Andachten

Jesu Weherufe gegen die Pharisäer (1/7)

Wehe aber euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verschließt das Reich der Himmel vor den Menschen; denn ihr geht nicht hinein, und die, die hineingehen wollen, lasst ihr auch nicht hinein gehen. (Matth 23,13-14)

Große Männer der Erde werden häufig mit einer großen Rede in ihrem Leben in Verbindung gebracht. Denken wir zum Beispiel an Ronald Reagan und an seine wohl für Deutschland bedeutendste Rede am 12. Juni 1987 mit dem legendären Ausspruch: „Mr. Gorbachev, open this gate. Mr. Gorbachev, tear down this wall!“ Diese Rede war unter anderem maßgebend für die Wiedervereinigung Deutschlands und den hierfür zwingenden Fall der Mauer.
Oder denken wir an Martin Luther Kings Rede 1963, bekannt unter dem Titel „I have a dream“, welche die Rassentrennung in den USA anprangerte und mitunter den Weg zur Gleichberechtigung ebnete.

Auch Jesus hielt eine unübertroffene Rede, die ihresgleichen sucht. Es ist die Bergpredigt in Matthäus 5-7.  Aber auch Jesu Gleichnisreden, die sich über mehre Kapitel ziehen, sind über die christlichen Kreise hinweg bekannt.

Doch eine Rede Jesu hatte es auf eine besondere Art in sich: Es ist die Strafrede gegen die Pharisäer in Matthäus 23. Sie ist deutlich weniger bekannt, weniger verkündigt und selten zitiert – und doch ist sie äußerst lehrreich und warnend zugleich. Ja noch mehr: Sie ist bis in unsere heutige Zeit hinein aktuell und voller Gehalt.

In sieben Weherufen redet Jesus scharf gegen die geistliche Elite des Landes Israels und verurteilt ihr Handeln, ja noch mehr: Er spricht ein Urteil über die Elite höchstselbst.

Der erste Weheruf klagt an, dass die Schriftgelehrten den Menschen das Himmelreich verschließen. Es ist der härteste Weheruf über das schlimmste Vergehen gleich zu Beginn der Warnungen Jesu. Trotz Kenntnis über die Schriften wird dem Volk Israel aus Angst vor Verlust von Ansehen und Macht erschwerliche Last auferlegt, die am Ziel vorbei zielt. Weniger relevante Gebote und selbst gemachte Gesetze lenkten den Blick vom Eigentlichen ab.
Jesus verurteilt dies aufs Schärfste!

Auch heute noch ist dieses Phänomen zu beobachten: Sogenannte geistliche Eliten kümmern sich mit moralisch erhobenem Zeigefinger und scheinbar ethischen Themen viel lieber um den Umweltschutz, Klimawandel und Flüchtlingswellen, anstatt ihrem eigentlichen Kerngebiet nachzugehen: Verlorene Menschen für die Ewigkeit zu gewinnen! Anstatt sie auf ihre Sündenqualen und das damit verbundene Elend zu verweisen, werden andere Randthemen tangiert und ins Zentrum der Verkündigung gestellt. Statt Christus den Gekreuzigten (der nach wie vor ikonenhaft überall in Kirchengebäuden und an Weggabelungen zu bestaunen ist) zu verkündigen, setzt man lieber auf einen medial und gesellschaftlich anerkannten Konsens, der bequem, scheins nicht verhandelbar und akzeptiert ist. Das Wesentliche bleibt auf der Strecke: Menschen für die die Herrlichkeit Gottes zu gewinnen.
Wir sehen also: Jesu Weherufe gegen die Pharisäer sind brandaktuell.

Auch ohne böse Absicht verschließen wir den Weg zu Gott, wenn wir nicht aufhören, Randthemen in den Mittelpunkt zu rücken!
Das rettende Evangelium hat in sämtliche Bereichen unserer Verkündigung stehts den höchsten Stellenwert zu erklimmen!
Hierbei ist ein guter Indikator zur Selbstprüfung folgender: Je mehr und tiefer mich moralische kommende und gehende Belange der Jetztzeit einnehmen, desto weniger ist mein Blick für die Herrlichkeit Gottes und auf sein Werk gerichtet.

Möge uns dieser Blick nicht so abhanden kommen, wie es einst bei den Pharisäern der Fall war, denn sonst lotsen wir Menschen -wenn auch unabsichtlich- am Wesentlichen des Evangeliums Gottes vorbei: Sünder für die Herrlichkeit bei Jesus zu gewinnen!