Andachten

Jesus feiern und doch verloren gehen!?

Da sprachen seine Brüder zu ihm: Zieh von hier weg und geh nach Judäa, damit auch deine Jünger deine Werke sehen, die du tust; denn niemand tut etwas im Verborgenen und sucht dabei selbst öffentlich bekannt zu sein. Wenn du diese Dinge tust, so zeige dich der Welt; denn auch seine Brüder glaubten nicht an ihn. (Johannes 7,3-5)

Wenn du eine fremde Person kennenlernst und herausfindest, dass sie ein Christ/eine Christin ist, so ist das doch fabelhaft nicht wahr? Du redest mit dieser Person und merkst, sie findet Jesus toll, sie schwärmt von ihm, ist begeistert von seiner Person, weil er so viele Wunder tut, so gnädig ist, so viele Menschen heilt und sich wahnsinnig gut um andere Menschen kümmert. Diese Person erklärt, dass sie Jesus einfach nur feiert; ständig könnte sie Lieder zu seiner Ehre singen und Zeit mit ihm verbringen. Sie zeugt viel von ihm und ihr größtes Anliegen ist es, ihn bekannt zu machen. Hört sich nach einem/r eifrigen Nachfolger/in Christi an, nicht wahr? Vielleicht beschämt es uns schon fast, wie sie aus dem Schwärmen über ihn gar nicht mehr herauskommt…

Jesus selbst hatte Brüder, die ihn gut kannten. Und es erweckt den Anschein, dass auch sie eine gewisse Begeisterung für Jesus hatten. Sie schämten sich keineswegs für ihn, ganz im Gegenteil, sie wollten, dass er so bekannt wie möglich wird. Jesus tat außergewöhnliche Werke und seine Brüder wünschten sich, dass das nicht im verborgenen geschehe, sondern alle es sehen und ihn feiern. „Zeig dich der Welt“, forderten sie ihn auf. Das hört sich doch sicherlich nicht nach Unglauben an. Sie waren überzeugt, dass dieser Jesus authentische Wunder vollbringt; er tat Außergewöhnliches, daran gab es keinen Zweifel. Sie glaubten das.

Und dann erklärt Johannes etwas Schockierendes: „… denn auch seine Brüder glaubten nicht an ihn.“ Moment Johannes; gerade schriebst du noch davon, wie seine Brüder voller Enthusiasmus für Jesu öffentliche Wirksamkeit waren; sie wollten Jesus groß rausbringen, sein Werk promoten und für seine Berühmtheit sorgen. Wie kannst du sagen, dass der Grund für diesen Eifer der ist, dass sie nicht an ihn glaubten? Das scheint eine komische Verbindung zu sein: Jesus auf der einen Seite zu feiern und auf der anderen Seite nicht an ihn zu glauben.

Doch es ist sicher kein Schreibfehler des Johannes. Das „nicht“ ist bewusst von ihm dort eingefügt, um uns zu lehren, dass Begeisterung für Jesus nicht mit einem rettenden Glauben gleichzusetzen ist. Johannes will in seinem gesamten Evangelium immer und immer erreichen, dass wir an Jesus Christus glauben und damit wir durch diesen Glauben Leben haben in seinem Namen (Joh 20,31). An dieser Stelle in Joh 7 will er das dadurch erreichen, dass er uns zeigt, was denn nicht mit rettendem Glauben gleichzusetzen ist.

Einfach nur Jesus zu feiern, begeistert von ihm zu sein, ihm große Wunder zuzutrauen, reicht definitiv nicht. Letztendlich ist das nämlich keine Begeisterung von seiner Person und seines „wahren“ Werkes, sondern von seinen Zeichen und Wundern, die niemals in sich schon ihren Zweck erfüllten. Jesus vermehrte Brot, damit wir begreifen: Er ist das wahre Brot und gibt das wahre Brot. Er machte Wasser zu besserem Wein, damit wir erkennen: Mit Ihm beginnt das „Bessere“. Er weckte einen Toten wieder zum Leben auf, nicht damit wir alle staunen und sagen: Wow wie toll!, sondern damit wir begreifen: nur Er gibt wahres Leben (und das bedeutet, Ihn und seinen Vater zu erkennen s. Joh 17,3). Er starb und stand von den Toten auf, damit wir glauben: Er ist der Christus, der Messias, der uns von unserer Schuld und Sünde rettet, uns seine Gerechtigkeit anrechnet und uns nun nach Gutem und nach der Ehre Gottes Streben lässt.

Wahrer Glaube ist nicht begeistert von Jesus, um seiner tollen Zeichen, Wunder und Heilungen willen. Wahrer Glaube feiert Jesus, um seiner selbst willen. Wahrer Glaube will Jesus und Seinen Vater erkennen und nicht (nur) Außergewöhnliches erleben, das ihn dann in Erstaunen versetzt. Es ist eine äußerlich so fein nuancierte Unterscheidung. Doch dieser Unterschied macht einen Unterschied von Leben und Tod aus.

Was begeistert dich an Jesus? Hast du eine Wiedergeburt erfahren, ohne die du den Wert Christi überhaupt nicht sehen und demnach gar keinen echten Glauben haben kannst? Wenn aber doch: dann preise deinen souveränen Gott dafür und bete um echten Glauben für andere. Wenn nicht: Tu Buße! Bekenne, dass deine Begeisterung für Christus von völlig falscher Art war und bitte Christus, dass er dir wahren Glauben und ein neues Herz, dass ihn echt liebt, schenken möge.