Andachten

Drachen steigen lassen (2/2)

„Wenn nun der Sohn euch frei machen wird, so werdet ihr wirklich frei sein.“ (Johannes 8,36)

Im ersten Teil dieser Andachtsreihe haben wir gesehen, dass wahre Freiheit uns abhängig macht von Jesus und seinem Wort. Wir sind frei! So sagt es Jesus auch in dem oben beschriebenen Vers. Wir sind frei, weil der Sohn uns frei gemacht hat.

Trotzdem fühlen sich viele Christen nicht frei. Für sie ist das Leben als Christ mehr Kampf als Freude, mehr Krampf als Freiheit. Es ist anstrengend, Christ zu sein. Es ermüdet nicht nur den Körper, sondern auch den Geist. Ich glaube, dass diese Gefühle auf einem falschen Verständnis der Freiheit beruhen und möchte in dieser Andacht zwei falsche Arten von Freiheit herausgreifen. Sie stehen einander gegenüber und zeigen beide von der verbundenen, in Jesus verwurzelten Freiheit weg: Die entbundene und die gebundene Freiheit.

Die entbundene Freiheit

Diese falsch verstandene Freiheit könnte man auch als Gesetzlosigkeit bezeichnen. Wer danach lebt, den interessiert sein eigenes Ich mehr als Gott. Er will Gottes Geboten nicht gehorchen und will sich stattdessen selbst verwirklichen. Anstatt Gott nachzufolgen, ist alles erlaubt. Diese Freiheit ist Unabhängigkeit von Gott und Abhängigkeit von mir selbst – und dementsprechend von der Sünde. Im Bild des Drachen würde der abgeschnittene, entbundene Drachen abstürzen und nicht frei fliegen können, weil er sich von seinem Halt lossagt. Wer sich von Jesus losbindet, wird abstürzen.

Die gebundene Freiheit

Auch das Gegenteil kann der Fall sein: Bindet man einen Drachen an einem anderen Gegenstand fest, kann er auch nicht fliegen. Und genau das passiert Menschen, die die Freiheit Jesu nicht annehmen wollen. Anstatt frei zu sein binden sie sich an Regeln und Gesetze, um irgendwie vor Gott gut dazustehen. Sie versuchen, durch Bibel lesen, beten und Gemeindebesuche von Gott mehr angenommen zu sein. Doch auch hier geht es nur um mich und nicht um Christus: Hauptsache, ich fühle mich gut vor Gott, indem ich gute Dinge für ihn getan habe.

Beide Arten der Freiheit drehen sich um den Menschen. Beide denken, sie seien frei und binden sich doch beide an sich selber fest. Gerade die gebundene Freiheit habe ich oft selbst erlebt: Ich habe versucht, Gott irgendwie zu beweisen, dass es sich gelohnt hat, mich zu retten. Ich wollte es „wieder gut machen“, dass er für mich alles gegeben hat. Damit habe ich mich jahrelang meiner Freiheit in Jesus beraubt und ein krampfhaftes Leben als Christ geführt.

In jedem Bereich unseres Lebens stehen wir vor der Wahl: Werde ich dem Wort Gottes gehorchen, oder werde ich mir selbst gehorchen (entbundene Freiheit)? Und wenn wir uns für Gottes Wort entschieden haben, aus welchem Motiv mache ich das dann? Um Freiheit durch Jesus zu erfahren, oder um vor Gott besser dazustehen (gebundene Freiheit)?

Jesus Christus hat uns nicht befreit, damit wir unsere eigenen Wege gehen, auch nicht, um uns selbst irgendwie zu rechtfertigen. Ich würde mich freuen, wenn immer mehr Christen erleben dürften, wie befreiend die Freiheit eigentlich ist, die Jesus uns gibt.