das Kreuzfahrtschiff die Reise locker genießen kann.
Wenn ich über die Geschichte der SS United States nachdenke, frage ich mich, ob sie uns etwas über die Geschichte der Gemeinde Jesu lehren kann. Die Gemeinde wurde, wie die SS United States, für die Schlacht geschaffen. Die Bestimmung der Gemeinde ist, ein Volk zu mobilisieren, um einen Auftrag zu erfüllen. Aber wir scheinen die Gemeinde von einem Truppentransporter in ein Kreuzfahrtschiff verwandelt zu haben. Wir haben uns scheinbar gut organisiert – aber nicht für die Schlacht um die Seelen der Völker dieser Welt, sondern um in den friedvollen Annehmlichkeiten dieser Welt zu schwelgen. Das bringt mich zu der Frage, was passieren würde, wenn wir der Welt direkt ins Gesicht sähen – mit ihren fünf Milliarden Menschen auf dem Weg in die Hölle und den sechsundzwanzigtausend Kindern, die täglich an Hunger und vermeidbaren Krankheiten sterben. Und wenn wir dann die Entscheidung träfen, das Schiff endlich in die Schlacht zu steuern, statt uns von den Stewards weitere Appetithäppchen an den Pool bringen zu lassen?“

DAvid platt, 2010 – Keine kompromisse (Jesus nachfolgen – um jeden Preis), S. 166f.