Andachten

Gierige Affen

Vielleicht hast du schon mal von dem Trick gehört, mit dem früher Affen gefangen wurden. Man versteckt einen Leckerbissen in einem Behälter der nur eine kleine Öffnung hat, durch die die Hand eines Affen gerade so durchpasst. Streckt dann ein Affe seine Hand hinein und greift sich diesen Leckerbissen passt seine Hand nicht mehr durch die Öffnung. Nun muss man den Affen nur noch einfangen und in einen Käfig sperren, denn statt das Essen einfach in dem Behälter zu lassen und das Weite zu suchen, versucht der Affe krampfhaft, seine Hand mit dem Leckerbissen durch die Öffnung zu zwängen.

Auch wenn ich die Evolutionstheorie aus exegetischen wie auch naturwissenschaftlichen Gründen ablehne, so erkenne ich in dieser Hinsicht doch gewisse Parallelen zwischen Affen und Menschen. Die Gier kostet den Affen die Freiheit. Und auch der Mensch neigt dazu, gierig an vielen Dingen festzuhalten und nachzujagen, obwohl es ihn letztlich selbst zerstört. Die Sprüche widmen sich ausführlich dem Thema Gier. Ein paar Beispiele:

Nichts nützen gottlose Schätze, aber Gerechtigkeit rettet vom Tod. Der HERR lässt nicht hungern die Seele des Gerechten, aber die Gier der Gottlosen stößt er zurück. (Spr 10,2.3). Nichts nützt Reichtum am Tag des Zornes, Gerechtigkeit aber rettet vom Tod. Die Gerechtigkeit der Aufrichtigen rettet sie, aber durch ihre Gier werden die Treulosen gefangen. (Spr 11,4.6)

Gier wird hier als etwas beschrieben, das Gott hasst. Er hasst Gier, weil er als nicht vertrauenswürdig und nicht herrlich dargestellt wird, wenn Menschen gierig sind. Die Israeliten liefern uns hierfür ein Beispiel, denn “sie gierten voller Begierde in der Wüste, versuchten Gott in der Einöde.” (Ps 106,14) Gott verurteilte dieses Verhalten und strafte es auch (das Manna, das zu viel gesammelt wurde, verdarb und von dem Geflügel, das Israel begehrt hatte, wurde ihm schlecht). Gier ist das Gegenteil von Gottvertrauen. Wer meint, er muss mit ganzer Kraft nach Irdischem (Essen, Trinken, Kleidung, Besitz, Immobilien, Autos, Versicherungen, …) streben um sich Glück und Gesundheit zu erhalten, bekennt damit durch sein Handeln seine Theologie, die da heißt: “Gott ist nicht genug und ich vertraue ihm nicht.” Auch die Sprüche stellen Gier und Gottvertrauen gegenüber: “Der Habgierige erregt Streit; wer aber auf den HERRN vertraut, wird reichlich gesättigt.” (Spr 28,25)

  • Auf was neigen wir unser Vertrauen zu setzen? Auf Reichtum und Besitz? Hier ist Gottes Antwort darauf: “Wer auf seinen Reichtum vertraut, der wird fallen, aber wie Laub werden die Gerechten sprossen.” (Spr 11,28)
  • Von was erhoffen wir uns Befriedigung? Von leckerem Essen und Trinken? Gott sagt: “Besser wenig in der Furcht des HERRN als ein großer Schatz und Unruhe dabei. Besser ein Gericht Gemüse, und Liebe ist da, als ein gemästeter Ochse und Hass dabei.” (Spr 15,16.17)
  • Neigen wir zu Betrug, bewegen wir uns in juristischen Grauzonen oder sind wir sogar in illegale Aktivitäten involviert, um schnell Profit zu machen? Gottes Wort warnt uns: “Sein Haus zerrüttet, wer unrechten Gewinn macht; wer aber Bestechungsgeschenke hasst, wird leben.” (Spr 15,27)
  • Richten wir unseren Fokus auf Genuss und Spaß aus und erhoffen uns davon wahres Leben? Genau das Gegenteil lehrt uns Salomo: “Die Begierde des Faulen bringt ihm den Tod, denn seine Hände weigern sich zu arbeiten. Den ganzen Tag giert er voller Begierde.” (Spr 21,26.27a)
  • Ist es unser Streben nach Anerkennung das, was uns antreibt? Wenn ja, werden wir kläglich scheitern: “Zu viel Honig essen ist nicht gut, und das Suchen von Ehre bleibt ohne Ehre!” (Spr 25,27)

Ich habe anfangs eine Illustration aus der Tierwelt angeführt, um die Gier zu veranschaulichen. Auch die Sprüche tun das, allerdings nicht mit einem Affen: “Der Blutegel hat zwei Töchter: Gib her, gib her! Drei sind es, die nicht satt werden, vier, die nicht sagen: Genug! Der Scheol und der verschlossene Mutterleib, die Erde, die an Wasser nie satt wird, und das Feuer, das nie sagt: Genug!” (Spr 30,15.16) Ich denke auch diese starke bildhafte Sprache sollte uns abschrecken, gierig zu sein.

Letztlich soll uns aber bewusst werden, dass der wichtigste Grund, warum wir Gier (und auch alle anderen Sünden) vermeiden sollen, ist, dass derartiges Verhalten ein Angriff gegen Gottes Wesen ist. Gott ist gnädig, großzügig und gut. Er liebt uns und verspricht uns, nur das Beste zu geben. Er ist unendlich weise und weiß deshalb auch immer, was das Beste für uns ist. Lasst uns deshalb so handeln, denken und reden, dass man erkennt, dass Gottes Wesen genauso wunderbar ist, wie er es in seinem Wort offenbart.

Die Sprüche (53/100)