Andachten

Was stimmt nicht mit meinen Augen?

Öffne meine Augen, damit ich schaue die Wunder aus deinem Gesetz.
Psalm 119,18

Es ist hochinteressant, mit den Augen der biblischen Autoren zu sehen. Wenn du deine Bibel liest, dann achte einmal speziell darauf, was die Ausgangspunkte der Schreiber sind. Achte darauf, was sie für wahr halten und was sie als selbstverständlich voraussetzen. Du wirst überrascht sein, wie viel es für dich zu lernen gibt.

Im Zusammenhang mit unserer Stillen Zeit mit Gottes Wort möchte ich ein solches Thema ansprechen. Unser heutiger Vers ist sehr kurz, aber er enthält mindestens drei elementare Grundwahrheiten über Gott, sein Wort und uns.

Erstens, ist Gottes Wort voller Wunder. Dies stellt der Psalmist als Tatsache fest. Gott hat sein Gesetz wunderbar gegeben und es ist vollkommen. Psalm 119 ist ein besonderes Loblied auf Gottes Gesetz, seine Zeugnisse, seine Bestimmung und seine Aussprüche (der Psalmschreiber verwendet enorm viele verschiedene Begriffe für Gottes Worte). Hierbei sollten wir beachten, dass die Wunder direkt dem Gesetz Gottes entspringen, und nicht durch unsere spirituelle Erfahrung mit dem Wort erschaffen werden, wie es viele Neu-Mystiker lehren.

Zweitens lehrt uns der Text, dass unsere Augen vom Grundsatz her blind sind für die Wunder im Wort Gottes. Für Ungläubige sind die Worte Gottes sowieso eine Torheit laut 1. Korinther 2. Aber auch für uns Gläubige, scheint Gottes Wort oft verschlossen und so weit entfernt zu sein. Wir sehnen uns nach Gottes Reden, wenn wir sein Wort lesen. Wir wollen verstehen was er sagt, wir wollen graben und Schätze finden. Doch häufig prallen wir von den Versen ab. Wir dringen nicht durch und hinein in die Tiefen und die Wunder der Ratschlüsse Gottes. Erleben wir dies über eine längere Zeit, dann empfinden wir das als eine Durststrecke in unserem geistlichen Leben, denn im tiefsten Inneren sehnen wir uns nach einem größeren Verständnis unseres Gottes und nach stärkerer Gemeinschaft mit ihm.

Doch die dritte Wahrheit des Verses ist die schönste: Es ist Gottes Vorrecht, unsere Augen für die Wunder seines Wortes zu öffnen. Als Christen waren wir nicht nur bei unserer Errettung völlig auf Gottes Gnade angewiesen, wir sind auch im Alltag ganz von seiner Gnade abhängig. Wenn Gott unsere Augen nicht öffnet, bleiben wir blind für sein Reden, für sein Wirken und sein Wesen. Jesus greift diesen Gedanken im neuen Testament auf (Mt 11,27) und erklärt den Menschen, dass niemand den Vater kennt als er selbst und derjenige, dem er den Vater offenbaren will!

Es war von jeher Gottes Vorrecht, sich selbst dem Menschen zu erkennen zu geben und ihn zu retten. Wenn du Gott und die Wunder in seinem Gesetz nicht siehst, dann mach dir nichts vor: Nicht mit Gottes Offenbarung stimmt etwas nicht, sondern mit deinen Augen. Aber die wunderbare Wahrheit ist: Wir dürfen jederzeit zu unserem Herrn Jesus kommen und ihn bitten: Herr, öffne uns die Augen, dass wir sehen die Wunder in deinem Gesetz! Und den Seinen will Christus sich und den Vater gerne offenbaren. Wir haben einen wunderbaren Gott.