Andachten

Für Sklaven unter dem Joch

„Alle, die Sklaven unter dem Joch sind, sollen ihre eigenen Herren aller Ehre für würdig halten, damit nicht der Name Gottes und die Lehre verlästert werde. Die aber, die gläubige Herren haben, sollen sie nicht gering achten, weil sie Brüder sind, sondern ihnen noch besser dienen, weil sie Gläubige und Geliebte sind, die sich des Wohltuns befleißigen. Dies lehre und ermahne!“ (1.Timotheus 6,1.2)

Bei der Betrachtung der Mitglieder einer Gemeinde kann man viele verschieden Personengruppen ausfindig machen. Wir sahen bereits in den letzten Andachten, wie Paulus jede dieser einzelnen Gruppen angesprochen hat und ihnen ihre Verantwortung gegenüber der Gemeinde aber auch gegenüber den anderen Gläubigen aufzeigte. Diese beiden Verse beenden nun dieses Vorhaben des Paulus und richten sich an Menschen in der Gemeinde, die als Sklaven dienten.

Wenn wir das Wort „Sklave“ hören, dann verbinden wir damit meistens die Versklavung, Misshandlung und Unterdrückung der afrikanischen Bevölkerung in Amerika bis ins 19.Jahrhundert. Doch diese Vorstellung entspricht nicht der Wirklichkeit der Sklaven im Römischen Reich und zur Zeit des Neuen Testamentes. Zu der Zeit, als Paulus diesen Brief schrieb, gab es viele Familienbetriebe in Wirtschaft und im Handwerk, die Sklaven als Teil ihres Haushaltes angestellt hatten. Sie arbeiteten auf den Feldern oder halfen ihren Herren bei deren Wirtschaftstätigkeiten. Damals soll es ca. 60 Millionen Sklaven gegeben haben, die ganz selbstverständlich zur Wirtschaftsstruktur der damaligen Zeit dazugehörten. Unter ihnen gab es auch Gebildete, die als Lehrer, Ärzte oder Verwaltungsleute arbeiteten. Aber was sie alle miteinander verband war die Tatsache, dass sie nicht frei waren, sondern zum Besitz ihrer Herren gehörten.

Im Alltag waren die Verhältnisse zwischen Herren und Sklaven klar geregelt, doch wie sollten sie miteinander in der Gemeinde umgehen? Oder präziser gefragt: Wie sollten die an Christus gläubig gewordene Sklaven mit ihren weltlichen Herren bzw. mit den ebenfalls gläubigen Herren umgehen?
Zuerst fällt auf, dass Paulus den Sklaven nicht dazu rät einen Weg zu finden, wie sie von der Sklaverei befreit werden können, obwohl er um ihre sehr harten Lebensumstände wusste – Sklaven waren unter dem Joch – fordert er sie trotzdem dazu auf, ihre Herren zu ehren und ihnen zu dienen (siehe auch 1.Kor 7,20-24). Auch Petrus greift dieses Gebot auf und legt gewissermaßen noch eine Schippe drauf, als er nicht nur die Unterordnung unter milde und gute Herren, sondern auch unter die vernunftlosen Herren fordert (1.Pt 2,18). Natürlich durften die Sklaven auch ihre Freiheit erwerben, wenn sich ihnen diese Möglichkeit bot, doch sollten sie keine Revolution starten und versuchen mit allen Mitteln ihre Freiheit zu erlangen. Warum? – damit nicht der Name Gottes und die Lehre verlästert werde. Da, wo Gott die Sklaven hingestellt hatte, sollten sie ihren Dienst für Gott tun. In aller erster Linie sollten sie sich als Sklaven Christi betrachten, die ihm nicht nur in der Gemeinde, sondern auch im Alltag dienen sollten, um so den Namen Gottes zu ehren.

Auch den gläubigen Herren sollten die gläubigen Sklaven mit dem gebürtigen Respekt gegenübertreten und nicht meinen, sie müssten nicht mehr pünktlich zur Arbeit erscheinen oder faulenzen zu können, nur weil sie jetzt „Brüder“ sind. Im Gegenteil, sie sollten gerade den gläubigen Herren, ihren Brüdern im Herrn, fleißiger oder noch besser dienen, als sie es bisher getan haben.

Ich denke, dass auch wir Christen im 21.Jahrhundert herausgefordert sind, wenn wir diese Verse lesen, dem Befehl des Paulus nachzukommen. Wahrscheinlich befindet sich keiner von uns in der gleichen Situation, wie die Sklaven damals, doch haben auch wir „Herren“ die uns von Gott gegeben wurden. Ob es nun der Vorgesetzte in der Arbeit oder der Lehrer in der Schule ist, wir sind aufgefordert sie in einer angemessenen Weise zu ehren. Auch dort, wo wir auf schwierige Persönlichkeiten treffen, denn dann wird unser Zeugnis für Gott um so heller leuchten.