Andachten

Ein gelber Golf IV

„Jesus sprach aber zu ihnen: Dies sind meine Worte, die ich zu euch redete, als ich noch bei euch war, dass alles erfüllt werden muss, was über mich geschrieben steht in dem Gesetz des Moses und in den Propheten und Psalmen.“ (Lukas 24,44)

Statistisch gesehen sind die meisten Autos weiß, schwarz, grau oder silber. Wer also im Straßenverkehr die Augen öffnet, wird schnell fündig werden, wenn er nach einer dieser Farben Ausschau hält. Schwieriger wird es da bei Farben, die weniger angesagt sind. Darunter fallen zum Beispiel Grün, Pink oder Gelb. Aber hier gibt es eine spannende Tatsache: Wer sich bewusst mit einem dieser Farben beschäftigt, wird in der darauffolgenden Zeit deutlich mehr gleichfarbige Autos im Verkehr wahrnehmen. Wenn ich also zum Beispiel überlege, mir einen gelben Golf IV zu kaufen, nehme ich in der Folge auf der Straße ein erhöhtes Aufkommen von gelben Golf IV wahr. Ich trainiere mein Unterbewusstsein darauf, nach gelben Autos und insbesondere gelben Golf IV Ausschau zu halten. So nehme ich in den gleichen weißen, schwarzen oder silbernen Autokolonnen deutlich mehr gelbe Autos wahr als vorher.

Einen ähnlichen Effekt wünsche ich mir in meiner Bibellese. Schaue ich in das Alte Testament, nehme ich Geschichten von Königen, Propheten und Glaubenshelden wahr. Vielleicht entdecke ich Emotionen in den Psalmen, Weisheit in den Sprüchen und Gebote bei Mose. Aber ich kann mit diesen Wahrnehmungen meistens nur zwei Dinge tun: Entweder ich denke, dass sie nichts mit mir und meinem Leben zutun haben, oder ich lese alles Mögliche in die Geschichten rein. Dann entstehen komische Auslegungen oder ich lese die Bibel ohne einen Gewinn.

Jesus gibt uns einen Hinweis, der für uns in unserem Bibellesen sehr hilfreich ist. Er sagt seinen Jüngern nach seiner Auferstehung, dass das ganze Alte Testament von ihm handelt. In den Psalmen, bei den Gesetzen, bei allen Geschichten – es geht immer um ihn. Im gesamten Neuen Testament beziehen sich die Autoren immer wieder auf das Alte Testament und setzen es in Verbindung zu Jesus Christus. Der wahre David? – Ist Jesus. Das wahre Volk Israel? – Ist Jesus. Das vollkommene Opfer? – Ist Jesus. Der perfekte Prophet? – Ist Jesus. Jesus Christus ist der Anfang und das Ende, er ist in der gesamten Bibel der Mittelpunkt.

Jesus Christus ist der Anfang und das Ende, er ist in der gesamten Bibel der Mittelpunkt.

Wer das immer mehr versteht, kann viele Texte in der täglichen Bibellese gut auf sich selbst anwenden. Dann aber nicht einfach auf sein Leben mit irgendeiner Auslegung, sondern mit dem Blick auf Jesus. „Wo ist Christus in diesem Text zu finden?“ sollte die leitende Frage sein. „Wie kann ich durch diesen Text das Evangelium, Gottes Größe und sein Handeln besser verstehen?“ Und wenn ich diesen Blick mehr und mehr bekomme, werde ich Jesus wie einen gelben Golf IV überall antreffen. Lese ich die Gesetze, sehe ich ihre Erfüllung in Jesus. Betrachte ich die Emotionen der Psalmen, entdecke ich sie in dem Leben Jesu wieder. Erkenne ich die Gerichtsworte der Propheten, sehe ich Jesus als den leidenden Gerichtsträger des Zornes Gottes. Jesus Christus erscheint plötzlich an allen möglichen Stellen, wie der gelbe Golf IV im Straßenverkehr.

Der Unterschied zum Golf IV liegt darin, dass Jesus tatsächlich in allen Texten zu finden ist. Beim Golf sortiert mein Unterbewusstsein alle anderen Farben aus, bei der Bibellese wird Jesus dort sichtbar, wo er vorher noch nicht sichtbar war. Ich wünsche dir, dass du Jesus Christus in den Texten der Bibel erkennen kannst. Ich hoffe, dass er dein Herz für seine Gegenwart in der ganzen Schrift öffnet. Es geht um ihn, dafür sei ihm alle Ehre!