Andachten

Eigenschaften Gottes (6/8): Gottes Wille

Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. (Matthäus 6,10)

Grundsätzlich kann man den Willen Gottes in zwei Teilen unterscheiden. Einerseits den verborgenen und andererseits den offenbarten Willen Gottes.

1. Der verborgene oder auch souveräner Wille Gottes ist für uns Menschen nicht erkennbar. Er ist keine ethische Richtschnur für unser Handeln.

Der verborgene Wille Gottes ist:

– Gott selbst

– nicht von anderen Dingen abhängig

– nicht von anderen Dingen verursacht

Aufgrund dieser Gegebenheiten tritt das, was Gott will, immer ein. Denn sein Wille geht wegen seiner Unbedingtheit immer in Erfüllung. «Gott will dieses, das wegen einem anderen ist, aber er will es nicht auf Grund von jenem anderen.»[1]

2. Der offenbarte Wille Gottes hingegen vermittelt im ethischen Sinne lehrreiche Informationen und zwar durch die Bibel. Damit gemeint sind:

– Gottes Befehle (Gesetze usw.)

– Verheissungen

– Warnungen (Gebote)

Der offenbarte Wille Gottes ist für uns Menschen in Alltagssituationen konditionell. So können wir uns damit prüfen und uns auch umstimmen lassen. Sprich, wir leben nach dem Wort Gottes und versuchen seine Gebote zu halten. Nicht weil wir es müssen, sondern aus Liebe zu Gott.

Nun noch zum Problem, welches scheinbar der Wille Gottes mit sich bringt. Wie ist es mit dem Bösen, welches in dieser Welt geschieht? Geschieht das auch in seinem Willen? Dabei ist zu beachten, dass man den Willen Gottes in einen effektiven Willen und seiner Zulassung unterscheiden muss. Gott wollte die Ungerechtigkeit und das sündigen nicht, aber er lässt es zu. «Er will die Sünde nicht unmittelbar, aber er will seine freie, gerechte und weise Zulassung, mit der er die Sünde zulässt.»[2]

Gottes (verborgener) Wille geschehe – unweigerlich – wie im Himmel, so auf Erden. Und wir sollen nach dem offenbarten Willen streben und nach seinem Gesetz leben.


[1] „Deus vult hoc propter hoc: sed non propter hoc vult hoc.“ (Gisbertus Voetius: Selectae disputationes theologicae V, 88)

[2] “Non vult immediate peccatum, sed liberam, justam et sapientem permissionem suam, qua peccatum permittit.” (Gisbertus Voetius: Selectae disputationes theologicae V, 89)