Andachten

Und selbst, wenn nicht… Gott bleibt Gott

Stell dir mal vor du stehst in einer großen Stadt, wie zum Beispiel Berlin, auf einer überlaufenen Einkaufsmeile. Du erblickst die verschiedensten Menschen, die hastig an dir vorbeilaufen. Du bemerkst, dass große Städte völlig interkulturell sind, denn du siehst, dass unter der Menschenmenge die verschiedensten Nationalitäten vertreten sind. Und in diesem ganzen Getümmel kletterst du flink auf eine kleine Erhöhung, sodass du die große Menge überblicken kannst und predigst mit lauter Stimme das Evangelium. Du bekennst den Gott der Bibel als den einzig wahren Gott und Christus als den einzig wahren Retter. Die Menschen fangen langsam an dich zu beobachten, sie werden aufmerksam. Die einen fangen nach und nach an, dich auszulachen, die anderen pfeifen dich aus, wieder andere haben einen etwas aggressiven Gesichtsausdruck und formen ihre Hände zu Fäusten. Und all das nur, weil du Gott als den einzig existierenden und rettenden Gott bekennst. Eine äußerst unangenehme und angespannte Situation, nicht wahr?

Ich denke den Freunden Daniels, Schadrach, Meschach und Abed-Nego, ging es in einer gewissen Weise sehr ähnlich. Sie waren junge und kluge Männer, die, wie viele andere Israeliten, ins babylonische Exil geführt wurden. Aufgrund dessen, dass sie klug, begabt und fähig waren wurden sie an den königlichen Hof geholt, damit sie dem König Nebukadnezar in Aufgaben der Verwaltung dienen sollten.

Dieser König Nebukadnezar lies zu jener Zeit ein großes Abbild machen, das zur Anbetung für die Menschen gedacht war. Zur Einweihung dieser Statue wurden alle weisen und führenden Männer des babylonischen Reiches eingeladen, sodass sie das Bild anbeten konnten beziehungsweise sollten. Darunter waren eben auch die drei Freunde Daniels. Schließlich wurde durch den Herold ausgerufen: „Ihr alle, die ihr anwesend seid, sobald ihr hört, dass die Musik erklingt, sollt ihr euch niederknien und das Bild anbeten“. An dieser Stelle kommt das Bild ins Spiel, welches ich einleitend nutzte. Der Ort war voll mit Menschen aus verschiedenen Orten, Regionen und Ländern. Alle führenden Menschen aus dem großen babylonischen Weltreich waren anwesend. So wie die Einkaufsmeile im Beispiel überfüllt ist, so können wir uns auch einen überfüllten Platz vor der Götzenstatue vorstellen.

Die Musik erklingt und alle knien sich nieder… bis auf drei Personen. Schadrach, Meschach und Abed-Nego bleiben stehen. Das muss eine unglaublich angespannte Situation gewesen sein. Zumal jeder wusste, was denjenigen blüht, die der Anweisung des Niederkniens nicht gehorchten. Sie mussten auf der Stelle in den glühenden Feuerofen geworfen werden (Dan 3,6). Doch sie konnten es unmöglich, denn sie hätten sich dabei gegen Gott versündigt und ihn verleugnet. Sie werden angeklagt und der König selbst spricht zu ihnen; etwa so: „Ihr wollt das Bild nicht anbeten? Nun, einen Versuch bekommt ihr noch, wenn ihr aber wieder nicht niederkniet, so werdet, und das verspreche ich euch, in den Feuerofen geworfen werden“. Der König höchstpersönlich spricht nun zu den drei Freunden und er meint es bitter ernst. Wenn sie ihm nicht gehorchen, so müssen sie sterben. Phänomenal ist die Antwort der drei Freunde auf diese Ansprach des Königs:

Es ist nicht nötig, dass wir dir darauf antworten. Wenn unser Gott, den wir verehren, will, so kann er uns erretten; aus dem glühenden Ofen und aus deiner Hand, o König, kann er erretten. Und wenn er’s nicht tun will, so sollst du dennoch wissen, dass wir deinen Gott nicht ehren und das goldene Bild, das du hast aufrichten lassen, nicht anbeten wollen. (Daniel 3,16-18)

Ich kann mir vorstellen, dass in der Menge der ein oder andere dachte: „Mann, sind die irre! Ich meine, wir haben ja auch andere Götter, aber wir tun eben, was uns unser König befiehlt. Wir wollen ja nicht sterben.“

Wir sehen hier ein wunderbares Zeugnis der drei Freunde, indem sie ihren Gott klar und deutlich bekennen. Sie sagen in anderen Worten: „Egal was kommt, wir vertrauen auf den lebendigen Gott und ordnen uns nicht menschengemachten Göttern unter“. Wohlgemerkt, sie sagen nicht, dass ihr Gott sie auf jeden Fall vor dem Feuerofen retten wird. Das tat er zwar, aber das ist nicht das, was sie hier sagen. Sie zeigen an dieser Stelle zwei Optionen auf: 1. Option: Gott wird sie vor dem Tod retten. 2. Option: Gott wird sie vor dem Tod nicht retten. Die Überzeugung bleibt aber bei beiden Optionen die gleiche: Sie vertrauen auf Gott und seinen souveränen Plan.

An diesem Punkt können wir ganz praktisch mit unserem Leben anknüpfen. Vielleicht stehen wir nicht gerade in der Gefahr in einen Feuerofen geworfen zu werden, okay. Aber sehr wohl treffen uns in unserem Leben immer wieder Schläge, bei denen wir merken, dass wir es nicht in der Hand haben, einen Ausweg zu finden. Die Freunde konnten in ihrer Situation das Geschehen nicht selber lenken. Aber was sie sagen ist, dass Nebukadnezar es genau so wenig kann. Klar, er kann sie in den Feuerofen werfen. Aber in letzter Konsequenz ist es allein Gott, der das Geschehen lenkt, auch wenn es sinnlos oder falsch erscheinen mag.

Es gibt Situationen im Leben, in denen man den Verlauf der Dinge, nicht mehr lenken kann. Doch der Feind kann es genau so wenig. Es scheint zwar oft so, doch er kann es nicht. Der einzige, der Wege lenkt, der Pläne schafft, der seinen Willen zur Vollendung führt ist unser lebendiger und souveräner Gott. Ihm sei daher die wahre Anbetung. Ihm allein.