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Das krasseste Gebot?

… Verkündige das Wort (…)! (2. Tim 4,2).

Folgendes gleich zu Beginn: Ziel meiner Andacht ist nicht, zu zeigen, dass dieses Gebot aus 2. Tim 4,2 wirklich das „krasseste“ (oder wichtigste, gewaltigste, größte…) Gebot der Bibel ist. Jesus ist in Mt 22,37-39 kaum misszuverstehen. Ich möchte allerdings unseren Blick auf die unvergleichliche Einleitung dieses Gebots lenken. Bevor Paulus seinem Mitarbeiter Timotheus gebietet, dass Wort zu verkündigen bzw. zu predigen, stellt er fünf Phrasen voran, die wie ein Crescendo auf dieses Gebot hin wirken. Nachdem wir uns diese 5 Teilsätze angeschaut haben, wird wohl kaum einer die Ernsthaftigkeit des Gebotes der Predigt überbewerten, die Paulus hier erzeugen wollte.

Folgendes stellt er diesem Gebot voran:

  1. „Daher bezeuge ich dir ernstlich…“ Das ist interessant, dass Paulus hier schreibt: „Ich bezeuge dir ernstlich…“ Wollte er Timotheus hier nicht etwas gebieten? Warum schreibt er nicht „Ich gebiete dir ernstlich…“? Es wirkt so, als würde Paulus vor Gericht eine äußerst wichtige Zeugenaussage treffen wollen. Er bezeugt. Er bekräftigt und versichert, etwas äußerst Wichtiges und Bedeutendes gesehen zu haben. Er sagt nicht nur seine eigene Meinung, sondern erfüllt seine Pflicht als Augen- bzw. Ohrenzeuge. Und seine „Zeugenaussage“ (die er dann später als Gebot formiliert, nämlich „Verkündige das Wort…“) erfüllt ihn mit tiefem Ernst.
  2. „…vor dem Angesicht Gottes…“ Paulus bezeugt also mit höchstem Ernst etwas und dieses Zeugnis ist von oder obersten nur denkbaren Autorität bevollmächtigt. Paulus sagt hier quasi, dass Gott selbst hinter diesem Gebot, das er an Timotheus weitergibt, steht. Gott höchstpersönlich wacht über dieses Gebot.
  3. „… und des Herrn Jesus Christus…“ Das Paulus hier nun noch Jesus Christus auflistet, soll sicher nicht dazu dienen, um die Autorität zu erhöhen. Es gibt keine höhere Autorität als Gott. Doch es ist spannend, dass Paulus dadurch, dass er nun Gott und Jesus Christus erwähnt, den Verfasser des Wortes Gottes und den Inhalt des Wortes Gottes erwähnt. Das Wort Gottes soll ja gepredigt werden – darum geht es ja bei diesem Gebot. Und nun sind der Verfasser dieses Wortes höchstselbst und der, um den sich die ganze Verkündigung drehen soll, genannt. Und beide stehen völlig hinter diesem Gebot!
  4. „… der Lebendige und Tote richten wird…“ Zu Jesus Christus hätte Paulus so Vieles schreiben können: z.B. „…, der unser großer Retter ist“; oder: „… welcher all unsere Sünden ans Kreuz geheftet hat“ usw. Aber er fügt diesen Beisatz an: „… der Lebendige und Tote richten wird…“. Macht das nicht deutlich, dass es beim Predigen um so viel mehr geht, als dass Menschen im Gottesdienst glücklich gestimmt werden? Zeigt es nicht, dass beispielsweise die Umwelt, Gender-Fragen oder der Wohlstand der Zuhörer viel weniger als nebensächlich sind – ja sogar fehl am Platz? Es geht um LEBEN und TOD! Es wird einer versammelten Menschenmenge verkündigt, dass Jesus Christus der Retter und Herr ist – und ob man dieser Botschaft glaubt oder nicht entscheidet über ein ewiges Seelenheil oder niemals endende Höllenqualen!
  5. „… um seiner Erscheinung und seines Reiches willen: …“ Es ist als wäre das letzte, das Paulus hier sagt, bevor er das Gebot formuliert, folgendes ist: „Timotheus, vergiss nicht: Jesus Christus ist der König der Könige und er wird sein Reich einst in seiner ganzen Fülle aufrichten; und er kommt bald wieder! Vergiss nicht, dass du als Herold dieses zurückkehrenden Königs des ganzen Universum sprichst!“.

Und dann folgt: „Verkündige das Wort“. Alles zusammengenommen ergibt also: „Daher bezeuge ich dir ernstlich vor dem Angesicht Gottes und des Herrn Jesus Christus, der Lebendige und Tote richten wird, um seiner Erscheinung und seines Reiches willen: Verkündige das Wort!“ (2. Tim 4,1-2).

John Piper sagt, dass er sich keines anderen Gebotes in der Bibel bewusst ist, das eine vergleichliche Einleitung hat, die so lang, erhaben und nachdrücklich ist.

Ich möchte hieraus 3 knappe und prägnante Anwendungen folgern:

  1. An dich, Prediger: Sei dir der Größe und Erhabenheit deiner Aufgabe bewusst und knie und flehe beständig deinen Gott an, dass er dich hierzu fähig sein lässt.
  2. An dich, der du kein Prediger bist: Bete für die Prediger deiner Gemeinde. Sie haben eine gewaltige Aufgabe empfangen.
  3. An dich, der du vielleicht nicht in deiner Gemeinde als Prediger aber bei anderen Möglichkeiten das Evangelium weitergibst: Erkennst du, dass die Größe der Aufgabe eines Predigers auch darauf schließen lässt, dass deine Aufgabe als Botschafter Christi in dieser Welt eine außerordentliche ist?