Andachten

Eigenschaften Gottes (0/8): Adäquate Benennbarkeit Gottes?

Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, Spruch des HERRN, denn so hoch der Himmel über der Erde ist, so viel höher sind meine Wege als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken. (Jesaja 55, 8-9)

Auf den ersten Blick scheint das Thema der „Eigenschaften Gottes“ eine allbekannte Standardthematik zu sein. Jedoch verbirgt sich dahinter eine unfassbare, ja den Verstand übersteigende Thematik.

Bevor wir aber in die Tiefe und Weite der Eigenschaften Gottes eintauchen, muss ein grundsätzliches und dilemmatisches Problem genannt werden. Zudem müssen auch einige einführende Gedanken, mithilfe folgenden Grundsatzfragen, erläutert werden:

  1. Ob Gott ist(Frage nach der Existenz Gottes)
  2. Was Gott ist(Frage nach der „Washeit“ Gottes)
  3. Wer Gott ist – (Frage nach den Personen Gottes)

1. Diese erste Frage, ob Gott überhaupt ist, scheint sinnlos zu sein. Denn es wäre unsinnig, nach einem Wesen und „Personsein“ zu fragen, welches nicht existiert. Dazu lässt sich mit menschlicher Logik kaum einen hiebfesten Gottesbeweis erbringen. Der Glaube einer Person benötigt keinen Gottesbeweis – Argumente für Gottes Existenz sind bestenfalls im apologetischen Kontext dienlich. Diese befinden sich aber nicht im Fokus dieser Andachtsserie.

2. Kann Gott von uns adäquat benannt werden? Diese Frage soll mit dieser Andachtsserie behandelt werden. Denn die „Washeit“ Gottes kann aus menschlichem Verstand nicht in einem adäquaten Begriff benannt werden (Auch wenn die menschliche Sprache in Göttlichem wurzelt.). Vielmehr benötigt es dazu eine Reihe von Attributen, welche auf Gott prädiziert[1] werden. Alleinstehend wären die Begriffe inadäquat und würden Gottes Sein unvollständig und unscharf bezeichnen. Erst durch die Beschreibung verschiedener Eigenschaften Gottes, gleicht dies einer adäquaten Benennbarkeit Gottes. Doch die Schwierigkeit der Benennbarkeit Gottes liegt auch in der Unsichtbarkeit der Geistlichkeit Gottes. Denn diese impliziert sich nicht nur auf das körperliche Auge, sondern auch auf das geistige Auge.

3. Die Frage „Wer ist Gott?“ ist in diesem Kontext auch erwähnenswert. Sie bezieht sich nämlich auf die göttlichen Personen Gottes, also auf den Vater, seinen Sohn Jesus Christus und den Heiligen Geist. Die Unterscheidung der transzendentalen Vielfalt der Personen ist anders als die der Eigenschaften Gottes. So unterscheidet die Bibel die drei Personen und schreibt so dem Vater andere Attribute zu als dem Sohn oder dem Heiligen Geist.

Nun noch kurz zum dilemmatischen Problem der Benennbarkeit Gottes: Es handelt sich dabei um die Begriffe, welche Gott vom Menschen zugeschrieben werden. Sind diese Attribute univok, äquivok oder anlog zu verstehen?

  • Univoke Ausdrücke sind sprachliche Begriffe, welche für denselben Bedeutungssinn verwendt werden.
  • Äquivoke Ausdrücke sind sprachliche Begriffe, welche einen ganz unterschiedlichen Bedeutungssinn beinhalten.
  • Analoge Ausdrücke sind sprachliche Begriffe, deren Bedeutung eine Gemeinsamkeit besitzen.

So ist zum Beispiel der Begriff „Existenz“ Gottes eher schwierig univok mit menschlicher „Existenz“ zu verstehen. Ist die Existenz Gottes vergleichbar mit der Menschlichen?

Oder der Begriff „Vater“ ist sowohl auf Menschen, als auch auf Gott anwendbar. Aber die Bedeutung ist weder univok noch äquivok zu verstehen. Gottes Eigenschaft ist nur ähnlich oder vergleichbar mit der eines Vaters. Somit ist dieser Begriff vielmehr anlog zu verstehen.

Diese Andachtsserie hat das Ziel Gott grösser zu machen und Ihn zu verherrlichen. Aufgrund unserer „Kreatürlichkeit“ ist es uns aber nicht bestimmt Gott in seinem Sein gänzlich zu verstehen. Denn so hoch wie der Himmel über der Erde ist, so viel höher sind Seine Gedanken über unseren Gedanken.


[1] Prädikation ist eine sprachliche Handlung, mit welcher einem Gegenstand Eigenschaften zugesprochen werden.