Andachten

Jesu Weherufe gegen die Pharisäer (2/7)

Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr durchzieht das Meer und das trockene Land, um einen Proselyten zu machen; und wenn er es geworden ist, so macht ihr ihn zu einem Sohn der Hölle, doppelt so schlimm wie ihr. (Matthäus 23,15)

Im Jahr 50 n. Chr. erklomm die Schule des Hilles die Spitze ihres Ruhms. Sie war bekannt für den jüdischen Missionseifer, welcher bis in (ehemaliges) kulturelles Feindesgebiet zog. Durch diese Schule konvertierten zahlreiche Heiden zum jüdischen Glauben! Das wohl prominenteste Beispiel hierfür ist König Izates von Adiabene (Syrien), welcher den jüdischen Glauben durch ebendiesen Missionseifer annahm.
Die vollständige Annahme des Judentums zeigte sich in drei Schritten:

  1. Männer ließen sich äußerlich beschneiden
  2. Man vollzog eine Art Taufe (Waschung nach Sacharja 13,1)
  3. Opfergabe im Tempel

Was jedoch kritisiert Jesus hier in seinem zweiten Weheruf? Den Eifer? Das missionarische Engagement der Pharisäer? Keineswegs! Im Gegenteil: Jesus betont den Einsatz sogar und beschreibt die Mühsal über das Meer und die trockenen Landen.
Jedoch tadelt Jesus die Umgangsweise mit den Proselyten (Konvertiten). Sind sie bereits mit dem Gesetz und den Pflichten des ATs vertraut, so werden sie zu Söhnen der Hölle gemacht, doppelt so schlimm. Wieso doppelt?

a) zum einen, weil sie meinen errettet zu sein und sind es dennoch nicht
b) zum anderen, weil sie sich von den Pharisäern unterjochen ließen

Welch fatales Ergebnis! Man meint errettet zu sein, weil man am Glied beschnitten wurde, opferte und sich rituell reinigte – und doch führt dies am ewigen Leben vorbei. Die Pharisäer kamen ihrer Kernaufgabe nicht nach, die Beschneidung des Herzens, welche bereits in 5. Mose 16 bekanntermaßen verlangt wurde, nachzukommen. Sie führten durch die Beruhigung der Sinne am Ziel vorbei, weil den Heiden suggeriert wurde, dass sie nun bessere Menschen sind.

Scheuen wir uns nicht davor die Analogie zu heute zu ziehen! Wie viele Menschen werden unwissentlich betrogen, weil sie zum Heben der Hand ermutigt werden und ihnen anhand dessen die Gotteskindschaft zugesprochen wird? Oder ein Übergabegebet wird nachgesprochen und wird als Beginn eines Lebens mit Jesus auf einer persönlichen Karte dokumentiert?
Solche Methoden, welche sicherlich eine gute Absicht haben führen jedoch dazu, dass Menschen im Irrglauben der Errettung gelassen werden und dennoch Söhne der Hölle bleiben.

Einzig und allein die Wiedergeburt, vom Vater zum Sohn gezogen, überführt vom Geist betreffs der eigenen Sünde und der Erlösungsbedürftigkeit leiten zur gottgegebenen Buße, die aus lauter Gnade von Gott geschenkt wurde.
Das ist das Evangelium. Ohne Rituale. Ohne Zeremonie. Ohne Show.

Wehe uns, wir verkündigen was anderes. Jesu Worte haben an Aktualität und Bedeutung keineswegs eingebüßt.