Andachten

Die Existenz der Seele: Ein philosophischer Exkurs

Da bildete Gott der HERR den Menschen, Staub von der Erde, und blies den Odem des Lebens in seine Nase, und so wurde der Mensch eine lebendige Seele. (Genesis 2,7)

Phänomenal ist die Frage nach der Existenz der Seele und deren Sein überhaupt – zudem auch die Frage nach der Relevanz der Seele im Kontext der menschlichen Selbstkonzeption.

Definiert sich die Existenz der Seele auf reine elektrochemische Aktivitäten von kleinen Nervenzellen oder haben die neusten Erkenntnisse der Neurowissenschaften keinen essentiellen Einfluss auf die Begreifbarkeit der Seele?

Hierfür bestehen bereits verschiedene Gedankenexperimente um diese Problematik darzulegen. Beispielsweise das Gedankenexperiment, bei welchem ein lebendiger menschlicher Körper durch ein perfektes körperliches Duplikat ersetzt wird. Die Frage dabei ist nicht, ob dieses Duplikat das Original adäquat ersetzen könnte, sondern vielmehr ob dieselbe «Seele» (oder Selbstkonzeption) in dieser Duplikation weiterlebt (trotz des ersetzten Körpers).

Dieses Gedankenexperiment kann zu zwei verschiedenen Resultaten führen: Entweder, dass die Seele ein entscheidender Bestandteil unseres Selbst ausmacht oder, dass es eine ontologische Einfachheit hervorruft, welche die Existenz der Seele überflüssig macht. Letzteres führt im Grunde auf eine gnostische Betrachtungsweise zurück, wobei man den Körper von dem Geiste separiert. Diese gefährliche Irrlehre definiert die Materie als schlecht und den Geist als gut. So hätten körperliche Sünden keinen Einfluss auf die geistliche Reinheit, denn das wahre Leben ja nur im geistlichen Dasein existiere.

Eine ähnliche Betrachtungsweise dieser Problematik hatte René Descartes (Philosoph und Vertreter des Skeptizismus). Er vertrat den Leib-Seele Dualismus und setzte die Gleichsetzung von Geist und Seele voraus und meinte: Er könne sich eher vorstellen keinen Körper zu haben, als keinen Geist. Dadurch verbindet er die Seele mit der Axiomatik des Bewusstseins.

Spätere Philosophen widersprachen ihm dabei und behaupten, dass die Seele nicht zum Bewusstsein beiträgt, sondern unsere Identität bestimmt, indem sie «die Gedanken» in unserem Kopf zu «unseren Gedanken» macht. Doch diese Debatte über die Verbindung zwischen Körper & Seele / Geist & Gehirn besteht bis heute und wird auch bis auf weiteres ungeklärt bleiben.

Schlussendlich hat die Seele einen Einfluss auf die Selbstkonzeption, doch die Frage nach der Gewichtigkeit dieses Einflusses bleibt offen. Die Seele lässt sich nicht auf etwas Materielles reduzieren. Trotzdem bestimmt die Seele unser Selbst mit. Sie prägt unsere Einzigartigkeit und trägt wesentlich zu unserem «Ich» bei.

In Betrachtung von Genesis 2,7 sieht man, dass die Kreation von Körper und Seele Leben schöpfend, identitätsbestimmend und von Gott geschenkt sind.

Wir sind, wie wir sind (mit Körper und Seele) von Gott geschaffen und haben unsere Identität von Ihm. Weiter identitätsbestimmend ist das Erlösungswerk Gottes von der menschlichen Sünde, welches durch seinen Sohn Jesus Christus vollbracht wurde: Die ihn aber aufnahmen, denen gab er Vollmacht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben. (Johannes 1,12) So ist selbst diese neue Identität in Jesus Christus ein Geschenk von Gott! Durch Ihn sind wir wiedergeboren, gerechtfertigt vor Gott und dürfen uns sogar seine Kinder nennen.

Was wir aus dieser Debatte mitnehmen sollten ist, dass wir als Menschen mit Körper und Seele geschaffen sind und Gott, unseren Schöpfer, mit unserem Herzen, von ganzer Seele und mit ganzer Kraft lieben sollen. (5. Mose 6, 4-5)