Andachten

Drachen steigen lassen (1/2)

„Wenn nun der Sohn euch freimachen wird, so werdet ihr wirklich frei sein.“ (Johannes 8,36)

Wer schon einmal in einer windigen Jahreszeit am Strand war, kennt sie: Bunte, in allen Größen erhältliche Flugdrachen aller Art. Kinder lieben diese lustigen Spielzeuge, die mit kurzen Handbewegungen und ausreichendem Wind alle möglichen Formen fliegen können. Zu diesen Zeiten sieht man dann Väter mit ihren kleinen oder größeren Jungs und Mädchen über die Wiesen springen, verzweifelte Eltern ihre gerade erst gekauften Drachen reparieren oder weinende Kinder vor den mehrfach verwobenen Stricken der Flugobjekte stehen.

So ein Drachen vermittelt das Gefühl von Freiheit. Wie er in der Luft steht, wie er in Kreisen und Loopings seine Bahnen zieht, wie er sich ganz langsam oder extrem schnell von A nach B bewegt: Er scheint frei zu sein. Und doch ist er es nicht. Jeder Drachen ist nur dann zu solchen Bewegungen fähig, wenn er verbunden ist – verbunden mit einer dünnen Nylon-Schnur, die den Drachen mit seinem Besitzer verbindet. Und obwohl dieser Drache nicht unabhängig ist, so ist er dennoch frei. Denn nur durch die Verbindung mit der Schnur kann er Formen fliegen und freie Bewegungen machen. Ohne diese Verbindung würde er sang- und klanglos zu Boden stürzen und keinem Kind oder Erwachsenen Freude bereiten.

Jesus spricht in einem Gespräch mit einigen jüdischen Nachfolgern über das Thema „Freiheit“. Er erklärt ihnen, dass sie gar nicht wirklich frei sind. Sie meinen zwar, freie Menschen zu sein, aber er entlarvt ihre Selbstgerechtigkeit und nennt sie sogar „Sklaven der Sünde“ (Joh 8,34). Er zeigt ihnen auf, dass sie nicht frei sind, nur weil sie jüdischer Abstammung sind oder besonders fromme Verhaltensweisen haben. Doch er zeigt ihnen nicht nur ihre Unfreiheit auf, sondern gibt ihnen auch die Lösung mit: Sich selber.

Wir denken heute oft, Freiheit würde Unabhängigkeit bedeuten. Je weniger ein Mensch sich von anderen abhängig macht, desto mehr Freiheit erlangt er, denken wir. Jemand, der sich durch die Ehe an einen Partner lebenslang bindet, ist unfrei. Jemand, der Kinder hat, ist unfrei. Er muss in allen seinen Entscheidungen auch andere Menschen mit einbeziehen. Er ist abhängig und damit nicht wirklich frei.

Wenn Jesus von Unfreiheit spricht, dann ist das für ihn die Versklavung unter die Sünde. Jemand, der nicht frei ist, ist abhängig von der Sünde. Er ist damit sogar ein „Kind Satans“ und in seiner Abhängigkeit (Joh 8,44). Aber Jesus zeigt auf, dass, wie bei dieser Unfreiheit, auch echte Freiheit abhängig ist. Jemand, der sich frei nennen kann, ist in erster Linie frei von Sünde. Er wird von der Abhängigkeit der Sünde befreit, indem er abhängig von Jesus und seiner Lehre wird (Joh 8,31-32). Menschen, die in seinem Wort bleiben, sind wirklich frei.

Wie bei einem Drachen sollen wir uns also frei bewegen: Unsere Kreise ziehen, unser Leben leben. Aber bei allen Bewegungen halten wir uns fest und sind verbunden mit dem Wort Gottes. Wir sind verbunden mit Jesus Christus selber. Dadurch erst sind wir gesichert vor dem Abstürzen und können wirklich frei sein. Ein Loslösen von diesem „Faden“ wird mit einem Absturz enden, der schlimme Folgen hat. Aber richtige, echte Freiheit, ist immer abhängig. Sie ist abhängig von Jesus Christus. Wahre Freiheit ist verbunden mit seinem Wort und seiner Person. Nur so können wir frei sein.

In der nächsten Andacht dieser Reihe möchte ich gerne zwei verbreitete Fehlinterpretationen dieser verbundenen Freiheit aufgreifen, die uns von Jesus weg bringen. Auch auf diese falschen Wege gibt die Bibel uns eine befreiende Antwort.

Ein Gedanke zu „Drachen steigen lassen (1/2)“

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