Andachten

Zum leidenden Messias gehört eine leidende Gemeinde

Da sprach er zu ihnen allen: Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach. (Lukas 9,23)

Lukas berichtet uns in seinem Evangelium von drei Leidensankündigungen, die Jesus gehalten hat. Die erste von ihnen finden wir nur einen Vers vor dem heutigen Vers. Jesus bekundet darin seinen Jüngern, dass er leiden, sterben und auferstehen wird. Und unmittelbar darauf folgt Jesu Rede über echte Nachfolge. Zwischen der Leidensankündigung Jesu und seiner Rede über echte Nachfolge lässt sich ein Zusammenhang finden. Gerhard Maier beschreibt ihn folgendermaßen: Zum leidenden Messias gehört eine leidende Gemeinde. Anders gesagt: Wer ein echter Nachfolger Jesu sein will, der wird gewissermaßen einen Weg gehen müssen, der dem Weg Jesu gleicht. Einen Weg, auf dem man tagtäglich sein Kreuz auf seinem Rücken trägt.

Ich weiß nicht, was du unter der Aufforderung „Nimm dein Kreuz auf dich!“ verstehst. Die Menschen zur Zeit Jesu verstanden aber definitiv etwas anderes darunter als wir heute. „Nimm dein Kreuz auf dich!“, sagte zu der Zeit normalerweise ein Soldat zu einem Schwerverbrecher, der sein Kreuz zu dem Ort tragen musste, an dem er letztendlich gekreuzigt wurde. Wenn man zu der Zeit eine Person mit einem Kreuz auf dem Rücken durch den Ort laufen gesehen hat, dann wusste man, dass diese Person auf einer Einbahnstraße geht. Sie wird nicht zurück kommen. Der Tod ist sicher. Das war das, womit die damaligen Menschen die Aufforderung Jesu wahrscheinlich in Verbindung brachten.

Nun habe ich ja vorhin festgehalten, dass zu einem leidenden Messias unumgänglich leidende Nachfolger gehören. Und der Tag kam, an dem die Leidensankündigung Jesu erfüllt wurde und Jesus sein Kreuz auf sich nahm und in Richtung Tod auf Golgatha lief. Wo waren seine Jünger? Sind sie hinter ihm gelaufen, mit ihrem Kreuz auf dem Rücken? Nein, leider nicht. Schon in der Nacht, als Jesus gefangen genommen wurde sind sie allesamt geflohen. Petrus, der Jesus versicherte, dass er ihn niemals verlassen würde und mit ihm in den Tod gehen würde, verleugnete Jesus dreimal. Er tat das komplette Gegenteil von dem, was Jesus befohlen hatte.

Jesus stirbt. Aber nach drei Tagen aufersteht er wieder und kommt zu seinen Jüngern. Und er gibt ihnen den Auftrag das Evangelium in die ganze Welt zu tragen. Und sie tun es; mit Leidenschaft, mit Mut, mit Beharrlichkeit. Sie stehen für Christus und das Evangelium ein, mit fester Überzeugung. Sie werden gefangen genommen, werden gefoltert und sterben. Petrus wird über Kopf gekreuzigt, ein anderer Jünger wird in Öl gekocht, andere sterben in Armut. Wie kam es dazu, dass die Jünger, die einst geflohen sind auf einmal wirklich ihr Kreuz für ihren Messias auf sich nahmen und für ihn in den Tod gingen? Der Grund liegt in einem Ereignis, das zeitlich zwischen diesen beiden Ereignissen liegt: Der Tod und die Auferstehung Jesu Christi. Somit können wir folgendes festhalten:

Die Jünger konnten ihr Kreuz für Jesus nur tragen, weil Jesus sein Kreuz für sie trug.

Und das ist bei uns nicht anders. Auch wir können unser tägliches Kreuz nur tragen, weil Jesus sein Kreuz für uns trug. Nun ist es ja so, dass wir Christen, zumindest im Westen, in einer ganz anderen Lebenslage sind, als die ersten Christen. Was bedeutet diese Aufforderung für uns heute? Ich denke das kompromisslose Nachfolgen bis zum Tod bleibt für uns bestehen, auch wenn es wohl nicht so weit kommt. Aber diese kompromisslose Nachfolge fängt auch schon in kleinen Dingen an. Ich sitze beispielsweise immer wieder im Zug. An diesem Ort könnte ich super mein Kreuz auf mich nehmen, indem ich andere Menschen anspreche und ihnen die frohe Botschaft erzähle, dass Christus für Sünder gestorben ist, damit sie gerecht sein können. Es könnte sein, dass ich ignoriert werde, ausgelacht werde, für naiv gehalten werde und in schlimmeren Fällen vielleicht sogar beschimpft werde. Sollte mich das aber nicht in gewisser Weise erfreuen? Denn Christus trug sein Kreuz für mich, nun darf ich meins für ihn tragen und darf in solchen Situation vielleicht Gemeinschaft in seinen Leiden haben (Phil 3,10). Es gibt viele ähnliche Situation. Vielleicht fällt dir spontan eine ein. Lass dich dadurch ermutigen, dass Jesus sein Kreuz für uns trug und bete darum, dass er die Kraft schenkt, dein Kreuz zu tragen.