Andachten

Millionaire Mindset? (1/2)

Reichtum und Wohlstand zählt wohl zu den Top Götzen der Menschheit und zwar zeitübergreifend. Millionen von Menschen richten ihre ungeteilte Aufmerksamkeit aufs Reichwerden, Geldverdienen und Karrieremachen. Tausende Ratgeber in Form von Büchern, Kursen oder Online-Videos präsentieren den perfekten Weg zur finanziellen Unabhängigkeit und einem “Millionaire Mindset”. Reiche und erfolgreiche Menschen, deren Wohlstand und Standing sprichwörtlich wird, Parolen wie “Get rich or die tryin'“ (Werde reich oder stirb bei dem Versuch), “Lebensratgeber” aller Art und vor allem die dem Menschen von Natur aus innewohnende Gier treiben viele von uns dazu, sich dem Materialismus und dem Streben nach Geld hinzugeben.

Nicht umsonst findet Salomo, dessen Reichtum seinerzeit wohl unvergleichlich groß war, viele Worte zu diesem Thema und widmet ihm reichlich Platz in seinen Sprüchen. Doch dabei findet sich dabei ein interessantes Spannungsfeld. Einerseits wird Reichtum als etwas Erstrebenswertes und als ein Segen des Herrn bezeichnet, wie etwa in Sprüche 10,15: “Der Besitz des Reichen ist für ihn eine feste Stadt, die Armut der Bedürftigen aber ist für sie ein Unglück.”, andererseits wird er auch als etwas präsentiert, das trügerisch ist und nicht weiterhilft, wie zum Beispiel in Sprüche 11,4: “Reichtum hilft nicht am Tag des Zorns, aber Gerechtigkeit errettet vom Tod.” Entsprechend möchten wir das Thema auch in zwei Teilen betrachten, zuerst die positiven Aspekte des Reichtums und danach die negativen.

Zunächst einmal stellen wir fest, dass sowohl die Sprüche als auch der Pentateuch (und andere Bücher der Bibel) einen Zusammenhang zwischen Gottesfurcht und einem Leben in Wohlstand und Zufriedenheit schaffen. “Der Gerechte isst, bis er satt ist, der Bauch der Gottlosen aber hat Mangel.” (Spr 13,25). “Im Haus des Gerechten ist ein reicher Schatz, im Einkommen des Gottlosen aber ist Zerrüttung.” Am deutlichsten kommt diese Verbindung wohl im folgenden Vers zum Ausdruck: “Der Lohn der Demut und der Furcht des Herrn ist Reichtum, Ehre und Leben.” (Spr 22,4).

Beim Lesen der Sprüche muss man im Hinterkopf behalten, dass sie ganz allgemeine Prinzipien und Beobachtungen festhalten. Sie treffen nicht immer und hundertprozentig auf jedes einzelne Individuum zu. Das Konzept eines guten Lebens, das sie beschreiben, lautet im Hebräischen “chokma” (meistens übersetzt mit “Weisheit”). Dahinter verbirgt sich genau dieser Zusammenhang, dass gute Taten, ein weises Leben und ein gottesfürchtiger Wandel zu Wohlergehen und einem schönen Leben voller Genuss und Freude führen. Und obwohl das im Großen und Ganzen sich immer wieder bewahrheitet gibt es doch zahlreiche Ausnahmen, bei denen Gottes souveräner Plan ein anderer ist. Darum sehen wir, wie ein Hiob leiden muss, darum sehen wir einen Asaph über sein eigenes Leid und das Wohlergehen der Gottlosen klagen (Psalm 73), darum sehen wir, wie schreckliche Dinge im Leben vieler Gottesmänner (und -frauen) geschehen, die nicht dafür verantworlich sind (denken wir zum Beispiel an Joseph, David, Paulus, Corrie ten Boom, Adoniram Judson und viele mehr). Doch die Sprüche präsentieren uns eben ein vereinfachtes, gerade und klares Bild des Lebens, einen simplen “Tun-Ergehen-Zusammenhang”, wie er bis heute größtenteils im jüdischen Denken verankert ist. Wer Gott fürchtet und Gutes tut, der lebt mit “chokma”, wer Böses tut und gottlos lebt, arbeitet gegen “chokma”. Das Wort “chokma” hat auch mit “Fähigkeit” zu tun. Man zeigt, dass man “chokma” besitzt, indem man mit Weisheit arbeitet, sie anwendet und die Fähigkeit entwickelt, sie im alltäglichen Leben einzusetzen – wie ein Werkzeug, mit dem man ein Haus baut.

In diesem Zusammenhang finden sich die positiven Sprüche über den Reichtum wieder. Und tatsächlich werden sie bis heute sichtbar, allein schon wenn wir die Geschichte des christlich geprägten Europas und Nordamerikas und die der übrigen Länder vergleichen. Alle positiven Errungenschaften des Westens lassen sich auf ein christliches Weltbild und eine Prägung von der Bibel her zurückführen – Wissenschaft, Bildung, Technologie und nicht zuletzt der Wohlstand. Weil viele europäische Staaten über Jahrhunderte hinweg nach den biblischen Grundsätzen regiert wurden, diese teilweise auch in ihre Grundgesetze einarbeiteten, weil viele Unternehmer Christen waren und viele Wissenschaftler auf Basis des göttlichen Schöpfungsmandats (sich die Erde untertan zu machen) arbeiteten und forschten, weil die Würde des Menschen als unantastbar galt, funktionierten, wuchsen und florierten diese Staaten. Auf Basis des Konzeptes “chokma” wurden sie mit Wohlstand gesegnet.

Auch jetzt bilden die Sprüche für uns als Gottes Volk einen ethischen Rahmen. Sie zeigen uns, wie wir in den einzelnen Bereich des Lebens leben sollen. Gott möchte denen, die ihn suchen und fürchten, ein Belohner sein (Hebr 11,6). In gewissem Sinne gilt das Prinzip “chokma” also auch für uns, auch wenn wir gemäß Gottes souveränem Plan durch schweres Leid gehen müssen und unverdienterweise Schmerzen erdulden müssen, so dürfen wir wissen, dass wir einmal einen Lohn empfangen werden, der allen Reichtum der Erde bei weitem übersteigt.

Lasst uns deshalb schon jetzt aus Dankbarkeit Gott gegenüber nach seinem Willen leben, den er auch durch die Sprüche offenbart, und uns über das freuen, was er uns an irdischem Wohlstand schenkt, aber vor allem den wahren, ewigen Reichtum erstreben, unseren ewigen Lohn. Unser Mindset soll in erster Linie dem himmlischen Reichtum gelten, dem Reichtum, den wir in Christus bereits besitzen und auch den Schätzen, die wir zu sammeln aufgefordert sind – Schätze, die weder von Rost noch von Motten zerfressen werden. Lasst uns das bessere „millionaire mindset“ entwickeln.